Feuerwerk, Tiere und veganes Leben: Keine Böller sind auch eine Lösung

Raketen zu Silvester machen schönes buntes Licht. Aber Tiere, ob domestiziert oder wild, versetzt es in Angst und Schrecken. Schöner ist's doch ohne.

Ein Chihuahua vor einem blauen Hintergrund

Laute Geräusche können ein Knalltrauma auslösen und das Innenohr schädigen Foto: Cynthia Valdez/imago

Mit Feuerwerk verbinde ich einige meiner schönsten Kindheitserinnerungen. Die Farbexplosionen am Himmel waren für mich Symbol für Freude und eine Feier des Lebens. Dieses Jahr wird Silvester in Deutschland ein eher stilles Ereignis sein. Aufgrund von Corona dürfen Böller, Fontänen und Raketen zum zweiten Mal nicht zum privaten Gebrauch verkauft werden, um Menschenansammlungen zu vermeiden und die Krankenhäuser nicht noch weiter zu belasten.

Persönlich finde ich informierte Entscheidungen besser als Verbote. Was Feuerwerk betrifft, so kaufe ich dieses allerdings schon seit vielen Jahren nicht mehr – mit meiner veganen, aufs Wohl von allen Lebewesen ausgerichteten Lebensweise ist es nämlich kaum vereinbar. Gleich mehrere Dinge haben mir den Spaß daran genommen.

Den meisten von uns ist bewusst, dass Feuerwerk Haustiere in Angst versetzt. Doch wenige wissen, wie stark empfindlich Hundeohren sind, dass die lauten Geräusche ein Knalltrauma auslösen und das Innenohr schädigen können. Haustiere sind teils so verschreckt, dass sie an Zimmertüren kratzen, bis ihre Pfoten bluten, oder gar von zu Hause ausreißen. Im besten Fall kommen die Tiere schnell zu ihren Menschen zurück oder werden in einem Tierheim aufgenommen, wo sie später mit ihren Besitzern wiedervereinigt werden können. Im schlimmsten Fall werden sie von Autos angefahren und/oder finden nicht zurück.

Auch wildlebende Tiere leiden unter Feuerwerk: Das laute Knallen in der Nacht verursacht Panikattacken bei Vögeln, manche verletzen sich, andere fliegen vor Schreck bis zu 1.000 Meter hoch und verbrauchen wichtige Winter-Energiereserven. Wildtiere und Fische können sterben, wenn sie Feuerwerksabfall fressen. Überhaupt sind in Feuerwerk enthaltene Substanzen wie Perchlorat und Schwermetalle wie Barium und Blei schädlich für die Umwelt und auch die menschliche Gesundheit. Im Wasser dauert es bis zu 80 Tage, bis diese Giftstoffe abgebaut sind. Und in der Luft setzt Feuerwerk jede Menge Feinstaub frei – und kleinste Metallpartikel, die bis tief in die Lungen vordringen können.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Wem Tiere und Umwelt schnurz sind, dem sind Menschen am anderen Ende der Welt vielleicht auch egal. Aber viele wissen auch gar nicht um die katastrophalen Arbeitsbedingungen, unter denen Feuerwerk, das auch in Deutschland verkauft wird, zum Beispiel in Indien, China, Guatemala, den Philippinen oder Mexiko hergestellt wird – teils auch durch Kinderarbeit. Verletzungen oder gar der Tod durch Explosionen und das Verarbeiten von giftigen Substanzen sind in vielen Produktionsstätten leider „normal“.

Weil es mir mehr Freude macht, meinen Teil zum Tier-, Umwelt- und Menschenwohl beizutragen, ist ein Silvester ohne Feuerwerk für mich daher kein Verzichten – sondern die wahre Feier des Lebens. In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesunden und frohen Jahreswechsel!

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de