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Gewalt in der NutztierhaltungGroßer Milchbauernhof unter Tierquälerei-Verdacht

Eine Tierschutzorganisation wirft Mit­ar­bei­te­r*in­nen eines brandenburgischen Hofs vor, Tiere misshandelt zu haben. Nun wurde Anzeige erstattet.

Auf einem Bauernhof in der Uckermark sollen monatelang Kühe und Kälber misshandelt worden sein (Symbolbild) Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Berlin taz | Auf einem Bauernhof in der Uckermark sollen monatelang Kühe und Kälber misshandelt worden sein. Das zeigen Videoaufnahmen, die die Tierschutzorganisation Aninova am Mittwoch veröffentlichte. „Die Brutalität und Selbstverständlichkeit, mit der die Tiere gequält werden, hat mich schon sehr schockiert“, sagt Aninova-Vorsitzender Jan Peifer. „Das habe ich in einem solchen Ausmaß noch nicht gesehen.“

Die Tierschutzorganisation wirft dem Hofbetreiber vor, massiv gegen Schutzstandards verstoßen zu haben. So seien die Kühe immer wieder mit Stöcken geschlagen und mit Messern angetrieben worden. Außerdem seien Kälber brutal über Absperrungen geworfen und nach der Geburt gesetzwidrig isoliert worden, sagt Peifer.

Ak­ti­vis­t*in­nen, die durch Hinweise aus der Bevölkerung auf den Hof aufmerksam geworden waren, haben Aninova die Aufnahmen zugespielt. Drei Monate lang haben sie eigenen Angaben zufolge die Vorgänge im Stall gefilmt.

Hofbetreiber Ronaldus Meijer äußert sich gegenüber dem RBB schockiert über die Vorgänge in seinem Betrieb. Auf seinem Hof leben etwa 960 Milchkühe, deren Milch an eine Molkerei und dann als Kaufland-, Lidl- oder Rewe-Eigenmarke verkauft wird.

Meijer sagt, er habe seinen Mit­ar­bei­te­r*in­nen ­verboten, die Tiere zu schlagen. Nun sei er mit dem Veterinäramt im Gespräch über arbeitsrechtliche Konsequenzen. Weiter wollte er sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Haltungsbedingungen werden selten kontrolliert

Der brandenburgische Bauernverband zeigt sich ebenfalls schockiert, kritisiert aber zugleich, dass die Videos veröffentlicht wurden. Die mediale Aufmerksamkeit führe dazu, dass Menschen zu weiteren Straftaten animiert werden, schrieb der Verband der taz.

Aninova hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neu­ruppin erstattet.

„Ich würde gerne sagen, dass das ein Einzelfall ist“, sagt Lisa Kainz von der Tierschutz­organisation Peta. Aber um solche Fälle zu verhindern, fehle es an Kontrollen. Die Veterinärämter seien überlastet, aus Zeitmangel würden in der Regel nur angekündigte Überprüfungen durchgeführt, sagt Kainz. „Außerdem werden Höfe durchschnittlich nur alle 15 Jahre kontrolliert.“

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8 Kommentare

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  • Jetzt muss die Behörde aber mal erklären, was Zeitmangel damit zu tun hat, dass die Kontrollen angekündigt werden.



    Das Gegenteil wäre doch der Fall. Wenn ich mich nicht ankündigen muss, kann ich meine Kontrollen doch viel flexibler und damit passender für meinen Zeitplan durchführen.



    Insgeheim ist es vermutlich so, dass Kontrollen möglichst locker durchgeführt werden, um nur ja nichts zu finden, weil für die Bearbeitung der Beanstandungen keine Zeit bleibt.



    Mit unangekündigten Kontrollen aber ebenfalls kein Problem. Wenn ein Hof mehr Arbeit macht, als geplant, habe ich ja nichts auf dem Terminplan, was dem entgegensprechen würde.



    Niemand verlangt von den Kontrolleuren mehr zu arbeiten, als ihre Bezahlung hergibt. Aber effektiv sollten diese Stunden schon verbracht werden.

    • @Herma Huhn:

      Na ja, das sagt Peta ...

  • .. wieso sind es eigentlich immer und immer wieder nur die NGOs, die auf solche Sauereien aufmerksam machen (müssen)?



    Und wieso passiert dann danach oft noch nicht einmal das Nötigste?



    Seufz..

    • @dervogelmann:

      Von den Betrieben, die das Veterinäramt schließt, erfahren Sie nichts.

      Steht bestenfalls in Lokalblättern.

  • In Bayern werden Viehbetriebe nur alle 48 Jahre kontrolliert. Und wenn etwas passiert, heißt es nur „Dududu“ mit geringstmöglichen Strafen. Das ganze ist politisch gewollt, und die Dunkelziffer ist hoch. Wer das Leid den Tieren ersparen will, muss vegan leben.

    www.schweine.net/n...kontrollquote.html

    • @K2BBQ:

      "Wer das Leid den Tieren ersparen will, muss vegan leben."

      Sorry aber das ist kompletter Blödsinn. Wenn ich selber Tiere halte kann ich Tieren ebenfalls Leid ersparen. Den Hühnern meiner Mutter geht es wunderbar, ich wage sogar zu behaupten besser, als wenn sie in freier Natur leben würden. Da brauche ich auch kein schlechtes Gewissen habe, wenn ich die Eier konsumiere. Es gibt auch durchaus Landwirte, die sich gut um ihre Tiere kümmern, auch da kann man sich informieren, ggf. den Hof besichtigen oder im besten Fall kenne ich den Landwirt selber und kann eine fundierte Aussage darüber treffen, wie er mit seinen Tieren umgeht. Pauschal jeden Landwirt zu verurteilen und zu sagen es ginge nie ohne Tierleid zeugt vor allem von Unwissen.



      Wer Tieren das Leid ersparen will sollte auf Produkte aus Großbetrieben und Massentierhaltung verzichten nach Möglichkeit vegetarisch leben ja, Veganismus halte ich nicht für die Lösung zumal auch für viele Menschen nicht mit ihrer Lebensrealität vereinbar.

    • @K2BBQ:

      Freiwillig vegan leben hilft nicht. Auch nicht freiwillig vegetarisch. Solange auch nur 10% der Menschen Tiere als Fleischlieferant und als Quälobjekt ansehen, wird unvorstellbares Leid erzeugt.

    • @K2BBQ:

      Wenn Sie den von Ihnen verlinkten Artikel bis zum Ende gelesen haben, müssten Sie wissen, dass auch in Bayer öfter kontrolliert wird als alle 48 Jahre. Die große Mehrheit der Betriebe wird jährlich kontrolliert, nur nicht durch das Veterinäramt, sondern z.B. QS., ITW....



      Alle Schlachtungen werden von unabhängigen Veterinären überwacht und bei Auffälligkeiten am Schlachthof wird eine Kontrolle des Betriebes angeordnet. Es gibt sicher (wie überall) auch mal schwarze Schafe aber die Dunkelziffer ist mit Sicherheit sehr gering.