In Hamburgs Zentralbibliothek: Gackern und Legen
An müden Frühlingstagen bringen nicht mal Nüsse und Rosinen Autoren-Hühner auf Hochleistungen. Trotz schöner Bibliothek.
D er Weg zur Zentralbibliothek „Am Hühnerposten“ in Hamburg ist heute ein sonniger. Der Frühling küsst die Nasen derjenigen, die auf Spielplätzen, vor Briefkästen oder an den Eingängen ihrer Fahrradkeller herumstehen, um wahlweise ein Pläuschchen zu halten oder auf Smartphones zu starren.
Ich tue Letzteres, als ich auf meinen Bus warte, der mich gen Arbeitsplatz transportieren soll. Wobei: Arbeitsplatz nur im weitesten Sinne; denn um „mal rauszukommen“, habe ich meine Zelte temporär in der Nähe des Hauptbahnhofes aufgeschlagen – dort befindet sich nämlich jene Prachtbibliothek, in die jederzeit so viele Steuergelder wie nur möglich fließen sollten. Meine Meinung! Es stehen dort Arbeitsnischen und -plätze zur Verfügung, die in erster Linie von emsigen Student:innen genutzt werden.
Noch stehe ich an der Haltestelle, als sich eine Frau mittleren Alters – in meinem also – zu mir gesellt und mich fragt, ob sie in den 16er steigen müsse. Dies, antworte ich, könne ich ihr nicht sagen, da ich ja nicht wisse, wo sie hinwolle. Ungläubig und abschätzig mustert sie mich daraufhin und wendet sich kopfschüttelnd von mir ab. Wie doof kann man sein, denkt sie bestimmt.
Ich kann es ihr nicht übelnehmen, denn auch ich zweifle, am Hühnerposten angekommen, wo ich mit diversen anderen Hühnern auf dem Posten bin, an meiner geistigen Fitness. Verzweifelt blicke ich aus den Augenwinkeln auf die Displays der schönen und strebsamen Mithennen und -hähne, die neben mir auf der Stange sitzen, und nehme wahr, an welch komplexen Themen die Studis von heute so „dran sind“. Hier arbeitet anscheinend jede:r der Blutjungen an einer Dissertation. Glaube ich. Ich daddel so rum und schreibe dann, unter Zuhilfenahme einer Tüte Studentenfutter, mühsam diese Kolumne. Mehr geht eh nicht, wegen Frühjahrsmüdigkeit …
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