Hacker-Angriff in den Niederlanden: Interrail mit Spätfolgen
Ein Leak bei Interrail könnte mehrere Zehntausende Datensätze betreffen. Kund*innen wird dringend geraten, ihre Zugangsdaten zu ändern.
Foto: Gudella/imago
Bei einem Hacker-Angriff auf das niederländische Unternehmen Eurail B.V. wurde eine große Zahl persönlicher Kundendaten gestohlen. Betroffen sind Nutzer*innen der europaweit gültigen Zug-Tickets Interrail und Eurail, die von dem in Utrecht ansässigen Unternehmen vertrieben werden. Wer diese online erwirbt, hinterlässt dabei Standarddaten wie Name und Anschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer, teils auch Nummer und Ablaufdatum von Reisedokumenten.
In einem Statement von Eurail ist von einem „Sicherheitsvorfall“ die Rede, bei dem „eine unbefugte Person Zugriff auf einen Teil unserer Kundendatenbank erlangt“ habe. Das Unternehmen habe direkte Maßnahmen zur Sicherung seiner Systeme ergriffen und externe Spezialist*innen für eine Untersuchung des Vorfalls herbeigezogen. Von der noch laufenden Untersuchung verspricht man sich nähere Informationen über die fraglichen personenbezogenen Daten. Hinweise, dass diese missbraucht oder öffentlich weiterverbreitet werden, gebe es bislang nicht, so die Mitteilung.
Wann genau der Angriff erfolgte und um wie viele Datensätze es geht, erwähnt Eurail nicht. Die belgische Tageszeitung De Standaard zitiert einen Unternehmenssprecher, dem zufolge es „möglicherweise um viele zehntausende Opfer“ gehen könne. Betroffene Kund*innen wurden in den letzten Tagen per E-Mail über den Diebstahl ihrer Daten informiert und aufgefordert, umgehend ihre Passwörter zu ändern. In dem auf mehreren Sprachen verfassten Eurail-Statement wird geraten, „besonders wachsam“ gegenüber unerwarteten oder verdächtigen Kontaktaufnahmen zu sein und keinesfalls persönliche Daten anzugeben.
Der potenzielle Umfang des Daten-Leaks ergibt sich aus einem Blick auf die aktuellen Verkaufszahlen der Eurail B.V. Im Jahr 2024 ging es dabei um insgesamt mehr als 1.149.000 Tickets, die in 33 europäischen Ländern gültig sind. Knapp zwei Drittel davon waren Interrail-Pässe, der Rest Eurail, das gleichartige Produkt für Reisende von außerhalb Europas. Letztere entschieden sich übrigens zu 98 Prozent für die Online- statt der früheren Papiervariante des Passes. Von den Interrail-Kund*innen waren es dagegen 88 Prozent.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert