Jens Spahn über Corona: „Zweifellos hat es Leid gegeben“

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über die Pandemie, über Reichsbürger vor dem Parlament – und den Patriotismus der Grünen.

Jens Spahn lehnt am Terrassengeänder des Ministeriums, mit Blick auf Berlin

Weitblick ist in der Pandemie nicht immer leicht zu haben: Spahn auf der Terrasse seines Ministeriums Foto: Jens Gyarmaty

taz: Herr Spahn, Sie wurden neulich von wütenden Bürgern angebrüllt, ausgebuht und als „Arschloch“ beschimpft. Woher kommt dieser Hass?

Jens Spahn: Das frage ich mich auch. Ich habe noch keine abschließende Erklärung. Antworten versuche ich im Gespräch zu finden, das ich immer wieder aufs Neue anbiete. Damit das stattfinden kann, muss es aber die Bereitschaft geben, einander zuzuhören. Oder sich ein paar Sekunden lang in den anderen hineinzuversetzen und zu über­legen, warum er eine bestimmte Position vertritt.

Sie, der Vertreter des Staates, werden von manchen offenbar als Diktator wahrgenommen.

Corona betrifft uns alle. Deshalb gibt es auch viele emotionale Reaktionen. Das verstehe ich. Ob es der Mund-Nasen-Schutz ist, der nervt, ob es Einschränkungen im Alltag sind – das spüren alle unmittelbar. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Ich habe mit Eltern in Nordrhein-Westfalen gesprochen, die sich über die Maskenpflicht für Kinder im Schulunterricht ärgerten. Darüber kann man reden. Bei einigen schlug das jedoch in echte Aggressivität um.

Wie gehen Sie damit um?

Ich lege meine Argumente dar. Es geht bei dieser Krise nicht um eine absolute Wahrheit, sondern darum, einen Ausgleich zu finden zwischen verschiedenen Bedürfnissen. Wie schützen wir Schwächere so, dass der Alltag trotzdem noch funktioniert? Wie wägen wir Sicherheit gegen Freiheit ab? Solche Fragen muss man nüchtern, manchmal auch nach einer Kontroverse klären. Wenn allerdings geschrien und gebrüllt wird, wenn es heißt: „meine Position oder keine“, dann fehlt die Grundlage für Gemeinschaft.

Uns erinnern die Szenen an 2015, als Merkel vor einem Flüchtlingsheim in Heidenau wüst beschimpft wurde. Sehen Sie Ähnlichkeiten?

Viele erleben diese aggressiven Umgangsformen, und besonders intensiv im Internet. Vielleicht war diese laute, radikale und verschwörungstheoretische Minderheit schon immer da – und kann sich jetzt über das Internet nur besser organisieren.

Sie haben sich Ende März mit dem ersten Bevölkerungsschutzgesetz dazu ermächtigen lassen, während der Pandemie geltendes Recht mit Verordnungen auszuhebeln. Ist es an der Zeit, diese Sonderbefugnis rückgängig zu machen?

Das wäre jetzt der falsche Schritt. Wir sind noch mitten in der Pandemie. Da müssen wir schnell reagieren können, wenn es nötig ist.

40, ist seit März 2018 Gesundheitsminister der schwarz-roten Koalition. Beim ARD Deutschlandtrend von Anfang September war der CDU-Politiker nach der Kanzlerin das zweitbeliebteste Kabinettsmitglied.

Es wäre ein Signal, dass es Ihnen nicht ums Durchregieren geht.

Es geht darum, möglichst schnell wichtige Entscheidungen für die bestmögliche Gesundheitsversorgung treffen zu können. Zum Beispiel bei den Testverordnungen: Die Patientinnen und Patienten hätten wenig Verständnis, wenn sie nicht untersucht würden, weil monatelang gestritten wird, wer nun welchen Coronatest bezahlt. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten Sicherheit. Dafür sind die Sonderbefugnisse da. Außerdem hat das Parlament jederzeit die Möglichkeit, einzugreifen. Und die Sonderbefugnisse enden wieder, spätestens Ende März 2021.

Sie spielen als Gesundheitsminister in der Krise eine zentrale Rolle. Welche Fehler haben Sie gemacht?

Zweifellos hat es Leid gegeben, etwa durch die Besuchsverbote in den Pflegeheimen. Dieses Leid ist entstanden, um anderes Leid und Tod zu vermeiden. Gibt es hier Schuld? Hätte Leid vermieden werden können? Mich bewegen diese Fragen. Vieles wissen wir leider erst im Rückblick. In der konkreten Situation haben wir in damals sehr unsicherer Lage nach bestem Wissen und Gewissen entschieden, um die Schwächsten und die Höchstbetagten zu schützen.

Die Kontaktverbote, die Geschäfts- und Schulschließungen waren verhältnismäßig?

Wir waren immer näher am schwedischen Weg als am spanischen, auch wenn manche etwas anderes behaupten. Wir sind im internationalen Vergleich den liberalen, stärker auf Eigenverantwortung setzenden Weg gegangen. Und wir sind bis hierhin sehr erfolgreich. In welchem Land wollen die Coronaleugner eigentlich lieber sein? In Brasilien, Russland, USA?

Die nächste Pandemie wird kommen, prophezeien Virologen. Was können wir aus Corona lernen?

Eines unserer Erfolgsrezepte ist, dass wir in Deutschland bis heute in der Lage sind, die Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen. So werden viele Infektionsketten frühzeitig durchbrochen und die Dynamik des Virus stark gebremst. Das liegt vor allem an unseren guten und engagierten Gesundheitsämtern in den Rat- und Kreishäusern. Sie stärken wir nun mit noch einmal 4 Milliarden Euro. Ich habe die vielen Wissenschaftler, Forschungsinstitute und Universitäten neu wertschätzen gelernt. Deren Expertise können und sollten wir noch stärker nutzen, auch außerhalb einer Pandemie.

Wir erinnern uns an fehlende Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel – in Notaufnahmen.

Zu Anfang der Pandemie, könnten Sie fairerweise dazusagen. Und ja, beim nächsten Mal werden wir uns besser bevorraten. Obwohl es immer etwas geben wird, das fehlt. Wer hätte etwa gedacht, dass einfache Wattestäbchen für Abstriche knapp werden könnten? Hinterher weiß man jedenfalls genau, was und wie viel man wann hätte lagern müssen. Wichtig für die Zukunft ist: Pandemiepläne nicht nur aufzuschreiben, sondern auch zu üben, in Pflegeheimen und Krankenhäusern, auch im Bund. Darauf werden wir künftig achten. Und wir werden mit Sicherheit das Infektionsschutzgesetz überarbeiten.

Ein Huhn, das vor über 100 Jahren eingemacht wurde, zwei Weltkriege überstanden hat und angeblich immer noch existiert? Klingt irre, ist aber eine seit Generationen erzählte Familiensaga unserer Autorin – in der taz am wochenende vom 12./13. September. Außerdem: Jens Spahn im Interview über Corona und die Grünen. Und: Moria ist abgebrannt. Wie geht es für die Geflüchteten weiter? Ab Samstag am Kiosk, im eKiosk, im praktischen Wochenendabo und rund um die Uhr bei Facebook und Twitter.

Warum?

Das Gesetz wurde weder für eine Pandemie ausgelegt noch für Reiserückkehrer, die man in Quarantäne nehmen muss. Sondern eher für den Masernausbruch im örtlichen Kindergarten.

Schauen wir generell zu viel auf diejenigen, die pöbeln, schimpfen und sich ihre ganz eigene Welt zurecht basteln?

Ja. Die übergroße Mehrheit achtet auf sich und andere. Die allermeisten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland verhalten sich sehr besonnen und sind offen für Argumente. Wir können – bei aller nötigen Demut – auch stolz sein auf das Erreichte. Die ganze Welt fragt sich, wie Deutschland so gut durch die Krise gekommen ist. Nur wir selbst nehmen das manchmal nicht ausreichend wahr.

Aber kritische Debatten sind in einer solchen Krise nötiger denn je, oder?

Selbstverständlich. Sie sind sogar überaus wichtig. Bei der Bewältigung der Pandemie geht es um grundsätzliche Güter, um die Abwägung von Freiheit und Sicherheit, um soziale Fragen. Da wäre es seltsam, gäbe es keine Debatten. Aber jede Kontroverse ist leichter auszuhalten, wenn man am Ende noch weiß: Wir alle gehören zu einem großen Ganzen.

Sie verwenden schon länger den Begriff „weltoffener Patriotismus“. Was verstehen Sie darunter?

Beim Parteitag der CDU Anfang Dezember in Stuttgart wollen drei Männer für den Parteivorsitz kandidieren: Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Armin Laschet; Letzterer im Duo mit Jens Spahn, der einen Stellvertreterposten anstrebt. Wer CDU-Chef wird, hat auch gute Chancen auf die Kanzlerkandidatur. Spahn selbst hatte bereits 2018 für den CDU-Vorsitz kandidiert, landete aber nur auf dem dritten Platz hinter Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz.

Ich finde es wichtig zu wissen, woher man kommt. Je besser man weiß, was einen geprägt hat und ausmacht, wo die eigene Heimat ist, desto offener wird man für Neues. Das gilt für den Einzelnen, aber auch für die ganze Gesellschaft. Unsere Nation mit ihrer liberalen Demokratie wird es in Zukunft nur geben, wenn es Menschen gibt, die sich als Deutsche verstehen und als Gemeinschaft empfinden. Dafür braucht es eine gemeinsame Erzählung und einen gemeinsamen Nenner. Unser Land, unsere Kultur und unser Grundgesetz sind großartig. Wer hätte 1949 daran geglaubt, dass die Bundesrepublik Deutschland gut 70 Jahre später in der ganzen Welt geachtet wird, eingebettet in ein friedliches, wohlhabendes Europa? Aus unserer Geschichte kann man Zuversicht für die Zukunft ziehen – und auch ein bisschen Stolz.

Und jeder darf mitmachen?

Ich verstehe Patriotismus nicht als abgeschlossenes, sondern als einladendes Konzept. Wer mit uns die 20er Jahre gestalten will, wer sich zu unseren Werten bekennt – Freiheit, Solidarität miteinander, der Idee, dass Leistung sich lohnen muss –, der ist herzlich willkommen. Unsere Republik ist vielfältig. Ich definiere Zugehörigkeit zur Gemeinschaft nicht nach dem Stammbuch. Weltoffener Patriotismus heißt übrigens auch, manche mit Stammbuch abzulehnen.

Was meinen Sie damit?

Wer mit einer Reichsflagge in der Hand die Stufen des Parlamentes stürmt, ist kein Patriot. Der tritt die Werte unserer liberalen, demokratischen Nation sprichwörtlich mit Füßen.

Grünen-Chef Robert Habeck forderte schon 2010 in einem Buch einen linken Patriotismus, um ein neues Gemeinschaftsgefühl zu stiften. Ist Ihnen klar, dass Sie sehr ähnlich klingen?

Mein Eindruck ist, dass Robert Habeck das Wort Patriotismus vor allem nutzt, um seine linke Zukunftserzählung zu entwickeln. Bei ihm kommt mir das „Wissen, woher man kommt“, das Bewusstsein für Traditionen und gewachsene Kultur zu kurz. Da soll das Wort Patriotismus wohl eher Beliebigkeit überdecken.

Die Grünen präsentieren sich als staatstragende Kraft, loben die Polizei und wollen staatliche Institutionen schützen. Wie gefährlich ist diese Konkurrenz für die CDU, die sich seit jeher als Rechtsstaatspartei sieht?

Na ja, wer sind denn die Grünen?

Sagen Sie es uns.

Ich schätze Robert Habeck, Annalena Baerbock, Katrin Göring-Eckardt oder Winfried Kretschmann sehr, aber sie stehen nicht für die gesamte Partei. Es gibt einige Realos als Aushängeschilder, aber die Mehrheit auf Grünen-Parteitagen haben am Ende die Fundis. Es ist gut, dass Herr Kretschmann innere Sicherheit wichtig findet. Aber grün ist eben auch Monika Herrmann, die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, die den Drogendealern in ihrem Kiez im Zweifel noch extra Schutzzonen einrichtet und Hausbesetzungen verteidigt.

Sie misstrauen den Habeck-Baerbock-Grünen?

Entscheidend ist, wer am Ende das Sagen hat. Kluge Worte sind das eine, Programmatik und Parteitage sind das andere. Die Grünen sind eine linke Partei. Ich habe meine Zweifel, dass es Teil der grünen Identität ist, sich zu Deutschland und seinen Symbolen zu bekennen, zur Nationalhymne oder zu Schwarz-Rot-Gold.

Habeck und Baerbock haben eine Sommerreise unter das Motto „Des Glückes Unterpfand“ gestellt. Ist das nicht deutlich genug?

Das war ein Reisemotto. Wirklich glauben mag ich es erst, wenn die Grünen am Ende ihrer Parteitage die Nationalhymne singen – wie es die CDU tut. Das wäre ein deutliches Zeichen des Patriotismus.

Machen Sie das zur Bedingung für ein Bündnis nach der Bundestagswahl?

Nein, ich bin für voraussetzungsfreie Gespräche. Es ist gut und wichtig, dass sich die demokratischen Parteien voneinander unterscheiden. Und eine Zusammenarbeit wird einfacher, wenn Unterschiede sichtbar sind.

Das VirusAm 31. Dezember 2019 erhält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kenntnis von einem Schriftverkehr der Behörden im chinesischen Wuhan, in dem von Fällen einer durch Viren ausgelösten Lungenentzündung die Rede ist. Am 7. Januar 2020 wird das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 identifiziert. Vier Tage später meldet China das erste Todesopfer.

Die Pandemie

Am 11. März stuft die WHO die Ausbreitung des Coronavirus als Pandemie ein. Anfang April sind mehr als 3,9 Milliarden Menschen – die Hälfte der Weltbevölkerung – von Ausgangssperren und anderen Einschränkungen zur Eindämmung des Virus betroffen.

Die Zahlen

Weltweit wurden bislang mehr als 900.000 Todesfälle und rund 27,6 Millionen Infektionen registriert. Am schwersten betroffen sind die USA, Indien und Brasilien.Deutschland dagegen ist bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen; das Gesundheitssystem ist bislang noch nicht kollabiert. Auch deuten die aktuellen Zahlen – trotz erneuten Anstiegs in den vergangenen Wochen im Zuge der Rückkehr von Urlaubern – nicht auf einen unmittelbar drohenden zweiten Lockdown hin. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sich hierzulande (Stand 11. 9.) nachweislich 256.850 Menschen infiziert, die Zahl der Todesfälle liegt bei 9.342, 230.600 Menschen gelten als genesen.

Uns sind die Grünen ja oft etwas zu staatstragend.

Auch das Verhältnis der Grünen zum Staat ist höchst ambivalent. Einerseits sind sie selbstbewusste Staatsgewalt, siehe Baden-Württemberg. Gleichzeitig ist ihr Berliner Justizsenator das personifizierte Misstrauen gegen die Staatsgewalt, vor allem gegenüber Polizisten und Polizistinnen. Der Berliner Senat gängelt die Polizei, wo er nur kann.

Wie kommt es dann, dass sie Ihnen das Wasser abgraben? Bei der Landtagswahl in Bayern haben die Grünen viele konservative WählerInnen für sich gewonnen, in Hessen lief es genauso.

Da übertreiben Sie. Die Grünen nähern sich der Union an. Es wird ja gerne darüber philosophiert, wie sozialdemokratisch oder grün die CDU inzwischen sei. Ich finde, es ist umgekehrt: Die Regierungsgrünen wollen immer mehr wie die CDU sein, inhaltlich und habituell.

Nochmal: Wie verhindern Sie, dass die Grünen bei der Bundestagswahl im konservativen Revier wildern?

Indem wir uns dem Wettbewerb stellen und uns klar abgrenzen. Wir haben den Anspruch, die Wählerinnen und Wähler in der Mitte zu halten, aber auch die ehemaligen CDU-Wählerinnen und -Wähler zurückzugewinnen, denen Rechtsstaat und die Begrenzung von Migration wichtig sind. Wir sollten auch all den Facharbeitern ein Angebot machen, die sich bei der SPD nicht mehr gut aufgehoben fühlen. Ihnen stößt ja die SPD-Vorsitzende Saskia Esken mit ihrem verkopften, ideologischen Linkskurs jeden Tag vor den Kopf. Dasselbe tun die Grünen bei bürgerlichen Wählern mit ihren Defiziten bei innerer Sicherheit und der mangelnden Unterstützung der Polizei.

Ist Klimaschutz die Megafrage des 21. Jahrhunderts?

Klimaschutz ist ein entscheidendes Thema – keine Frage –, aber es ist nicht das einzige. Wir werden der Komplexität dieser Welt nicht gerecht, wenn wir alles auf ein Megathema reduzieren. Die sozialen Fragen bleiben, die Digitalisierung, der demografische Wandel. Das beste Klimaschutzkonzept nützt nichts, wenn gleichzeitig der Wohlstand und der soziale Ausgleich verloren geht.

Wo sehen Sie Chancen einer schwarz-grünen Koalition?

Wir sollten über Koalitionen reden, wenn es so weit ist. Prinzipiell kann eine Koalition zweier unterschiedlicher Parteien Brücken bauen in der Gesellschaft, Risse kitten und langjährige gesellschaftliche Konflikte befrieden. Ich bin übrigens einer der wenigen CDUler, die mal auf einem grünen Bundesparteitag waren …

Und, war ’s schlimm?

Es ist schon eine Weile her. 2010 war das, in Freiburg. Parteikulturell ist das schon etwas anderes. Wobei: Als ich durch den Sponsorenbereich ging, wurde klar: So gewaltig sind die Unterschiede dann doch nicht.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. In den vergangenen Monaten beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Ab wann Spiele wieder vor Publikum stattfinden, ist noch nicht klar.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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