Greenpeace-Studie: Schlechter Nahverkehr zwingt viele zu Autobesitz
Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab beim öffentlichen Nahverkehr: Fast die Hälfte der Bevölkerung nutzt Bus und Bahn nie.
Foto: Jochen Tack/imago
epd | Greenpeace dringt auf einen attraktiven und kostengünstigen Nahverkehr. Einer Untersuchung des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace Mittel- und Osteuropa zufolge seien bis zu 19 Prozent der europäischen Bevölkerung zum Besitz eines Autos gezwungen, obwohl ein Pkw für sie eine zu hohe finanzielle Belastung darstelle, erklärte die Umweltschutzorganisation am Dienstag in Hamburg.
In Deutschland gäben mehr Menschen als in jedem anderen der 33 untersuchten Länder an, dass ein hoher Preis sie von der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs abhalte. Mit knapp sechs Prozent sei der Wert hierzulande fast dreimal so hoch wie im europäischen Durchschnitt. Für die Studie im Greenpeace-Auftrag wurden den Angaben zufolge bestehende Forschungen in europäischen Ländern ausgewertet.
Plädoyer für günstiges Deutschlandticket
Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland (48 Prozent) nutzen laut Greenpeace nie Bus und Bahn. Lediglich 11 Prozent nutzten den öffentlichen Nahverkehr täglich. Beide Werte lägen deutlich unter anderen europäischen Ländern. Ein maßgeblicher Grund dafür sei die schlechte Anbindung vor allem ländlicher Regionen.
„Statt für eine Gießkannen-Maßnahme wie den Tankrabatt Milliarden zu verpulvern, von denen mehr bei den Ölkonzernen als bei den wirklich betroffenen Menschen ankommen, sollte die Bundesregierung aus den Erfolgen des 9-Euro-Tickets lernen“, sagte die Greenpeace-Expertin Marissa Reiserer.
Ein günstiges Deutschlandticket, kombiniert mit einer Sozialvariante und einem gezielten Ausbau, sei der beste Weg, um fossile Abhängigkeiten zu reduzieren und den Klimaschutz voranzubringen. Ein Mobilitätsbudget könne besonders belastete Haushalte zusätzlich gezielt entlasten.
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