Nach Rissen von Weidetieren: EU schwächt Schutz von Wölfen
Die Mitgliedstaaten haben dafür gestimmt, den Status des Wolfs auf „geschützt“ zu senken. Das könnte den Abschuss von sogenannten Problemwölfen erleichtern.
Die EU hat den Schutzstatus von Wölfen in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gesenkt. Nach dem EU-Parlament stimmte am Donnerstag auch der Rat der Mitgliedstaaten zu, den Wolf nicht mehr in der Liste der „streng geschützten“, sondern nur noch in der Liste der „geschützten“ Arten zu führen. CDU/CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, diese Änderung „unverzüglich in nationales Recht“ umzusetzen. Deutschland votierte bei der Sitzung in Luxemburg wie 23 andere Staaten mit Ja, die restlichen 3 enthielten sich.
Rufe nach einem schärferen Vorgehen gegen Wölfe werden schon seit Jahren immer lauter. Es gibt immer mehr Wölfe, in Deutschland schätzungsweise 2.000. Auch die Zahl der Nutztiere, die von Wölfen getötet oder verletzt wurden, steigt. 2023 erreichte die Opferzahl mit 5.727 einen neuen Rekord. Das setzt die besonders tierfreundliche Haltung von Tieren auf der Weide unter Druck.
Bisher verbietet die EU-Richtlinie grundsätzlich, Wölfe zu töten. Ausnahmen sind zwar theoretisch möglich, zum Beispiel dürfen bestimmte Tiere geschossen werden, wenn sie ernste Schäden verursachen. Praktisch werden solche „Entnahmen“ oft von Gerichten gestoppt. Künftig sollen Tötungen erlaubt sein, sofern sie „mit der Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustands vereinbar sind“, wie es in der Vorlage der EU-Kommission heißt.
„Günstiger Erhaltungszustand“ bedeutet zum Beispiel, dass das Verbreitungsgebiet des Wolfs nicht abnimmt und sein Lebensraum groß genug ist, damit die Art langfristig überleben kann. Wölfe müssten demnach weiter in Deutschland präsent sein. Aber ihre Population ließe sich, anders als derzeit, begrenzen. „Problematische Wölfe“ könnten einfacher abgeschossen werden, wenn Deutschland seine Gesetze entsprechend lockert.
Kritik von Naturschützern
Umweltverbände argumentieren aber, dass Abschüsse etwa Schafsherden nicht wirksam schützen würden. „Auch wenige Wölfe können großen Schaden anrichten, wenn sie auf ungeschützte Herden treffen“, heißt es beim Naturschutzbund. Wichtig sei deshalb, Nutztiere etwa durch Zäune zu schützen.
Den Herdenschutz haben die Bundesländer 2023 laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf zufolge mit 21 Millionen Euro bezuschusst. Manche Bauern sagen aber, sie hätten keine Zeit oder Personal, die unteren Elektrodrähte der Zäune freizuhalten von Grashalmen, damit der Strom fließt und die Raubtiere tatsächlich abgeschreckt werden. Weniger Wölfe bedeuteten weniger Raubtiere, die Vieh fressen können.
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