Halloween und Corona: Wie Mumien korrekt an Süßes kommen

Von Tür zu Tür ziehen und um Süßes betteln ist in Pandemiezeiten keine gute Idee. Doch die Süßigkeitenjagd könnte trotzdem klappen.

Ein großer Haufen bunter Fruchtgummis

Lieber Süßes als Saures Foto: Jens Büttner/dpa

BERLIN taz | Es ist sicher nicht die wichtigste der Fragen, die sich nach den Beschlüssen zum neuen Teillockdown aufdrängen, aber für bestimmte – jüngere – Teile der Bevölkerung hat sie dennoch Relevanz: Muss Halloween jetzt komplett ausfallen? Mein Achtjähriger ist sicher nicht der Einzige, dem das Thema am Herzen liegt. Noch nie hat er im Gruselkostüm um Süßes gebettelt, weiß aber dank „Gregs Tagebuch“ und aus Erzählungen von Freunden, wie viel da im Idealfall abzusahnen ist. „Mama, da kriegst du mehr als beim Karneval!“ (Er bekommt jedes Jahr nach Aschermittwoch ein süßes Carepaket von seiner Cousine aus Düsseldorf). Und weil er grade einen Gipsarm hat, wusste er auch schon das Kostüm: Mumie. „Da müssen wir nur noch den Rest von mir in Verband oder Klopapier wickeln.“

Ist nun alles Essig mit den schönen Plänen? Streng genommen ja nicht, die neuen Regeln gelten erst ab Montag, da könnte man Samstag noch einen vorletzten Tag „in Freiheit“ verbringen. Andererseits hat Familienministerin und Möchtegern-Regierende Franziska Giffey (SPD) schon Anfang der Woche erklärt, in Gruppen von Tür zu Tür ziehen und um Süßigkeiten zu betteln sei dieses Jahr keine gute Idee. Und es stimmt ja, die Tür könnte auch von einem unwissentlich Coronapositiven geöffnet werden, der mit den Gummibärchen gleich ein paar Viren in die Tüte schmeißt.

Also Krisensitzung mit anderen ratlosen Eltern Donnerstagmorgen vor dem Schultor. Einig sind wir, dass die sonst offenbar übliche Späti-und-Bäckerei-Tour durch die Nachbarschaft keine Option ist. „Das war immer ein ziemliches Kindergedränge“, sagt ein Halloween-erfahrener Vater.

Dann doch an Türen klingeln, aber nur bei uns beteiligten Familien? Damit hätte ich ein Problem, wende ich ein, schließlich dürfen sich ab Montag nur noch Menschen aus zwei Haushalten draußen treffen – wir wären aber vier bis fünf. Und es kommt mir querdenkerisch vor, eine – an sich ja auch sinnvolle – Verordnung zu ignorieren, bloß weil sie formal erst zwei Tage später gilt.

Schule ist Pflicht, Freizeit Kür

Schon sind wir mittendrin in einer kurzen Tour d’Horizon über die Sinnhaftigkeit der beschlossenen Maßnahmen. Es sei doch wirklich nicht einzusehen, warum die Kinder weiter in vollen Klassenzimmern lernen sollten, aber nachmittags keinen Vereinssport wie Draußenfußball machen dürfen, findet ein Vater. Na ja, erwidert ein anderer, zum einen sei Schule „Pflicht“, damit wir Eltern arbeiten gehen können, und Verein „Kür“ – also verzichtbar. Zum anderen seien ja im Klassenverband „nur“ 24 Kinder zusammen (und müssen notfalls in Quarantäne), in Vereinen mischten sich aber Kinder unterschiedlicher Schulen.

„Was ist dann mit den Spielplätzen?“, fällt mir da siedendheiß ein, nach dieser Logik müssten die ja auch wieder abgesperrt werden. Hoffentlich fällt das den PolitikerInnen bis Sonntag nicht auf, wenn sie im Abgeordnetenhaus die Berlinvariante vom Lockdown beschließen.

Unsere kleine Schultorkonferenz endet mit dem Beschluss, Halloween mit einer kleinen „Feier“ im Hinterhof zu begehen, wo zwei der Jungs im selben Haus wohnen. Da kann man prima mit Taschenlampen rumgeistern und von Eltern verstecktes Süßes zwischen Gestrüpp und Mülltonnen suchen. Eigentlich kann da niemand etwas gegen haben, finde ich. Die Jungs gehen ja alle in eine Klasse und sind so gesehen eine Virengemeinschaft.

„Trotzdem könnte ein missgünstiger Nachbar die Polizei rufen“, dämpft die Chefin vom Dienst meine Freude über die salomonische Lösung. Stimmt, die Blockwarte kriegen jetzt noch mehr zu tun.

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