piwik no script img

Gesundheitliche Folgen der KlimakriseMit der Smartwatch gegen die Hitze

Ein Forschungsprojekt sucht nach Wegen für arme Menschen, sich vor extremen Temperaturen zu schützen. Sie sind oft besonders davon betroffen.

ap | Es ist kurz nach zehn Uhr am Vormittag, und am Rand der westindischen Stadt Ahmedabad herrscht schon glühende Hitze. Früher waren Temperaturen über 40 Grad in der Region die Ausnahme, mittlerweile gibt es sie regelmäßig. „Manchmal wird es so heiß, dass ich nicht klar denken kann“, sagt Sapnaben Chunara, eine 30-jährige Mutter von drei Kindern.

In ihrem Haus mit Blechdach im armen Viertel Vanzara Vas ist es noch heißer als draußen. Am Handgelenk trägt Chunara eine schwarze Smartwatch, die sich auffällig von ihrem farbenfrohen Schmuck und Sari abhebt. Chunara ist eine von 204 Bewohnerinnen und Bewohnern von Vanzara Vas, die für eine einjährige Studie mit den Smartwatches ausgestattet wurden.

Die Uhren messen die Herzfrequenz und überwachen den Schlaf. Zudem wird bei den Teilnehmenden einmal pro Woche der Blutdruck überprüft. Einige Hausdächer wurden mit reflektierender Farbe gestrichen, um die Innentemperaturen zu senken. Die Ergebnisse sollen mit denen in Häusern ohne diese sogenannten Kühldächer verglichen werden. Die Idee: Vielleicht lässt sich durch die Kühldächer auch einkommensschwachen Haushalten in der Sommerhitze helfen.

Einer Studie aus dem Jahr 2023 zufolge würde sich bei einer anhaltenden globalen Erwärmung von knapp unter 2 Grad die Zahl der Hitzetoten weltweit um schätzungsweise 370 Prozent erhöhen. Die meisten Fälle sind in Süd- und Südostasien sowie in Afrika zu erwarten.

„Das ist sehr besorgniserregend, und es zeigt auch die Hitzekluft zwischen Arm und Reich“, sagt der Klimaexperte Abhiyant Tiwari von der Umweltschutzorganisation NRDC India, der an den Forschungen in Ahmedabad beteiligt ist. Die Studie ist Teil eines globalen Forschungsprojekts in armen, besonders anfälligen Vierteln.

Chunara, deren Haus kein Kühldach erhalten hat, ist nach eigenen Worten froh, mit dem Tragen der Uhr teilnehmen zu können. Sie ist zuversichtlich, dass von den Ergebnissen auch ihre Familie profitieren wird. „Vielleicht streichen sie mein Dach dann auch, und vielleicht können sie etwas tun, das uns allen in diesem Gebiet hilft, besser mit der Hitze zurechtzukommen.“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare