Alternativer Nobelpreis: Selbsthilfe zum Überleben in Sudan
Im Sudan-Krieg bieten die „Emergency Response Rooms“ Schutzräume, wo es sonst keine Hilfe mehr gibt. Dafür erhalten sie den Alternativen Nobelpreis.
Wenn die Welt einen im Stich lässt, muss man sich selber helfen – das ist das Prinzip hinter den „Emergency Response Rooms“ in Sudan. Die „Räume“ sind manchmal lediglich virtuell, aber die „Notfallreaktion“ ist real: Wo sich Sudans Armee und die paramilitärische Miliz RSF (Rapid Support Forces) ohne jede Rücksicht auf die Zivilbevölkerung mit schwerer Artillerie bekriegen, brauchen die Menschen Schutzräume und Anlaufstellen, wo sie Erste Hilfe erhalten und etwas zu essen, wo sie ihre Kinder unterbringen und ihre Telefone aufladen können.
Die „Emergency Response Rooms“ entstanden aus den Graswurzelstrukturen der Demokratiebewegung, die Ende 2018 todesmutig in den Aufstand gegen Sudans Militärdiktatur getreten war und im April 2019 tatsächlich Langzeitdiktatur Omar Hassan al-Bashir von der Macht verjagen konnte. Die „Widerstandskomitees“ zur Selbstorganisation und Koordination ziviler Kräfte waren auch wichtig, um den demokratischen Aufstand zusammenzuhalten.
Sudans demokratischer Frühling damals war allerdings kurz, das Militär behielt die Oberhand – nur um ab April 2023 selbst in einem brutalen Machtkampf zu versinken, der bis heute andauert. Da wurden viele „Widerstandskomitees“ praktisch über Nacht Schutzstrukturen, in denen Leute auf Stadtteilebene Lebensmittel, Wasser, Strom und medizinische Versorgung organisierten, später auch Dienstleistungen wie Geldtransfer und Internet.
Sudans Graswurzelstrukturen sind in dieser Form einzigartig, und die Ehrung durch den Alternativen Nobelpreis ist lange überfällig: als Anerkennung einer zivilen Widerstandsform, „ein Modell dekolonialisierter humanitärer Hilfe, das Würde und Gestaltungsmacht wieder in die Hände lokaler Gemeinschaften legt“, wie es in der Preisbegründung heißt.
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