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Filmreihe mit Tiefgang„Humor ist eine Form der politischen Reflexion“

Die jüdischen Filmtage Hamburg feiern das Koexistenz-Kino: Das hilft, Vorurteile abzubauen, ist sich Elisabeth Friedler sicher.

Die Geschichte des Films „Bella“ kreist um eine Taube. Er zeigt, wie Koexistenz-Kino politische Themen mit Humor verhandeln kann Foto: Colin Levêque

Interview von

Dagmar Leischow

taz: Frau Friedler, 2025 wurden bei den Jüdischen Filmtagen Hamburg Filme über Antisemitismus, Rechtsextremismus und Raubkunst gezeigt. Wie politisch ist das Programm in diesem Jahr?

Elisabeth Friedler: Es ist nicht unser vorrangiges Ziel, politisch zu sein. All unsere Filme im Programm greifen Themen auf, die unsere Gesellschaft beschäftigen, etwa Antisemitismus, Shoah oder Identitätssuche. Somit sind sie zwangsläufig politisch. Wir haben keine starre Themenvorgabe. Bei der Auswahl der Filme schauen wir auf Qualität, und dass die Filme noch nicht in Hamburger Kinos gezeigt wurden. Auch dieses Jahr sind die Filme gesellschaftspolitisch oder haben einen politisch-historischen Background.

taz: Zum Beispiel?

Bild: Sina Maciejewski/dpa
Im Interview:  ​ Elisabeth Friedler​

Jahrgang 1969, hat Soziologie- und Pädagogik in Mainz studiert, ist seit 2022 Kulturreferentin der Jüdischen Gemeinde. Die Jüdischen Filmtage hat sie bereits 2021 ins Leben gerufen.

Elisabeth Friedler: „La Cache“ spielt während der Stu­den­t:in­nen­pro­tes­te 1968 in Paris, die scheinbar im Zentrum des Films stehen. Gleichzeitig ist die Shoah in dieser berührenden Familiengeschichte stets präsent.

taz: In „Bella“ begeben sich die Prot­ago­nis­t:in­nen auf einen Roadtrip zwischen Israel und dem Westjordanland. Inwiefern wird dabei der Konflikt im Westjordanland aufgegriffen?

Elisabeth Friedler: Dieser Film ist allein deshalb interessant, weil ihn der israelische Regisseur Zohar Shachar und der palästinensische Regisseur Jamal Khalaily gemeinsam gemacht haben. Er erzählt eine skurrile Geschichte, die um eine Taube namens Bella kreist. Sie ist sicher ein Symbol für viele Dinge. Auf jeden Fall repräsentiert dieser Film das neue Koexistenz-Kino. Das heißt, man taucht in Alltagssituationen ein, die einem ein politisches Umfeld näherbringen. Aber vordergründig geht es natürlich auch um Freundschaft trotz politischer Grenzen, um Identität, um Zugehörigkeit und um bürokratisch-gesellschaftliche Absurditäten.

Oft werden alle Jüdinnen und Juden in einen Topf geworfen, dabei gibt es so eine Vielfalt, die wir zeigen wollen

taz: Wie werden solche Sujets dargestellt?

Elisabeth Friedler: „Bella“ arbeitet den politischen Aspekt nicht mit Gewaltbildern oder Tragik heraus, sondern mit Humor und Menschlichkeit. Durch Humor werden gesellschaftlich Widersprüche sichtbar gemacht, nicht verharmlost. Er ist eine Form der politischen Reflexion. Darum ist dieser Film zwar eine Komödie, aber eben mit tiefgründigem Hintergrund.

taz: Würden Sie bei den Jüdischen Filmtagen Hamburg auch eine Dokumentation zeigen, die sich mit der Westjordanland-Problematik auseinandersetzt?

Die Veranstaltungsreihe

Die Jüdischen Filmtage Hamburg finden vom 7. bis 11. Juni im Abaton, Zeise und Metropolis statt.

Elisabeth Friedler: Wir sind für alle Themen offen. Wenn es eine Dokumentation gäbe, die die Situation objektiv darstellen würde, würde sie unser fünfköpfiges Gremium sichten und dann in den Diskurs gehen. Ein Vorgang, den jeder Film bei uns durchläuft, egal ob Doku, Komödie oder Spielfilm.

taz: Jüdinnen und Juden werden in Deutschland wieder vermehrt angefeindet. Welchen Beitrag können die Jüdischen Filmtage Hamburg im Kampf gegen Antisemitismus leisten?

Elisabeth Friedler: Wir nehmen nicht für uns in Anspruch, Antisemitismus bekämpfen zu können. Das ist auch gar nicht die Aufgabe der Jüdischen Gemeinde. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Jüdischen Filmtage Hamburg beitragen, Klischees und Vorurteile abzubauen. Wenn man sich auf der Leinwand mit den Figuren identifiziert, ruft das Emotionen hervor. Auf diese Weise kann man eine Brücke schlagen und Menschen erreichen.

taz: Wie wichtig ist das Kino als Ort des Dialogs?

Elisabeth Friedler: Total wichtig. Die Wirkungsweise von Filmen ist das gemeinsame Erleben, ein gefühltes Erfahren und Mit-Erleben. Das ist die Voraussetzung für Verständigung, darum ist Kino ein idealer Ort zum kulturellen Austausch und Dialog. Oft werden alle Jüdinnen und Juden in einen Topf geworfen, dabei gibt es so eine Vielfalt, die wir zeigen wollen. Mal zeigen wir orthodox-jüdische Gesellschaften, mal die jüdisch-queere Gemeinschaft. Tatsächlich sind wir alle verschieden.

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