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„Fight by Night“-DemoFriedlich und kämpferisch

1.800 Flinta* ziehen bei der Abenddemo zum 8. März durch Kreuzberg. Die Demo wird nicht von palästinasolidarischen Gruppen vereinnahmt.

„Flinta*, die kämpfen, sind Flinta* die leben!“, skandieren die De­mons­tran­t*in­nen Foto: Annette Riedl/dpa
Lilly Schröder

Aus Berlin

Lilly Schröder

Eingepackt in „Männer Lol“-Schals, Sturmhauben und vereinzelt auch Kufiyas haben sich am Sonntagabend hunderte Menschen rund um den Neptunbrunnen am Mariannenplatz zur traditionell queerfeministischen Abenddemo „Fight by Night“ versammelt.

In Redebeiträgen geht es neben dem Equal Pay Day vor allem um die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks. „Fickt eure Zäune. Euer Rassismus hat mit unserer Sicherheit nichts zu tun!“, ruft eine Rednerin. Seit Jahren werde im Görli auf dem Rücken von Flinta* rassistische Politik gemacht, kritisiert sie. „Das ist unser Park, das sind unsere Straßen, das ist unser Tag und unsere Nacht!“

Die Beiträge sind aufgrund einer leisen Anlage kaum hörbar, stattdessen werden Sprechchöre angestimmt. „Der Görli bleibt auf!“, schallt es über den Mariannenplatz, und: „Heute ist kein Feiertag, heute ist Kampftag“. Die Demonstrierenden sind zunächst zurückhaltend, die Stimmung ist verhalten. Das ändert sich schlagartig, als der Demozug um kurz vor acht schnellen Schrittes in Richtung Görli loszieht. Laut Polizeiangaben sind es in der Spitze 1.800 Demonstrant*innen.

Aus den Fenstern applaudieren Anwohner*innen, von Fassaden hängen Transparente, etwa mit der Aufschrift „Power to the Sisters“. Als die Demonstrierenden in den Bethaniendamm einbiegen, schießen Vermummte Pyrotechnik aus dem Rauchhaus, dahinter erleuchtet Feuerwerk den Himmel.

Polizei und De­mons­tran­t*in­nen setzten auf Deeskalation

Angeführt wird die Demo von einem auffallend jungen Flinta*-only-Block, gefolgt von einem All-Gender-Block. De­mons­tran­t*in­nen und Polizei setzen auf Deeskalation. Beamte laufen vor dem Zug und an den Seiten entspannt im Spalier – ohne Helme und mit dem Rücken zur Demo nach vorn gerichtet.

Palästina-Sprechchöre bleiben überwiegend aus, es ist auch nur die übliche Zahl an Kufiyas zu sehen, wie man sie von linken Demos kennt. Als der Demozug in den Wrangelkiez einbiegt, versuchen zwei Demonstrierende von der Seite, den schwarzen Block zu „Free, Free Palestine“-Rufen zu bewegen, doch nur zögerlich stimmen einige ein. „Sowas singt ihr nicht, richtig?“, sagt eine von ihnen entnervt.

Im gesamten Demozug der „anti-imperialistischen Organisation“, bei der „No Zios“ erwünscht sind, ist keine Palästina-Flagge zu sehen. Vereinzelt sind dennoch „Viva, viva Palästina“-Rufe zu hören, allerdings selten und leise. Ein möglicher Grund: Flinta*-Gruppen mit starkem Palästina-Fokus könnten andere Demos besucht haben – etwa „Rise in Rage. Build in Struggle“ am Kottbusser Tor am Nachmittag, zu der Gruppen wie „Anarchists4Palestine“ und „Alliance of International Feminists“ aufgerufen hatten, und an der auch BDS Berlin beteiligt war. Zeitgleich fand am Gesundbrunnen eine weitere propalästinensische Demo statt, zu der unter anderem die Gruppe „Young Struggle“ mobilisiert hatte – sie hatte den Hamas-Angriff auf Israel zuvor als „Gefängnisausbruch“ und „Widerstand“ bezeichnet.

Demo verläuft friedlich

Als die Demo in den Görlitzer Park einbiegt, nimmt die Polizeipräsenz zu. „Bullenschweine raus aus dem Görli“, skandieren die Demonstrierenden, während sie unter dem Sternenhimmel durch den Park ziehen. Die Beamten haben inzwischen Helme aufgesetzt und begleiten die Demo dicht. Auf dem Rondell haben sich Polizei-Gruppen auf den Hügeln postiert.

Die Demo verläuft bis zum Schluss friedlich. Gegen halb neun erreicht sie ihr Ziel, den Lausitzer Platz. Es gibt Feuerwerk, in kleinen Grüppchen sitzen noch Demonstrierende auf dem Platz.

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