Kürbisevent fällt aus wegen Corona: Nichts Süßes, nichts Saures

Aufgrund eines anderen Gruselereignisses kann Halloween dieses Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Was nun? Protokolle von Betroffenen.

Kinder schnitzen an einem Kürbis

Kürbisschnitzen nicht maskiert, aber mit Maske Foto: Diane Bondareff/ap

Immer nur die allerbilligsten Süßigkeiten

Halloween kann lustig sein, vor allem wegen der Süßigkeiten, das ist ganz nice. Aber viele Leute, bei denen man klingelt, sind ziemlich blöde. Oft bekommt man ganz wenig oder darf sich nur eine kleine Sache nehmen. Dabei haben die meisten wirklich nur die allerbilligsten Süßigkeiten am Start, als nur so’n Scheiß.

Das Verkleiden finde ich affig, ich hasse Verkleiden. Das mag ich auch bei Fasching nicht. Das mochte ich noch nie, auch nicht, als ich noch klein war. Und dieses krasse Schminken ist auch ziemlich lost. Man fühlt sich einfach nicht wohl damit, wenn alles so angemalt ist.

Ein paar Jahre hab ich das alles gar nicht gemacht, an Halloween rumlaufen. Aber letztes Jahr waren wir dann noch mal unterwegs, mit allen Freunden, fast zwanzig Leute, das hat Spaß gemacht. Allerdings war keiner von uns verkleidet oder geschminkt. Das ist auch eher was für kleinere Kinder, finde ich.

Ganz lustig fand ich früher so Sachen wie Eier an die Türen schmeißen oder Zahnpasta auf die Klingelschilder schmieren, wenn die Leute nicht aufgemacht haben.

Dieses Jahr sollte man Halloween aber absagen: Ganz viele Leute laufen in Gruppen durch die Gegend, alle Kinder brüllen im Chor und klingeln bei ganz vielen anderen, auch alten Leuten – keine gute Idee in einer Pandemie. Manche Leute sagen jetzt: „Na ja, wer Angst hat, sich anzustecken, muss ja nicht aufmachen.“ Aber die haben das Prinzip von Halloween nicht verstanden. Weil: Dann gibt es eben Saures. Und wenn man entscheiden muss, entweder Ansteckungsrisiko oder Eier an der Tür … Ist ja beides irgendwie nicht so toll.

Dieses Jahr wird es bestimmt auch schwierig, weil Halloween auf einen Samstag fällt. Das nutzen dann Jugendliche, um draußen Party zu machen und zu saufen. Das haben wir im letzten Jahr bei uns in der Nachbarschaft gehabt, da kam dann nachts sogar die Polizei. Ich denke, das ist bestimmt auch ein Grund, warum Halloween dieses Jahr verboten werden soll.

Tomke, 14 Jahre

Ich könnte mich vielleicht als Virus verkleiden

Ich will an Halloween als Zombie gehen. Die haben so eine graue Hautfarbe und Blut überall. Wegen Corona wollte ich eine Maske bemalen, mit ekligen Zähnen wie die von Gollum aus „Herr der Ringe“. An Halloween rumlaufen ist super, weil man da so viele Süßigkeiten kriegt.

Wenn das dieses Jahr nicht geht, finde ich das scheiße. Wir können doch eine Maske tragen! Abstand halten ist schwierig, weil man dann nicht in die Süßigkeitentüte greifen kann. Aber das wäre mir egal.

Ich könnte mich auch als Coronavirus verkleiden, als fettes rundes Teil mit Pieksern. Davor haben ja alle gerade am meisten Angst.

War nur ein Scherz. Wenn wir an Halloween nicht rumlaufen dürfen, verkleide ich mich nicht, das macht dann ja keinen Sinn. Ich will mich trotzdem mit meinen Freunden treffen, die sehe ich ja auch jeden Tag in der Schule.

Max, 9 Jahre

Die Süßigkeiten kaufen wir uns selbst

Ich finde es schade, dass Halloween nicht wie sonst stattfinden kann. Ich kann das verstehen wegen Corona, aber es ist trotzdem schade, weil es einfach etwas Alljährliches ist, dass man sich jedes Jahr im Oktober verkleidet und durch die Straßen zieht. An Halloween gefällt mir so gut, dass man sich spät abends mit seinen Freunden verkleiden und durch die Straßen ziehen kann. Wir gehen dann von Laden zu Laden und sammeln Süßigkeiten ein.

Ich hatte mal einen Fall, wo ich mit einem Freund an einer Wohnung geklingelt habe und eine ältere Frau uns die Tür aufgemacht hat. Als sie uns gesehen hat, hat sie geschrien und uns die Tür vor der Nase zugeknallt. Oft sind Leute überrascht, dass Halloween ist. Oder sie sind noch bei der Arbeit oder haben keine Süßigkeiten zu Hause – oder machen einfach nicht auf. Deswegen gehen wir direkt in die Läden und Spätis, die haben immer was und sind immer offen.

Die Politökonomin Maja Göpel hat mit „Unsere Welt neu denken“ einen Besteller geschrieben. Wir haben mit ihr über mögliche Zukünfte, das Befreiende von Verboten und eine Kindheit unter Hippies gesprochen – in der taz am wochenende vom 31. Oktober/1. November. Außerdem: Ein Blick auf die letzten Tage vor der US-Präsidentschaftswahl. Und: Das Wichtigste zum Corona-Teil-Lockdown. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und rund um die Uhr bei Facebook und Twitter.

Dieses Jahr dachte ich, dass wir uns alle selbst Süßigkeiten kaufen und trotzdem Halloween feiern, aber nicht von Laden zu Laden ziehen. Ich und ein anderer Freund wollen bei einem gemeinsamen Freund übernachten, uns trotzdem verkleiden und Spiele spielen, wie „Werwölfe“. Vielleicht einen Film gucken. Ich möchte mich als Sensenmann verkleiden. Ich kann mir schon vorstellen, dass viele Kinder es richtig doof finden, dieses Jahr zu Hause zu bleiben.

Ferran, 11 Jahre

taz-Familieninterview am Abendbrottisch

taz-Mutter: Also Kinder, dieses Jahr wird es an Halloween kein „Trick or treatgeben.

Milan: Was???

taz-Mutter: Ja, wegen Corona.

Betretenes Schweigen, dramatisch rollende Augen

Cosima: Wir können Halloween doch zu Hause feiern!

Milan: D’is Kacke!

taz-Mutter: Warum?

Milan: Das ist blöd, weil man zu Hause ja keine Süßigkeiten jagen kann.

taz-Mutter: Geht es dir bei Halloween vor allem um die Süßigkeiten?

Milan: Ja! Das ist ja das. Man verkleidet sich und geht raus und

klingelt überall. Und geht in die Läden rein, um Süßigkeiten zu holen. Das ist genauso gut wie Weihnachten und Geburtstag!

taz-Mutter: So gut ist Halloween?

Milan: Ja.

taz-Mutter: Und was, wenn wir Süßigkeiten kaufen?

Milan: Wir können doch mit Maske in die Häuser gehen und bisschen Abstand halten. Wir ­geben den Leuten unsere Tüten und sie füllen Süßigkeiten rein und geben sie wieder zurück.

taz-Mutter: Cosima, was gefällt dir am besten an Halloween?

Cosima: Manchmal trifft man beim „Trick or treat“ ja auch Leute, die man kennt. Das find ich halt cool.

Milan: Ja, aber das kann man ja auch sonst machen.

taz-Mutter: Verkleidet ihr euch trotzdem?

Milan: Nein, das hat keinen Sinn. Wenn man nicht rausgeht, macht’s keinen Sinn.

Cosima: Ja, ich verkleide mich.

taz-Mutter: Auch wenn das dann keiner sehen kann?

Cosima: Ja. Ich verkleide mich als Coronavirus. Dann hat jeder Angst vor mir.

Milan, 8; Cosima, fast 6

Na gut, dann halt Kürbisse aushöhlen

Ich finde es richtig blöd, dass Halloween dieses Jahr ausfällt. Wir hatten schon alles geplant. Wir wollten zu sechst losziehen mit dem Bollerwagen durch die Straßen und überall klingeln. Wir haben das letztes Jahr zum ersten Mal gemacht, zuvor waren wir zu klein oder bei Oma auf dem Land, wo nicht so viel ist mit Halloween.

Aber bei uns im Kiez hat das echt Spaß gemacht – wir waren vor allem in Läden unterwegs und in unserer Straße. Da waren noch mehr verkleidete Kindergruppen unterwegs, aber die Leute hatten immer noch was übrig, auch wenn vorher schon welche da waren. Ein Mann hat uns eine ganze Schachtel Haferkekse gegeben und eine Frau hat uns sogar 10 Euro geschenkt! Damit sind wir noch schnell zu Netto und haben noch mehr Süßigkeiten gekauft. Am Ende hatten wir richtig viel zusammen, das haben wir natürlich geteilt.

Dieses Jahr wollte auch meine Nachbarin mitkommen und ich hatte sogar schon ein Vampirkostüm. Tja, schade. Jetzt können wir am Samstag vielleicht wenigstens im Garten Pizza backen, das ist ja im Freien. Oder Kürbisse aushöhlen halt. Aber so ein richtiger Ersatz für Halloween ist das nicht. Ich bin schon enttäuscht, aber irgendwie verstehe ich es auch, dass das jetzt wegen Corona verboten wird. Wenn sich Leute wegen uns anstecken würden, wäre das schlimm.

Charlotte, 11 Jahre

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