Flüchtlingslager bei Bihać

Illegale Hilfe im bosnischen Wald

In Vučjak leben die Migranten im Elend. Nun hat die Polizei von Bosnien und Herzegowina ausländische Helfer aus dem Flüchtlingslager geworfen.

Menschen sitzen in einem großen Zelt, um sie herum liegen und hängen Kleidungsstücke

Die Verhältnisse im Lager Vučjak sind teilweise katastrophal Foto: dpa

SARAJEWO taz | Nachdem die Gesundheitsministerin des Kantons Una-Sana in Bosnien und Herzegowina vergangene Woche die Ausländerbehörde auf die Helfer im umstrittenen Flüchtlingslager Vučjak im Wald außerhalb der nordbosnischen Stadt Bihać losschickte, ist die Lage für die rund 700 „Bewohner“ des Lagers noch unerträglicher geworden. Zusammen mit bosnischer Polizei kamen Vertreter der Ausländerbehörde ins Lager und nahmen die ausländischen Helfer im Krankenzelt kurzerhand mit.

Auf der Polizeistation mussten die ungarische Ärztin, die deutsche Krankenschwester und der slowenische Sanitäter 150 Euro Strafe bezahlen, weil sie unangemeldet und ohne Mitglied einer zugelassenen Hilfsorganisation zu sein, einfach freiwillig dem deutschen Journalisten Dirk Planert zur Seite standen, der sich seit Monaten um die Migranten kümmert. Sie mussten das Land verlassen.

Die Migranten protestierten zwar, doch das alles bleibt ohne Konsequenzen. Dirk Planert ist es fortan untersagt, jegliche humanitäre und medizinische Hilfe zu leisten. Es geht vor allem um die Wunden, die jenen Migranten von der kroatischen Polizei zugefügt werden, als sie versuchten, nach Kroatien zu gelangen und dort festgenommen, geschlagen und dann nach Bosnien zurückgeschickt werden.

Die bosnischen Krankenhäuser weigern sich in der Regel, diese Migranten als Patienten aufzunehmen. Deshalb haben Planert und die Freiwilligen seit Monaten Geld und Sachspenden aus dem Ausland organisiert, um dort gemeinsam mit dem lokalen Roten Kreuz einen Notdienst aufzubauen.

Eine Müllhalde für alleinstehende junge Männer

Das Lager Vučjak steht auf einer Müllhalde und ist für alleinstehende junge Männer bestimmt. Migrantenfamilien, Frauen, Kinder und ältere Männer sind dagegen in der Fabrikhalle der ehemaligen Firma Bira in Bihać untergebracht. Im Frühjahr hatten die verantwortlichen Politiker nach Protesten aus der Bevölkerung die jungen Männer aus der Stadt Bihać entfernt, nachdem es zu Konflikten in der Stadt gekommen war – vor allem Frauen klagten darüber, ständig mit jungen Migranten konfrontiert zu werden.

Der Bürgermeister der Stadt Bihać, Šuhret Fazlić, und der Präsident des Kantons Una-Sana, Mustafa Rustić, sind von der Situation offenbar überfordert. Peter van der Auweraert, Chef der UN-Migrationsorganisation IOM in Bosnien und Herzegowina, fordert von den bosnischen Politikern, endlich aktiv zu werden. Das Lager Vučjak müsse aufgelöst werden.

Schon im Sommer hatte de Auweraert vorgeschlagen, neue und winterfeste Lager in Bosnien zu errichten. Geld und Material wären bereitgestanden. Doch die bosnischen Gemeinden weigerten sich, auf ihren Gebieten neue Lager zuzulassen. Jetzt, heißt es seitens IOM, sei es für die Errichtung winterfester Zeltlager zu spät, man müsste die Migranten in leerstehenden Häusern oder Fabrikanlagen unterbringen.

IOM hatte winterfeste Lager vorgeschlagen. Die Gemeinden weigerten sich

IOM habe dazu schon Vorschläge gemacht, sagt der Vertreter und fordert vom Sicherheitsminister des Gesamtstaates in Sarajevo und den Spitzen der Behörden im Una-Sana-Kanton, endlich Entscheidungen zu treffen. Und er fordert von den Repräsentanten der EU in Bosnien, in diesem Sinne auf die Gemeinden und bosnischen Politiker einzuwirken. „In Sarajevo haben wir ein Gebäude, da ist es möglich, mehr Migranten unterzubringen, aber das reicht nicht, wir müssen die Vučjak-Leute in der Region Una-Sana unterbringen. Das muss angesichts des Winters jetzt schnell gehen.“

Das Stadtparlament wird am Mittwoch über die Lage in Vučjak beraten. 45.000 Migranten wurden seit 2015 in Bosnien und Herzegowina registriert, 7.000 seien zurzeit da, sagt Peter van der Auweraert. Es sind also 38.000 Menschen trotz der Abschottungspolitik Kroatiens und trotz aller Hindernisse auf ihrem Weg nach Zentraleuropa durchgekommen.

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