Fridays for Future demonstriert wieder: „Die Aufmerksamkeit zurückholen“

Fridays for Future will wieder auf die Straße: An diesem Freitag gehen die Aktivist*innen in Hamburg erstmalig wieder auf den Rathausmarkt.

Jugendliche halten ein Schild hoch, darauf steht "Rettet den Planeten, bevor unser BIer warm wird"

Man hat ja nicht ewig Zeit. Deshalb wollen FFF-Aktivist*innen jetzt wieder demonstrieren Foto: Axel Heimken/dpa

taz: Herr Boehmann, wie sauer sind Sie auf das Coronavirus, weil dadurch das Thema Klimawandel medial in den Hintergrund geraten ist?

Arnaud Boehmann: Wir sehen Corona als eine eigene Krise, die ihre eigenen Antworten erfordert. Die mediale Aufmerksamkeit für Corona ist richtig, denn es ist eine Krise, die wir momentan akut bewältigen müssen. Das ist wie ein Sprint: Es gibt extrem viele Maßnahmen. Das Klimathema hat dagegen einen Marathoncharakter. Es ist eine Herausforderung für die nächsten Dekaden. Wir sehen jetzt natürlich, dass wir uns die Aufmerksamkeit ein Stück weit zurückholen müssen. Die Klimakrise geht ja weiter.

Sie protestieren am Freitag wegen der Corona-Beschränkungen mit begrenzter Personenzahl. Nur 25 Menschen dürfen dabei sein. Wird man da überhaupt bemerkt?

Wir müssen natürlich mit den Gegebenheiten umgehen. Bis jetzt haben wir das ganz gut gemacht. Am 24. April hatten wir ja eine kleine Aktion mit Schildern. Das war der vierte internationale Streik und es hat wunderbar funktioniert. Als die Sicherheitsmaßnahmen zu Corona verkündet wurden, war für unsere Bewegung klar, dass wir uns an die Wissenschaft halten: ‚Unite behind the Science‘. Deswegen haben wir zuerst alles ins Internet verlagert. Aber mit dem Rahmen, der uns von der Versammlungsbehörde und dem Gesundheitsamt jetzt gegeben wird, können wir wieder auf die Straße zurückkehren.

Freitag, 8. Mai, 11.30 Uhr, Rathausmarkt

Wie wollen Sie sich denn am Freitag bemerkbar machen?

Man muss ein bisschen kreativ werden. Circa fünf der 25 Leute stellen Politiker*innen dar, die anderen spielen die Zivilbevölkerung und sorgen für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Wir werden eine symbolische Weltkugel haben, mit der ein bisschen herum gespielt wird. Wenn eine klassische Demonstration mit lauter Musik aber gerade nicht möglich ist, gehen wir eben in den Bereich Performance-Kunst. Sichtbarkeit werden wir aber erzeugen.

24, ist einer der Sprecher von Fridays for Future Hamburg

Wird FFF auch anderswo wieder analog protestieren?

Ja. Die Ortsgruppen sind nach wie vor autonom. Dadurch, dass wir landesweite Gesundheitsregelungen haben, sind die Voraussetzungen nicht überall gleich. Die Kollegen in NRW und Bayern haben andere Voraussetzungen als wir in Hamburg. Das machen alle so, wie sie können und wie sie möchten. Aber es wird freitags zunehmend wieder zu Aktionen kommen – bundesweit. Unsere Kommunikation ist nach wie vor aber überwiegend digital. Und die Leute reisen separat zu den Aktionen an.

Sie wollen während der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen „ein Zeichen für ein nachhaltiges Konjunkturprogramm und eine Nachbesserung des Hamburger Klimaplans setzen“. Was ist daran verbesserungswürdig?

Das sind zwei Dinge, die wir separat sehen müssen: Der Hamburger Klimaplan, wie ihn der Senat Ende letzten Jahres vorgestellt hat, ist ein guter erster Schritt. Er wurde für das Ziel einer Klimaneutralität im Jahre 2050 konzeptioniert. Das ist aber nicht mit dem Pariser Klimaabkommen konform. Die FFF-Forderungen orientieren sich am Ziel der Klimaneutralität im Jahre 2035. Dementsprechend können wir mit diesem Plan nicht zufrieden sein. Zwar sehen wir, dass er sehr umfassend ist und in viele Lebensbereiche hineinführt. Doch das geht uns nicht weit genug. Bei den Konjunkturpaketen sehen wir die Gefahr, dass mit der großen Schöpfkelle Geld an die Wirtschaft verteilt wird, dies aber bedingungslos passiert – nur, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das darf aber kein Selbstzweck sein. Wir müssen diese Konjunkturpakete an ökologische Bedingungen knüpfen.

FFF-Sprecherin Annika Rittmann sagte sinngemäß, dass der Senat auf die Ratschläge der Wissenschaft eingeht – allerdings nicht bei der Klimapolitik.

Wir haben das in einzelnen Aspekten bisher so erfahren. Wir hatten Mitte des letzten Jahres eine Konversation mit Vertreter*innen aller Parteien. Zusammen mit den Scientists for Future erarbeiteten wir Forderungen und haben diese im Umweltausschuss vorgestellt. Dort war es allerdings nicht so, dass der Konsens der Wissenschaft überall durch die Bank akzeptiert wurde. Bei unseren Gesprächen mit Frau Fegebank und Herrn Tschentscher im Vorfeld der Bürgerschaftswahl haben wir viel Offenheit für das Thema erfahren – aber es sind nach wie vor noch große Barrieren da. Wenn wir sagen, dass wir die Klimaneutralität 2035 brauchen, dann ist das nicht per se eine politische Forderung. Vielmehr ist es die Ableitung aus wissenschaftlich gegebenen Notwendigkeiten. Bei Corona haben wir gesehen, dass die Politik handeln kann. Und das vermissen wir in Bezug auf den Klimaaspekt.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben