Ist die Maskenpflicht noch nötig?: Differenzierte Regeln gefragt

Die Rufe nach einem Ende der Maskenpflicht werden lauter. Im Freien dürften sie kaum noch nötig sein. Doch in geschlossenen Räumen sieht das anders aus.

Eine FFP2-Maske liegt auf dem nassen Gehweg

Ausgedient? FFP2-Maske auf einem nassen Gehweg in Frankfurt/Main Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die Zahl der Coronaneuinfek­tio­nen sinkt weiterhin stark, das Impftempo nimmt zu, und das Wetter wird immer besser. Dass die Rufe nach einem Ende der Maskenpflicht lauter werden, ist da nicht überraschend. Trotzdem ist es wichtig, keine generellen Entscheidungen zu treffen, sondern genau zu schauen, wo Masken verzichtbar sind und wo sie noch gute Dienste leisten.

Im Freien etwa, wo Viren schnell verteilt werden, war der Sinn einer Maskenpflicht schon immer umstritten. Jetzt, wo die Inzidenz im Großteil des Landes unter 20 liegt, dürften sie kaum noch nötig sein – vor allem wenn man nicht über lange Zeiträume sehr dicht gedrängt beieinander steht.

In geschlossenen Räumen sieht die Sache dagegen anders aus. Bei Inzidenzwerten im einstelligen Bereich dürfte das Infektionsrisiko etwa beim Einkaufen zwar auch ohne Maske überschaubar sein. Doch solange nicht alle die Chance zur Impfung hatten, ist die Mund-Nase-Bedeckung eine zumutbare Belastung, um die Infektionsgefahr für die noch Ungeschützten möglichst niedrig zu halten.

Gleiches gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Gerade angesichts der stärker ansteckenden Delta-Variante, die in England trotz höherer Impfquote wieder zu steigenden Infektionszahlen führt, spricht viel dafür, hier kein unnötiges Risiko einzugehen.

Infektionsrisiko für Jugendliche vergleichsweise hoch

Das gilt auch ganz besonders in den Schulen. Denn dort befinden sich nicht nur viele Menschen über längere Zeit im gleichen Raum. Bis auf Weiteres ist der Großteil von ihnen auch noch ungeimpft, sodass das Infektions­risiko deutlich höher ist als bei einer vergleichbaren Gruppe von Erwachsenen. Die Inzidenz in der Gesamtbevölkerung ist darum nicht der richtige Maßstab für die Schulen. Hier kommt es auf den Wert unter Kindern und Jugendlichen an.

Wenn die Maskenpflicht doch aufgehoben wird, ist klar, dass damit das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Sofern die Werte wieder steigen, muss auch die Maske zurückkommen – auch wenn diese Forderung weniger populär sein dürfte als die aktuelle.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

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