Falsche Impfquote : Marodes Meldewesen
Niemand sollte sich von einer augenscheinlich hohen Impfquote täuschen lassen. Für genaue Zahlen täte ein verbessertes Meldewesen not.
Foto: John Macdougall/dpa
D ie Aufregung ist groß: Wer kann noch den Inzidenzen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) täglich veröffentlicht, glauben, wenn es bei der Impfquote aus dem gleichen Haus so eklatante Abweichungen zur Wirklichkeit geben soll? Eine Umfrage legt nahe, dass die tatsächliche Impfquote bis zu 20 Prozentpunkte über den Meldedaten liegt. 79 Prozent mindestens einmal Geimpfte soll es schon im Juni bei den 18- bis 59-Jährigen gegeben haben!
Doch allen, die sich schon einer Herdenimmunität erfreuen, sei ein „Gemach“ zugerufen. Die Diskrepanz zwischen offizieller Impfquote und Wirklichkeit dürfte weit geringer sein, und das lässt sich auch gut erklären. So lag die Impfbereitschaft bei den – ebenfalls im Auftrag des RKI – befragten 1.005 Erwachsenen bei unglaublichen 91,6 Prozent. Pardon, aber das kann nur ein Hinweis dafür sein, dass es hier schon bei der Auswahl der Befragten eine Verzerrung gab – wie auch das RKI selbst einräumt.
Wenn überproportional viele Impfwillige berücksichtigt werden, liegt logischerweise auch die Impfquote höher. Die Impfquote aus der Befragung ist also überschätzt, aber um 20 Prozentpunkte liegt sie gewiss nicht daneben. Tatsächlich dürften wiederum – und auch das bestätigt das RKI – die Meldedaten zu niedrig sein. Hier setzt sich eine Problematik fort, die wir schon von zeitweise abweichenden Inzidenzwerten und ungenauen Daten zur Belegung der Intensivbetten kennen.
Denn auch die Impfquote speist sich aus mehreren dezentralen Meldesystemen, sie ist abhängig von der Meldeverlässlichkeit einzelner Personen. Das war natürlich schon vor der Pandemie so, nur fiel es da nicht so auf. Noch nie haben so viele Menschen auf Zahlen gestarrt. Wenn also die Debatte über die ungenaue Impfquote für etwas gut ist, dann gewiss nicht zum Füßehochlegen – sind eh genug geimpft.
Wir brauchen für die Bestimmung der tatsächlichen Impfquote auch keine weitere Umfrage. Was wir brauchen, man kann es nur wiederholen, ist eine deutliche Verbesserung des Meldewesens im Gesundheitssystem. Das sollte eine der zentralen Lehren der Pandemie sein.
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