Frankreich vor Präsidentschaftswahlen: RN-Chef Bardella soll „obsessiv“ antisemitisch gewesen sein
Der Chef der französischen rechtsextremen Partei RN, Jordan Bardella, soll sich als junger Mann antisemitisch geäußert haben. Er spricht von „plumpen Fälschungen“.
Das französische Onlinemagazin Mediapart schreibt dem heutigen RN-Parteichef Jordan Bardella krasse antisemitische Äußerungen zu. Sie stammen aus der Zeit, als er als 17- und 18-jähriger Rechtsextremist seine politische Karriere im Front National begann. Bardella streitet diese kompromittierenden Sätze ab und bezichtigt Mediapart, mit „plumpen Fälschungen“ eine Hetzkampagne gegen ihn anzetteln zu wollen.
Ohne zu zögern, haben sich die Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National (RN), Marine Le Pen, und alle Parteisprecher hinter ihn gestellt, um zum Gegenangriff überzugehen und die Enthüllungen von Mediapart zu diskreditieren. Die Journalisten des Online-Magazins sprechen von einem schriftlich belegten „obsessiven Antisemitismus“.
Völlig überrascht ist eigentlich niemand. So meinte am Dienstag der französische Europaminister Benjamin Haddad lakonisch zu dieser Polemik: „Wen kann das erstaunen? Die extreme Rechte ist die extreme Rechte.“ Und sein Regierungskollege Außenminister Jean-Noël Barrot kommentierte: „An alle, die ein zu kurzes Gedächtnis haben: Der Antisemitismus ist im RN nicht ein Ausrutscher, sondern die Geschichte dieser Partei. Hier ist das wahre Antlitz der extremen Rechten.“
Hinter dem glatt polierten Image von Marine Le Pens Rassemblement National steckte nämlich trotz aller Verharmlosungsbestrebungen immer noch der vom notorischen Rassisten und Antisemiten Jean-Marie Le Pen zusammen mit einem ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS gegründeten Front National. Das war eigentlich kein Geheimnis in Frankreich.
Vergeben und vergessen
Doch wie viele wären heute offensichtlich bereit, diese Periode als vergebene und vergessene Vergangenheit unter den Tisch zu wischen und bei den Präsidentschaftswahlen Marine Le Pen zur nächsten Staatspräsidentin der Republik zu wählen? Muss man es ihr und der Partei aber auch noch abnehmen, heute ein Bollwerk gegen Judenhass und Antizionismus zu sein?
Die von Mediapart am Montag publizierten Zitate zeugen von einem Antisemitismus des jugendlichen FN-Mitglieds Bardella ganz im Stil seines Vorbilds Jean-Marie Le Pen. Damals, laut Mediapart im Jahr 2013 – da hatte Marine Le Pen bereits von ihrem Vater die Parteiführung übernommen – schien es fast selbstverständlich, dass Bardella beispielsweise die Überzeugung geäußert habe, dass „die Banken alle den Juden gehören “ Oder auch, dass „die Juden die anderen Völker dominieren, unterwerfen und bestehlen wollen“.
Damals habe Bardella weitgehend unter dem Einfluss des antisemitischen Verschwörungstheoretikers Alain Solal gestanden. Heute könnte Bardella protestieren, es sei fies, solche Bemerkungen aus seiner Jugend gegen ihn für eine politische Kampagne zu verwenden. Stattdessen dementiert er auf X, solche Äußerungen je gemacht oder auch nur gedacht zu haben. Wenn nun, wie dies zu erwarten ist, Mediapart die angeblich schriftlichen Zitate belegt, geht er mit seiner vehementen Gegenattacke das Risiko ein, erst recht als politischer Hochstapler und Lügner entlarvt zu werden.
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