IWF-Hilfen für den Globalen Süden: Nicht sonderlich schlau

Der IWF stellt viel Geld für die Länder des Globalen Südens bereit. Das ist gut. Bloß: Warum horten die reichen Staaten weiterhin Impfstoff?

Schachteln in einem Kühlschrank.

In vielen Ländern des Globalen Südens Mangelware: Impfstoff gegen das Coronavirus Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/imago

Es ist die größte Aufstockung der Finanzmittel in der Geschichte des IWF. Der Währungsfonds ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, der besonders angeschlagenen Staaten helfen soll. Jetzt erweitert er seine Reserven um sage und schreibe 650 Milliarden Dollar.

Knapp die Hälfte davon soll den Ländern zufließen, die von der Pandemie besonders gebeutelt sind. Und das sind fast alle Staaten Afrikas, Lateinamerikas sowie Süd- und Zentralasiens. Die Ver­tre­te­r:in­nen der reichen Länder im IWF-Direktorium haben dem zugestimmt. Ein Akt der Wohltätigkeit? Mitnichten, die reichen Staaten haben völlig eigennützig gehandelt – und trotzdem nicht besonders schlau.

Der IWF selbst hat darauf hingewiesen, dass die Erholung der Weltwirtschaft von der Coronavirus-Krise nicht so schnell abläuft wie erhofft. Die US-Wirtschaft wird zwar dank eines gigantischen Konjunkturpakets um 7 Prozent wachsen. Die meisten Länder Afrikas hingegen stecken in einer tiefen Rezession und haben keinen finanziellen Spielraum, um ihre von der Pandemie geplagte Wirtschaft mit großformatigen Konjunkturpaketen wieder aufzurichten.

Immerhin haben die G20 der größten Industrie- und Schwellenländer auf ihrem letzten Gipfel erkannt, dass sich auch ihre Wirtschaft nur dann nachhaltig erholen wird, wenn es auf allen Kontinenten aufwärtsgeht. Daher rührt ihr Zugeständnis.

Was die reichen Länder aber weiter nicht zu kapieren scheinen: Der globale Warenverkehr wird erst dann wieder rund laufen, wenn für alle ein Impfstoff vorhanden ist. Darauf hatte die Weltgesundheitsorganisation schon hingewiesen, als die ersten wirksamen Impfstoffe auf den Markt kamen. Stattdessen haben die reichen Länder fast alles für sich gesichert.

Was besonders absurd ist: Inzwischen bleiben die reichen Länder auf immer mehr Impfstoff sitzen. Aber anstatt sie rasch weiterzugeben, werden sie mit der Begründung gehortet, im Herbst würde womöglich die dritte Dosis benötigt. Dabei ist gar nicht erwiesen, ob das für die Mehrheit nötig sein wird. Solidarisch ist ein solches Verhalten sicher nicht, nur dumm.

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war von 2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking. Nun ist er in der taz-Zentrale für Weltwirtschaft zuständig. 2011 ist sein erstes Buch erschienen: „Der Gewinner der Krise – was der Westen von China lernen kann“, 2014 sein zweites: "Macht und Moderne. Chinas großer Reformer Deng Xiao-ping. Eine Biographie" - beide erschienen im Rotbuch Verlag.

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