Hamburger Olympiabewerbung: Grün verpackt
Jetzt auch noch ökologisch: Hamburgs rot-grüner Senat stellt sein verfeinertes Olympiakonzept vor, mit dem er beim anstehenden Referendum gewinnen will.
Und nun auch noch ein „grünes Band“, das Hamburg dank Olympia bekommen soll: Am Dienstag präsentierten gleich vier Mitglieder des Senats das Konzept, das die Bürger:innen, den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), das Internationale Olympische Komitee (IOC) – letztlich die ganze Welt – für olympische und paralympische Spiele in Hamburg begeistern soll. Und weil für das größte Sportereignis der Welt sonst viel Stahl und Beton verbaut wird, will Hamburg das Gegenteil schaffen: mehr Grün.
„Unser grünes ‚Olympisches Band‘ vom Volkspark über den Bornkamppark bis hin zum Wasserpark Dove Elbe (Eichbaumsee) wird die Lebensqualität für ganz viele Quartiere in unserer Stadt erhöhen – und zwar dauerhaft auch nach den olympischen und paralympischen Spielen“, freute sich die zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne).
So solle die westlichste geplante Sportstätte durch „Begrünung und Entsiegelung, Aufwertung und Neugestaltung“ mit der östlichsten Stätte verbunden werden, was ein Beitrag zur Förderung von Biodiversität und Klimaanpassung darstelle. „Die ambitionierten Klimaziele, die das IOC für alle Bewerberstädte vorgibt, sind ein richtig gutes Match mit unseren eigenen Zielen“, sagte Fegebank. Klimapositive Spiele seien demnach möglich.
Auch damit hofft Fegebank, am 31. Mai ein „sattes Votum“ für ein Ja zu erhalten: Dann sollen die wahlberechtigten Hamburger:innen darüber abstimmen, ob sich Hamburg für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 bewerben soll. Sollte das aus Sicht des rot-grünen Senats positiv ausgehen, muss der DOSB entscheiden, ob er von Hamburg überzeugter ist als von den Konkurrenten München, Berlin und der Region Rhein/Ruhr. Nur eine deutsche Bewerbung wird dann in den internationalen Wettbewerb geschickt, den am Ende das IOC entscheidet.
Tschentscher sieht Stadt zur Bewerbung verpflichtet
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sieht Hamburg geradezu genötigt, sich für Olympia zu bewerben. Sich nicht zu bewerben, könne die Stadt sich schlicht nicht leisten – sie sei schließlich darauf angewiesen, dass ihre Vorhaben auch weit oben auf der Prioritätenliste des Bundes stünden. Solche großen Bauprojekte, zu denen Tschentscher auch die A26 Ost – ein 2,6 Milliarden Euro teurer, zehn Kilometer lange Autobahnabschnitt – zählte, würde nur durch Olympia „oberste nationale Priorität“ bekommen.
Gleiches gelte für die, obwohl bereits im Bau befindliche, neue U-Bahn-Linie, die nach Ansicht von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) neben einer ebenfalls geplanten neuen S-Bahn-Strecke zum geplanten olympischen Dorf sicherstellen würden, dass der Hamburger ÖPNV einen satten Booster erhalten würde. Auch auf den Ausbau des Hauptbahnhofs müsse die Stadt ohne Olympia wohl noch lange warten, weil der Deutschen Bahn andere Projekte sonst wichtiger seien.
Katharina Fegebank (Grüne), Hamburg Zweite Bürgermeisterin
In weiten Teilen deckt sich das am Dienstag vorgestellte Konzept mit den Eckdaten, die der Senat schon vor einem knappen Jahr vorgestellt hatte: Neben dem Volkspark im Westen der Stadt soll die Binnenalster zum zweiten Zentrum olympischer Spiele werden. Auf schwimmenden ringförmigen Plattformen würde die Eröffnungsfeier stattfinden. Sogar sportliche Wettbewerbe wie das Bogenschießen sollen darauf ausgetragen werden, sagte Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD). Hamburgs großer Vorteil sei, das sich nahezu alle Sportstätten in einem Radius von sieben Kilometern befänden – und nur wenige dafür extra gebaut werden müssten. Auch das sorge für die nötige Nachhaltigkeit der Spiele.
Doch dass dieser Anspruch eingehalten wird, glaubt etwa der Naturschutzverband BUND nicht. „Die bislang nachhaltigsten Spiele in Paris produzierten knapp 2,1 Millionen Tonnen CO₂“, sagt die Landesvorsitzende Sabine Sommer. „Das kann kein Radweg, keine Grünfläche noch eine U-Bahn in Hamburg kompensieren.“
Kein Wort zum Olympiastadion
Die Initiative Nolympia, die sich gegen eine Hamburger Bewerbung ausspricht, argumentiert unter anderem mit den Kosten. „Für den Hamburger Senat ist Olympia eine bunte Wundertüte. Ein Blick hinter die Fassade zeigt: Dahinter verbirgt sich wenig Substanz, aber massive finanzielle Risiken für die Hamburger*innen und für nachfolgende Generationen.“
Auch die Linksfraktion spricht von „Mogelpackungen“, mit denen der rot-grüne Senat die Hamburger:innen zu einem Ja beim Referendum locken will. Dazu gehöre etwa auch, dass die Senatsmitglieder bei der Konzept-Vorstellung mit keinem Wort auf Planung und Finanzierung der zentralen und wichtigsten Sportstätte, dem Olympiastadion im Volkspark, eingingen.
Dabei fehlt es bislang in Hamburg an einem Olympia-tauglichen Stadion. Es müsste neu gebaut werden. Doch weder tauchte es im vergangene Woche vorgestellten Finanzkonzept der Stadt auf – Hamburg plant sogar bei Kosten von 4,8 Milliarden Euro mit einem leichten Gewinn durch Olympia – noch steht es auf der Liste der noch benötigten Sportstätten. Der Clou: Unabhängig von Olympia will Hamburg ein solches Stadion bauen – es müsse deshalb offenbar weder in der Finanz- noch in einer Nachhaltigkeitsbilanz auftauchen.
Bürgermeister Tschentscher freute sich trotzdem zum Abschluss der Vorstellung, dass nun im Hinblick auf das Referendum „die Karten auf dem Tisch“ liegen.
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