Interne Ermittlungen bei der „Bild“: Vorwürfe gegen Julian Reichelt

Laut Medienberichten gibt es Vorwürfe gegen „Bild“-Chef Julian Reichelt. Machtmissbrauch und Nötigung sollen unter anderem im Raum stehen.

Chefredakteur der Bild-Zeitung, Julian Reichelt vor Bild-Logo

Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild-Zeitung Foto: Jörg Schüler/imago

Gegen den Chefredakteur der Bild-Zeitung, Julian Reichelt, sollen interne Ermittlungen des Axel-Springer-Verlags laufen. Das berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel am Montag. Es soll demnach Vorwürfe von wiederholtem Fehlverhalten gegenüber Frauen geben. Wie der Spiegel berichtet, sollen rund ein halbes Dutzend Mitarbeiterinnen Vorfälle aus den vergangenen Jahren bei Springer angezeigt haben. Das Branchenmagazin Meedia berichtet von mehr als zehn weiblichen wie männlichen Personen, die Reichelt beschuldigen. Der Springer-Konzern kümmere sich mit einem Team unter der Leitung von Chief Compliance Officer Florian von Götz um die Aufklärung der Sachverhalte.

Das genaue Ausmaß der Vorwürfe ist noch unklar. Laut Spiegel soll es bei dem Compliance-Verfahren um „Machtmissbrauch und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen“ gehen. Möglich seien auch Vorwürfe von Nötigung und Mobbing. Für die Klärung habe der Springer-Konzern die Angelegenheit an die Anwaltskanzlei Freshfields übergeben.

Auf Anfrage der taz wollte sich Reichelt selbst nicht äußern. Ein Sprecher des Springer-Unternehmens antwortete: „Zu internen Vorgängen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“ Dies gelte auch für Julian Reichelt.

Jan Böhmermann, Moderator der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“, hatte bereits in der zuletzt ausgestrahlten Sendung vergangenen Freitag interne Ermittlungen gegen den Bild-Chef angedeutet. Auf Twitter schrieb er dazu ebenfalls am Freitag: „Wer nicht gerade bis zum gepuderten Näschen in einem unappetitlichen Compliance-Verfahren steckt, kann JETZT gerne einmal mit dem @zdfmagazin der Frage nachspüren“.

Im Februar 2017 hatte Reichelt als Nachfolger von Kai Diekmann die redaktionelle Gesamtverantwortung der Bild-Zeitung übernommen. Nach dem Ausscheiden von Tanit Koch am 1. März 2018 übernahm Reichelt dann auch den Posten als Chefredakteur der Printausgabe der Bild.

2018 berichtete der Spiegel darüber, was passiert war, als eine Springer-Mitarbeiterin den früheren Bild-Chef Diekmann „der Vergewaltigung“ beschuldigte. Die Frau hatte sich nach dem Vorfall an Springer gewandt. Externe Rechtsexperten hatten ihren Vorwurf geprüft und kein strafrechtliches Verhalten Diekmanns festgestellt, hieß es. Erst im Anschluss war der Vorfall an die Staatsanwaltschaft übergeben worden, schrieb der Spiegel. Diekmann hatte den Vorwurf stets bestritten.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte das Verfahren 2017 wegen sexueller Belästigung damals eingestellt. Zur Begründung hieß es vonseiten der Anklagebehörde, es ließe sich kein hinreichender Tatverdacht begründen. Es stand Aussage gegen Aussage. Objektive Beweismittel fehlten.

Der Vorfall soll sich im Sommer 2016 beim Baden im Rahmen einer Klausurtagung bei Diekmanns Haus in Potsdam zugetragen haben. Wie der Spiegel 2018 rekonstruierte, habe sich Diekmann nach den Vorwürfen an Reichelt gewandt. Dieser soll ein Gedächtnisprotokoll der Nacht angefertigt haben, obwohl er beim tatsächlichen Baden nicht dabei gewesen war. Außerdem soll er darin über seine Erfahrungen mit der Mitarbeiterin geschrieben haben, die „einer charakterlichen Vernichtung gleichkommt“. Der Spiegel schrieb über Reichelts Recherche, in die zwei weitere Mitarbeiter involviert waren, sie sei wie „eine ‚Bild‘-Kampagne im eigenen Haus“ abgelaufen.

Wie schnell sich der aktuelle Sachverhalt um die Vorwürfe gegen Julian Reichelt aufklären lässt, ist unklar. Da es sich um zahlreiche Beschuldigungen aus den vergangenen Jahren handeln soll, könnte sich dies in die Länge ziehen.

Update (10. März 2021): Am Dienstag hat sich der Vorstand des Springer-Konzerns in einer gemeinsamen Erklärung an die Mit­ar­bei­te­r:in­nen gewandt. Julian Reichelt bestreite die Vorwürfe, schreiben Mathias Döpfner und Jan Bayer. Dennoch versprechen die Führungskräfte eine zügige Aufklärung des Sachverhalts. Sie erinnerten an die Unschuldsvermutung.

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