Hochschule

Die Superuni geht stiften

Wissenschaftssenator Zöllner einigt sich mit den Hochschulen auf ein gemeinsames Forschungsforum: Statt Superuni gibts nur eine Strategiestiftung.

Avantgarde der Forschungsexzellenz? Die Superuni von Senator Zöllner ist reichlich geschrumpft Bild: AP

"Für vom Forum geförderte Projekte und Wissenschaftler wird ein neues Label eingeführt." Dieser versteckte Satz war wohl der wichtigste im Strukturpapier für das neue "Berlin International Forum of Excellence", das Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) am Montag im Roten Rathaus vorstellte. Denn außer einem Label ist von der Idee einer Superuniversität, die Zöllner im Oktober vorgeschlagen hatte, nicht viel übrig geblieben: Statt einer starken Stiftungsuni mit eigenem Promotionsrecht und strategischer Forschungsplanung durfte der Senator nur die Errichtung eines neuen Berliner Forschungsforums verkünden.

In diesem "Forum of Excellence" - als Stiftung organisiert - sitzen neben den drei großen Universitäten und der Universität der Künste mit gleichem Stimmrecht auch die vier großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz- sowie Leibniz-Gemeinschaft. Zöllner darf zwar auch mitberaten, ein Stimmrecht aber bekommt er nicht. Damit ist eine wichtige Entscheidung über das Profil des zukünftigen Wissenschaftsstandorts Berlin gefallen. Denn die Frage, die mit der Superuni im Raum stand, war: Darf die Politik sagen, was die Forschung fragen soll?

Weil Zöllner mit seinem Vorschlag einer Superuni für eine Institution plädiert hatte, die eine verbindliche Forschungsstrategie für die Hochschulen bestimmen sollte, gab es von Beginn an harsche Kritik vonseiten der Berliner Universitäten. Die wollten selbst bestimmen dürfen, welche Forschungsschwerpunkte sie an ihren Fakultäten setzen.

Das neue Stiftungsmodell liegt zwischen beiden Polen: Durch eine starke Stimme der Unis in der Stiftung sollen diese ihre Forschungsfelder verknüpfen und gemeinsame Empfehlungen für eine strategische Forschungsentwicklung aussprechen - etwa ob künftig verstärkt Forschung zu Nanotechnologie oder Stadtsoziologie gefördert werden soll. Wollen die Unis von den Forschungsgeldern etwas abbekommen, müssen sie sich dann allerdings auch daran halten.

Dafür kann die Stiftung in den kommenden vier Jahren etwa 160 Millionen Euro verteilen. Doch dieses Geld ist kein zusätzliches Forschungsgeld, sondern längst Bestandteil der mittelfristigen Haushaltsplanung des Landes. Strittig war bislang, wie diese Mittel an die Unis kommen. Jetzt steht fest: Ein Großteil wird über die Stiftung an die Unis fließen. Weil die vier Berliner Universitäten hier auf Augenhöhe mit den vier großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen sitzen, heißt das vor allem: Unter dem neuen Stiftungsdach werden nun auch neue Verteilungskämpfe stattfinden - allerdings mit anderen Mitteln. Denn wer an den Universitäten künftig von den Forschungsgeldern profitieren will, kann die Gelder nur im Verbund mit anderen beantragen.

Das soll dazu führen, dass sich die Berliner Wissenschaftslandschaft jenseits der universitären Mauern stärker vernetzt - entweder auf Feldern, in denen einzelne Unis bereits exzellent sind, oder in besonderen Forschungsbereichen, mit denen die Unis bei der Exzellenzinitiative leer ausgegangen waren.

Ob unter dem neuen Label der Stiftung künftig die Avantgarde der Forschungsexzellenz firmieren oder ob sie zur Resterampe für im Exzellenzwettbewerb des Bundes gescheiterte Anträge wird, das dürfte sich ab Beginn 2009 zeigen: Dann soll die Strategiestiftung ihre Arbeit aufnehmen. Einen Vorgeschmack auf den strategischen Stellenwert gab FU-Präsident Dieter Lenzen bereits am Montag. Er nannte die Stiftung ein "Empfehlungsgremium ohne bindende Wirkung".

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