Flüchtlings-Kontrollen in Dänemark: „Es wird mit dem Schicksal gespielt“

Die Initiative „Refugees Welcome Flensburg“ half Geflüchteten nach Skandinavien. Weil nun ganze Busse kontrolliert werden, stellt sie diese Form der Hilfe ein.

Kann die Weiterreise nach Dänemark nicht mehr empfehlen: Katrine Hoop von Refugees Welcome Flensburg. Foto: dpa

taz: Frau Hoop, am Freitag schrieben wir, die Flüchtlingshilfe in Flensburg höre auf. Das ist so nicht ganz der Fall, wie müsste es richtig heißen?

Katrine Hoop: Im Prinzip halten wir unser Angebot am Bahnhof Flensburg aufrecht. Aber wir haben die aktive Transithilfe, also die Hilfe zur Reise nach Dänemark eingestellt. Bisher haben wir ganz viele Leute beraten, wie die Reiseroute aussieht, haben ihnen geholfen, die Tickets zu besorgen und wir haben dabei schon fast Ordnungsaufgaben übernommen.

Also eigentlich eine Aufgabe, um die sich Behörden oder die Bahn hätten kümmern sollen.

Ja, aber seitens der Behörden oder der Bahn war das offenbar nicht mehr zu bewältigen. Es sind unsere Dolmetscher und wir daran beteiligt, die Leute zu den Bahnen und Bussen zu bringen. Das finden wir aber schwierig in einer Situation, in der wir nicht mehr wissen, wie die Reise weitergeht. Das können wir nicht mit unserem Gewissen vereinbaren. Schwierig ist auch, dass viele Menschen dafür ihr letztes Geld ausgeben, für Tickets, die sie vielleicht gar nicht nutzen können.

44, die Mit-Initiatorin der Initiative „Refugees Welcome – Flensburg“ und seit September am Bahnhof Flensburg ehrenamtlich im Einsatz. Sie arbeitet als Kommunikationsreferentin beim dänischen Schulverein.

Weil Kontrollen in Dänemark drohen?

Dänemark kann Leute, die formal gesehen illegal ins Land reisen, kontrollieren, registrieren und sie vor die Wahl stellen, ob sie Asyl in Dänemark beantragen wollen, oder sie zurück nach Deutschland geschickt werden.

Es gab vorher keine Kontrollen?

Es gab schon Kontrollen, doch wenn die Leute gesagt haben, dass sie nach Schweden weiterreisen, hat man sie passieren lassen. Nur in Einzelfällen wurden mal Leute herausgegriffen und zurückgestellt. Das waren aus unserer Sicht der Form nach normale Maßnahmen im Sinne der Terrorismusbekämpfung. Dass jetzt aber nicht einmal Verdacht-basiert ein kompletter Bus aufgehalten wird, das ist eine ganz andere Situation.

Wann ist das passiert?

Mittwoch wurde ein ganzer Bus kontrolliert und zwangsregistriert, am Donnerstag nochmal ein Zug.

Sie wollen die Leute nicht ins offene Messer laufen lassen?

Genau. Es gibt politische Gründe, auf Maßnahmen zu setzen, die einen abschreckenden Effekt haben. Das ist zumindest unser Gefühl. Das trifft aber Menschen, die in einer Notsituation sind, völlig zufällig und es wird mit ihrem Schicksal gespielt.

Bleiben die Leute jetzt eher in Flensburg?

Nein. Die Leute haben ja ein klares Ziel. Wir versuchen nur transparent und ehrlich zu sein, zu erklären, wie die Situation ist, so dass sie sich selber entscheiden können. Die meisten entscheiden sich dann aber doch für die Durchreise.

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