Jugendproteste in Kenia: Polizei riegelt das Zentrum von Nairobi ab
Zum Jahrestag ihrer ersten Protestbewegungen vor zwei Jahren demonstriert die Generation Z in Kenia gegen Polizeigewalt. Genau zu der kommt es dann.
Foto: Monicah Mwangi/reuters
Bereits am frühen Morgen haben Kenias Sicherheitskräfte das Zentrum der Hauptstadt Nairobi abgeriegelt: Nagelketten und Stacheldrähte liegen quer über den Hauptverkehrsstraßen, Polizei und Armee haben Straßensperren errichtet. Hundertschaften Polizisten und Soldaten patrouillieren.
Der Grund: Kenias Generation Z hat für Donnerstag einen Gedenkmarsch angekündigt, um der Opfer der vergangenen Generation-Z-Proteste zu gedenken. Auf den Titelseiten den größten Tageszeitungen sind Fotos und Namen von mehr als hundert Todesopfern abgelichtet, die bei den Protesten im Juni 2025 und 2024 durch die Gewalt der Sicherheitsbehörden ihr Leben verloren.
Begonnen hatten die Proteste im Juni 2024 im Vorfeld der Verabschiedung des Staatshaushaltes und des sogenannten Finanzgesetzes, welches Steuererhöhungen unter anderem auf Lebensmittel vorsah. Dagegen ging die Jugend landesweit auf die Straße. Online mobilisierten sie die Massen unter dem Label „Gen-Z“. Sie versuchten, das Parlament zu stürmen.
Ein Jahr später, im Juni 2025, richteten sich die Proteste anlässlich des Jahrestages nicht mehr gegen die Steuererhöhungen, sondern vor allem gegen die brutale Polizeigewalt. Blogger und Internet-Aktivisten waren gezielt durch die IP-Adresse ihrer Computer aufgespürt und verhaftet worden, einige werden bis heute vermisst, so die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).
Schon vor Beginn der Proteste gibt es Festnahmen
Um die Gemüter im Vorfeld des Jahrestages zu beruhigen, verkündete Kenias Präsident William Ruto vergangene Woche, es seien rund 15 Millionen Dollar bereitgestellt worden, um die Opfer der Polizeigewalt zu entschädigen. Einige Familien, wie die von Kennedy Maingi, mussten enorme Summen aufbringen, um Krankenhausgebühren zu bezahlen. Maingi war 2024 von acht Kugeln getroffen worden.
Auch dieses Mal rechnen Kenias Aktivisten mit dem harten Vorgehen von Polizei und Militär, doch sie sind besser vorbereitet. Mehr als ein Dutzend Menschenrechtsorganisationen haben im Vorfeld Richtlinien veröffentlicht und an die Polizeigewerkschaft geschickt, um weitere Tote zu verhindern. Sie erinnern daran, dass der Einsatz von scharfer Munition gegen friedliche Demonstranten untersagt sei. „Öffentliche Ordnung und Menschenrechte schließen einander nicht aus“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.
Doch noch bevor die Proteste begannen, wurden Aktivisten und Demonstranten festgenommen. Videos zeigen, wie Uniformierte im Stadtzentrum Nairobis Journalisten und selbst Männer in Anzug und Krawatten mit Gewalt abführen und in einen Lastwagen hieven, wo sie festgekettet werden.
Gegen Mittag marschieren in Nairobi zahlreiche Trauernde, darunter Familien der Opfer, zu Fuß in Richtung Innenstadt. Auf der Parlament-Avenue, wo 2024 die meisten Jugendlichen erschossen wurden, wollten sie Blumenkränze niederlegen. Sie werden zunächst von Polizisten gestoppt, mit Tränengas auseinandergetrieben, viele festgenommen.
„Sie bringen uns an einen unbekannten Ort“
Weinende Mütter setzen sich auf die Straße und flehen die Uniformierten an, sie durchzulassen. Letztlich hängen sie die Blumenkränze über den Stacheldraht, der ihnen den Zugang versperrt. Dabei rufen sie die Namen der Toten, die 2024 an dieser Stelle erschossen wurden.
Der junge und bekannte Aktivist Mulinge Muteti dokumentiert auf X, wie Uniformierte ihm durch die Innenstadt folgen und versuchen, ihn festzunehmen. Gegen Mittag rufen er und andere dazu auf, in Richtung Präsidentensitz zu marschieren. Eine Stunde später sieht man in Videos online, wie er brutal festgenommen und abgeführt wird. „Sie bringen uns an einen unbekannten Ort“, so sein letzter Post auf X.
Nairobis Polizeichef Issa Mohamud hatte am Dienstag erklärt, die Proteste seien nicht angemeldet worden. Damit habe die Polizei das Recht, dagegen vorzugehen. Die Menschenrechtsorganisationen posten dagegen auf sämtlichen Kanälen Videos von fünf prominenten Anwält*innen, die im Büro von Polizeisprecher Michael Muchiri sitzen und ihm eine offizielle Anmeldung überreichen.
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