Internationaler Kohlehandel: Wo das schwarze Gold den Boom befeuert
Deutschland steigt wegen der Klimakrise aus der Kohle aus. Doch die Firma HMS handelt von Berlin aus zwischen Afrika und Südostasien. Und der Markt wächst.
Foto: HMS Bergbau
Ein unscheinbares Bürohaus im Berliner Stadtteil Köpenick, unten ein Italiener, gegenüber Wald. Wenig deutet darauf hin, dass im dritten und vierten Stock der Boom in Indien und Südostasien befeuert wird. Von hier aus handelt HMS mit einem Stoff, von dem sich Deutschland in den nächsten Jahren verabschieden will, ohne den viele aufstrebende Staaten aber nicht auskommen: Kohle.
Dennis Schwindt empfängt im großen Konferenzraum. An der Wand eine alte Karte des Ruhrgebiets. Von Steigerromantik sind der Firmenchef und sein Finanzvorstand Jens Moir jedoch weit entfernt. Ein Kunde benötigt entsprechende Ware, HMS beschafft sie, etwa in Indonesien, und liefert per Frachter – zum Beispiel nach Indien. Mit Deutschland und Europa machen sie praktisch kein Geschäft.
Eigene Schiffe hat das Unternehmen nicht, sie werden gechartert. „In der Regel übernehmen wir die Ware vom Verkäufer, sobald sie auf dem Schiff ist, und übergeben sie, sobald sie im Hafen angekommen ist, an den Käufer“, sagt Schwindt. Keine Logistik, keine Spekulation. Kaufen, verkaufen mit einer kleinen Marge, fertig. Das allerdings in großem Stil.
Wie kommt ein Berliner Unternehmen dazu, fernab Kohle über die Weltmeere schippern zu lassen, dazu Eisenerz, Mangan und auch schon mal Zement? Heinz Schernikau hatte lange im Außenhandel der DDR gearbeitet, unter anderem im Handel mit Gas, Kohle und Strom. 1995 frischte er alte Kontakte auf, gründete HMS gemeinsam mit seiner Frau und begann, Kohle nach Deutschland einzuführen. Das Kürzel steht für Heinz und Michaela Schernikau.
In Deutschland liefen die Geschäfte nicht
Weil die großen Verbraucher jedoch alle einen eigenen Einkauf hatten, lief es nicht rund. Schernikau setzte deshalb auf internationales Geschäft. Über die Jahre verlagerte sich der Handel immer mehr in die aufstrebenden Wirtschaftsregionen in Südostasien sowie nach Indien. Dorthin, wo der Bedarf hoch ist. Seit 2008 ist HMS an der Börse.
„Inzwischen beliefern wir auch große staatliche Kunden, etwa Stromversorger und das Militär in Vietnam“, erzählt Schwindt. Unterwegs ist die Ware per Frachter. „Ein durchschnittliches Schiff transportiert etwa 50.000 Tonnen Kohle, das entspricht gut 14.000 Elefanten“, sagt Finanzvorstand Moir. „Vor allem Wachstumsländer in Asien benötigen viel Stahl und Zement. Und die Industrie ist auf Kohle angewiesen“, sagt er. Nicht nur als Brennstoff, sondern auch als wichtiger Bestandteil der Produktion.
Das Geschäft ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Betrug der Umsatz 2019 noch 215 Millionen Euro, waren es 2025 mehr als 1,2 Milliarden Euro. In diesem Jahr peilen sie die Zwei-Milliarden-Euro-Marke an. Und es geht längst nicht mehr nur um den Handel mit Kohle und Erzen. „Seit der zweiten Hälfte 2025 handeln wir in den großen Häfen Shanghai, Singapur und Dubai auch Schiffstreibstoff und Schmiermittel“, sagt Schwindt.
Foto: Doro Zinn
Und dann sind da noch die beiden eigenen Kohleminen, in Botswana und Südafrika. Dort wird seit diesem Jahr Kohle gefördert – für die Industrie, nicht für Stromerzeugung. Und nicht für Deutschland. Die Bundesrepublik will bis 2038 aus der Kohle aussteigen.
Kohle als Brennstoff befeuert die Klimakrise
Denn mit Kohle Energie zu erzeugen, verursacht große Mengen Treibhausgas, die den Klimawandel befeuern. Schwindt und Moir ist das bewusst. Doch HMS ist zuallererst Händler und bedient einen Markt. Und der wächst. 2025 wurden nach Zahlen des Vereins der Kohleimporteure weltweit rund 8,5 Milliarden Tonnen Kohle gefördert – ein Höchstwert. Mehr als die Hälfte holt China für den Eigenbedarf aus dem Boden. Mit weitem Abstand folgen dann Indien und Indonesien. Weltweit gehandelt werden nur gut 1,3 Milliarden Tonnen, in Deutschland landen etwa 27,4 Millionen Tonnen.
Rund 100 Beschäftigte arbeiten weltweit für HMS. „Wir haben in den vergangenen 31 Jahren immer geliefert“, berichtet der Chef. Angesichts der Konkurrenz von Branchenriesen wie Glencore aus der Schweiz oder Trafigura aus Singapur ist das auch nötig, sonst ist HMS schnell aus dem Geschäft.
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