Hygiene in der Medizin: Saubere Hände sind auch Medizin
Der Arzt Ignaz Semmelweis entdeckt im 19. Jahrhundert, warum so viele Frauen nach der Geburt starben. Seine Lösung rettet Leben und kostet ihn beinahe die Karriere.
M it 28 Jahren arbeitete der Mediziner Ignaz Philipp Semmelweis als Assistenzarzt auf einer Geburtsstation des Allgemeinen Krankenhauses in Wien. In dieser Zeit starben dort auffällig viele Mütter kurz nach der Geburt. Semmelweis begann, die Leichen verstorbener Wöchnerinnen zu untersuchen. Er bemerkte, dass die Abteilung, in der gebärende Frauen von Ärzten und Medizinstudenten betreut wurden, eine deutlich höhere Sterberate hatte als eine andere Abteilung, die von Hebammen betreut wurde. Wir gendern in diesem Fall bewusst nicht, weil Frauen im 19. Jahrhundert nicht studieren durften, es also keine Ärztinnen gab.
Der Grund für die Todesfälle war das Kindbettfieber – eine bakterielle Infektion, die innerhalb weniger Tage zur Sepsis, also einer Blutvergiftung führen und tödlich enden kann. Zunächst konnte nichts den großen Unterschied erklären. Später fand Semmelweis einen ersten Hinweis: Ärzte und Studenten kamen im Gegensatz zu Hebammen häufig direkt aus dem Leichenkeller. Als Semmelweis’ Kollege Jakob Kolletschka 1847 nach einer Obduktion an denselben schweren Symptomen wie die Frauen starb, verstand Semmelweis endlich, worum es sich handelte. Es waren die Ärzt:innen selbst, die die Keime auf die Mütter übertrugen. Denn sie haben damals die Hände nicht desinfiziert.
Daraufhin führte Semmelweis für die Entbindungsstation eine Handdesinfektion mit Chlorkalklösung ein. Er stellte Waschschüsseln bereit, sodass sich jeder vor der Untersuchung oder Entbindung die Hände reinigen musste. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der Müttersterblichkeit.
Statt Lob und Anerkennung stießen Semmelweis’ Maßnahmen jedoch auf Widerstand seiner Kolleg:innen. Viele empfanden sie als unangenehm für die Hände und insgesamt übertrieben. Dies führte schließlich zu einem Konflikt mit seinem Chef, der Semmelweis’ Vertrag nicht verlängerte. An seine Theorie für den Übertragungsweg des Kindbettfiebers glaubte damals niemand.
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Nachdem seine Karriere in Wien gescheitert war, kehrte Semmelweis in seinen Geburtsort Pest, das heutige Budapest, zurück, und arbeitete dort als Leiter der Geburtshilfeabteilung. Vier Jahre später wurde er Professor für Geburtshilfe. Mit 47 Jahren entwickelte Semmelweis psychische Probleme und musste in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden.
Er starb schließlich an einer Blutvergiftung – jener Erkrankung, an der er sein ganzes Leben lang geforscht hat. Erst nach seinem Tod wurden seine Erkenntnisse anerkannt und Handhygiene zum wichtigen Bestandteil im ärztlichen Alltag – und auch außerhalb von Krankenhäusern. Die Medizinische Universität in Budapest trägt heute seinen Namen: Semmelweis-Universität.
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