Geld für den Feminismus: Solidarität finanzieren, sodass sie gewinnt
Der Black Feminist Fund finanziert Widerstand von Schwarzen Feminist*innen weltweit. In Trumps USA wollen sie Bewegungen Rückhalt geben.
Die Welt wird sich jetzt der Schrecken bewusst, mit denen wir zu kämpfen haben“, sagt Vanessa Thomas angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage. Schwarze feministische und queere Aktivist*innen stünden seit Langem an vorderster Front im Kampf gegen patriarchalische, faschistische und kapitalistische Macht. Thomas ist Programmmanagerin beim US-amerikanischen Black Feminist Fund (BFF). Die philanthropische Stiftung finanziert seit der Gründung 2021 Schwarze feministische Gruppen weltweit. Die Idee: Bewegungen so zu finanzieren, „dass sie gewinnen“, formuliert es Thomas.
Die Bewegungen von Schwarzen Feminist*innen und queeren Personen werden vielfach zelebriert, aber nicht finanziert. So fehlt das Geld, um nachhaltig Veränderung zu schaffen und neue Strukturen aufzubauen.
Laut einer Analyse des BFF gehen nur zwischen 0,1 und 0,35 Prozent der weltweiten Stiftungsgelder an Schwarze Frauen, Mädchen und Transgender-Personen, basierend auf Daten aus dem Jahr 2018. Eine Schieflage gibt es auch in der Entwicklungshilfe von Regierungen. Statistiken der OECD zeigen, dass im Jahr 2024 von den gesamten Mitteln, die direkt an zivilgesellschaftliche Organisationen gingen, nur 10 Prozent im Globalen Süden registriert sind – verglichen mit 63 Prozent, die in Geberländern sitzen. Momentan sieht es so aus, als würde sich die Lage für Schwarze feministische und queere Organisationen weiter verschlechtern.
Zum feministischen Kampftag am 8. März wird die wochentaz zur feministaz. Während Rechte von Frauen, trans, inter und nichtbinären Personen weltweit angegriffen und zurückgedreht werden, fragt die Ausgabe, was gegen Ohnmacht und Ratlosigkeit helfen kann. Unsere Antwort: Solidarität. Auf 52 Seiten zeigt die feministaz, wie Solidarität im Großen wie im Kleinen gelebt wird. Auch auf taz.de wird das Thema vier Tage lang begleitet. Das ganze Editorial können Sie hier lesen.
Die größten staatlichen Geber haben ihre Gelder für Entwicklung und humanitäre Hilfe drastisch gekürzt. Die USA haben die Entwicklungsbehörde USAID komplett abgewickelt und sich aus internationalen Organisationen zurückgezogen. Außerdem macht die Regierung unter Präsident Donald Trump Druck, dass kein Geld an Organisationen geht, die sich gegen Rassismus einsetzten oder für Geschlechtergerechtigkeit und queere Menschen. Einige Stiftungen und NGOs haben schon Verweise auf Klima oder Diversität von ihren Websites gestrichen. „Wir sehen jetzt, wer sich als Verbündeter erweist und Widerstand leistet und wer nicht“, sagt Thomas.
Zeit zu lernen, zu scheitern, es erneut zu versuchen
Den BFF gründeten 2021 Hakima Abbas, Tynesha McHarris und Amina Doherty, um der Unterfinanzierung von Schwarzen feministischen Bewegungen etwas entgegenzusetzen. Sie wollten aber auch ändern, wie die Finanzierung aussieht: Während die Hilfsindustrie auf knappe Mittel mit Forderungen nach mehr Effizienz, mehr Daten und mehr Kontrolle reagiert, geht der Black Feminist Fund den entgegengesetzten Weg.
Ihre Finanzierung ist vertrauensbasiert und langfristig angelegt: Anstelle der üblichen 3- bis 5-jährigen Förderung läuft sie über 8 Jahre. „Das bedeutet, dass man Zeit hat, zu lernen, zu scheitern, es erneut zu versuchen und die Richtung zu ändern“, sagt Thomas. Die Gruppen erhalten zwischen 50.000 und 200.000 US-Dollar pro Jahr. Ein Komitee aus Schwarzen Feministinnen entscheidet gemeinsam, welche Gruppen Fördermittel erhalten. Die Gruppen entscheiden selbst, wie sie diese verwenden, sei es für Projekte oder Gehälter. Und: Sie müssen nicht registriert sein.
Gleichzeitig werden die Feministinnen dabei begleitet, wie sie sich nach Ablauf der Förderung finanzieren können. Dazu gehören beispielsweise Workshops zu Fundraising oder sozialen Medien. Oder der BFF hilft dabei, Bewegungen miteinander zu vernetzen. Während traditionelle Stiftungen lange Berichte zum Ausfüllen verschicken, führen die feministischen Geldgeberinnen regelmäßige „Check-ins“ durch, formlose Gespräche zum Verlauf der Projekte.
Der BFF hat das Ziel, in zehn Jahren 100 Millionen US-Dollar zu mobilisieren. Der Großteil wurde laut Thomas bereits erreicht, stammt von anderen Stiftungen wie der Ford Foundation und auch aus Einzelspenden. 54 Millionen US-Dollar wurden seit der Gründung 2021 bereits an 126 Gruppen in 58 Ländern ausgezahlt. Für den BFF ist es ein großer Erfolg. Im Vergleich mit den großen Stiftungen ist das nicht viel: Die Gates-Stiftung von Tech-Milliardär Bill Gates hat ein Kapital von rund 48 Milliarden US-Dollar.
Die Vision: das Stiftungswesen umkrempeln
Die Vision der Schwarzen Feministinnen reicht aber um einiges weiter: Sie wollen das Stiftungswesen umkrempeln. Dafür hat der BFF ein Netzwerk Schwarzer feministischer Philanthropinnen geschaffen, die versuchen, die Arbeitsweise des BFF in ihren Stiftungen zu verbreiten.
Ein Beispiel: Als sich in Sudan die schlimmste humanitäre Krise dieses Jahrhunderts abzeichnete und die traditionelle humanitäre Hilfe nur minimal reagierte, schaltete sich das Netzwerk ein und mobilisierte 2 Millionen US-Dollar, um Frauengruppen in Sudan direkt zu finanzieren, darunter die „Emergency Response Rooms“. Die Organisator*innen stellten Lebensmittel, Wasser, Strom und medizinische Versorgung sowie Bargeld bereit. Vor Kurzem wurden sie mit dem alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Sophie Fichtner spricht in der neuen Folge Reingehen mit Manuela Heim über das Konzept und die Entstehung der Feministaz.
Sudan ist auch ein Beispiel, was eine echte Unterstützung des Widerstands im Land hätte bewirken können. Feministinnen hätten 2019 im Mittelpunkt des Aufstands gegen den sudanesischen Diktator Omar Al-Bashir gestanden und seien dafür gefeiert worden, sagt Thomas. Danach habe die Welt ihnen den Rücken zugekehrt, statt sie darin zu unterstützen, einen lebenswerten, würdigen und sicheren Staat für alle aufzubauen. Hätten sie damals Solidarität erfahren, „um zu gewinnen“, wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen.
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