Kampf gegen das Artensterben: Schulze drängt auf Neustart

Zum Auftakt der Weltartenschutzkonferenz im chinesischen Kunming fordern Politik und Umweltverbände mehr Schutz für Ökosysteme.

Eine Gehörnte Mauerbiene im Anflug

Auch in Deutschland gibt es einiges zu tun, um Insekten besser zu schützen Foto: Patrick Pleul/dpa

BERLIN rtr/afp | Umweltministerin Svenja Schulze hat zum Auftakt der Weltartenschutzkonferenz sowohl mehr Schutzgebiete als auch überprüfbare internationale Standards gefordert. Bis 2030 müssten 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt und das Artensterben gestoppt werden, sagte sie am Montag in Berlin. „Die Weltnaturkonferenz ist die Chance für einen Neustart.“

Dabei reiche es nicht, einzelne Arten zu schützen. „Nach Jahrzehnten der Naturzerstörung müssen wir den Trend umkehren und ein Jahrzehnt der Renaturierung einleiten.“ Derzeit gehe das Artensterben so schnell wie noch nie voran. Alle zehn Minuten sterbe eine Art aus. Auch Deutschland sei betroffen. Mit Blick auf einen Koalitionsvertrag forderte die SPD-Politikerin eine neue Landwirtschaftspolitik: „So wie wir sie im Moment betreiben, ist sie Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.“

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat vor Beginn der Artenschutzkonferenz eine deutliche Ausweitung der Naturschutzgebiete gefordert. „Das zukünftige Abkommen muss bis spätestens 2030 zu mindestens 30 Prozent Schutzgebieten an Land und im Meer führen und die Menschenrechte dabei berücksichtigen“, forderte Greenpeace-Experte Thilo Maack am Montag. „Außerdem muss es mit einer soliden Finanzierung und verpflichtenden Aktionsplänen unterlegt sein.“

Von der Bundesregierung forderte er, dass sie ihrer „internationalen Verantwortung gerecht“ werden soll. Sie „muss sich für ein robustes Abkommen mit klaren Zielen und Aktionsplänen zur Rettung der Natur einsetzen.“

Die rund 200 Staaten bei der UN-Weltartenkonferenz im chinesischen Kunming sollen ähnlich wie beim Klimavertrag von Paris eine Rahmenvereinbarung gegen den Verlust der biologischen Vielfalt schließen. Im Entwurf für einen Beschluss geht es neben dem 30-Prozent-Ziel bei Land- und Meeresflächen auch um konkrete Vorgaben für weniger Düngemittel, Pestizide und Plastik. Unter Schutz stehen weltweit derzeit nur rund 15 Prozent der Land- und sieben Prozent der Meeresflächen. Eine Million der geschätzt acht Millionen Arten sind vom Aussterben bedroht.

Die Kunming-Konferenz läuft zunächst bis Freitag. Im Januar soll sie dann fortgeführt werden. Beschlüsse sollen dann wieder in Kunming im Mai fallen. Dabei geht es auch um Geld, um die ärmeren Staaten beim Schutz der Natur zu unterstützen. Deutschland zahlte zuletzt rund 800 Millionen jährlich.

Schulze forderte am Montag messbare Ziele, die nicht nur auf dem Papier stünden. Nach dem Willen Deutschlands und der EU sollten die weltweiten in nationale Ziele übersetzt und nach internationalen Standards überwacht werden. Auch Deutschland habe bei der Ausweisung von Schutzflächen und dem Schutz etwa von Insekten noch viel zu tun. So müssten Moore renaturiert und weniger Dünger eingesetzt werden.

Müller: Gelder zum Erhalt der Biodiversität verdoppeln

Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die internationale Gemeinschaft zum Auftakt der Konferenz zum gemeinsamen Handeln beim Artenschutz aufgefordert. Die Welt müsse an einem Strang ziehen. Von China erwarte er eine „Führungsrolle“. Es brauche einen internationalen „Durchbruch beim Artenschutz“ vergleichbar dem Klimaschutzabkommen von 2015. „Das liegt in unserem eigenen Interesse: Je mehr natürliche Lebensräume vernichtet werden, umso größer wird auch die Gefahr, dass weitere Viren vom Tier auf den Menschen überspringen und schwere Krankheiten auslösen.“

Die Industrieländer forderte Müller auf, ihre Mittel zum Erhalt der Biodiversität in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verdoppeln. Als deutschen Beitrag für die kommende Legislaturperiode schlug er eine Milliarde Euro jährlich vor. Darüber hinaus müsse die Privatwirtschaft an der Finanzierung von Artenschutz beteiligt werden.

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