Güterverkehr der Deutschen Bahn

Die Lage ist desaströs

Immer weniger Güterwagen, immer weniger Zugang zum Schienennetz: Die Deutsche Bahn hat ihre Alternative zum Transport per Lkw abgewirtschaftet.

Zwei Arbeiter mit Warnanzügen stehen vor Güterwaggons der Deutschen bahn

Rangierbahnhof in Hagen/Westfalen Foto: Stefan Ziese/imago images

BERLIN taz | Rangierloks der Deutschen Bahn sind im Schnitt stolze 42 Jahre alt, LokführerInnen im Güterverkehr verbringen nur 35 Prozent ihrer Arbeitszeit fahrend im Führerstand eines Zugs. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des grünen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel hervor. Danach ist die Lage bei der DB Cargo desaströs, besonders im sogenannten Einzelwagenverkehr.

Im Schienengüterverkehr gibt es den Ganzzugverkehr, bei dem Firmen einen ganzen Zug ordern, und den Einzelwagenverkehr, bei dem Güter auf einzelnen Waggons transportiert werden, sowie die Kombination von Schiene und Lkw. Der Einzelwagenverkehr steht in direkter Konkurrenz zum Transport per Laster. „Für die Verkehrswende und die Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene benötigen wir ein modernes und leistungsfähiges Einzelwagensystem“, sagt Gastel.

Aber gerade hier ist die Verkehrsleistung – also das Güteraufkommen plus zurückgelegter Distanz – von 27,1 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 2006 auf 20,3 Milliarden im Jahr 2018 eingebrochen. Der Einzelwagenverkehr erholte sich nicht von Rückgängen im Zuge der Weltwirtschaftskrise nach 2008, auch wenn er zuletzt leicht zugelegt hat. Insgesamt hat der Gütertransport auf der Schiene zwischen 2006 und 2018 von 107 auf 136 Milliarden Tonnenkilometer zugelegt. Anders als im Einzelwagenverkehr sind im Ganzzugverkehr viele Wettbewerber aktiv.

Ausgerechnet im Rahmen ihres Programms „Zukunft Bahn“ stellte der Konzern seit 2006 167 Güterverkehrsstellen ein, mit denen Unternehmen einen direkten Zugang zum Schienennetz hatten. Der Bestand an eigenen und angemieteten Waggons ist zwischen 2010 und 2018 von 65.434 auf 49.246 gesunken, die durchschnittliche Jahresleistung pro Wagen ging um mehr als 670 Kilometer auf 14.922 zurück.

„Das ansteigende Durchschnittsalter der Güterwagen und das hohe Alter der Rangierloks zeigen exemplarisch, dass die Deutsche Bahn über viele Jahre zu wenig investiert hat“, sagt Gastel. Zwar will die DB Cargo 3.500 neue Güterwagen anschaffen. Doch damit würde nicht einmal das Niveau von 2014 erreicht. Das Problem: Je kleiner die transportierten Mengen, desto höher die Kosten. Im Schnitt braucht eine Ladung 80 Stunden vom Absender zum Empfänger – Lkws sind schneller.

Gastel fordert ein Investitionsprogramm zur Modernisierung des Einzelwagenverkehrs. „Überfällig ist die europaweite Einführung einer automatischen Kupplung, mit der Betriebsabläufe im Güterverkehr weitgehend automatisiert werden können“, sagt er. „Dies würde dem Einzelwagenverkehr einen enormen Schub in der Wirtschaftlichkeit verleihen.“ Dafür sei eine Anschubfinanzierung durch den Bund erforderlich. Darüber hinaus plädiert der Abgeordnete mit Blick auf Lkw für faire Wettbewerbsbedingungen: „Es ist ein Unding, dass wir jährlich noch Milliardenbeträge für die Subventionierung von Dieselkraftstoff ausgeben.“

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