Facebook will Datenschutz verbessern

Vertraue mir!

Facebook möchte Nutzerdaten künftig besser schützen. Wenn das Unternehmen etwas verspricht, passiert am Ende allerdings meist das Gegenteil.

Sheryl Sandberg vor einem violetten Vorhang bei einer Präsentation

Sheryl Sandberg unterstützt die 3.000-Wörter-Vision ihres Kollegen Zuckerberg Foto: reuters

Würde Facebook – größtes Online-Netzwerk der Welt, über zwei Milliarden aktive Nutzer:innen, Mutterkonzern von WhatsApp und Instagram –, würde dieses Facebook also im nächsten Leben als rhetorische Figur wiedergeboren, es wäre ein Oxymoron. Schwarzer Schimmel, stummer Schrei, offenes Geheimnis – das ist die Liga.

Und wie es sich für Facebook als Unternehmen der Superlative gehört, spielt es natürlich auch in der Oxymoron-Liga ganz vorne. Der neueste Move: die Ankündigung, Daten von Nutzer:innen künftig schützen zu wollen. Quasi das – Achtung Oxymoron – privatsphärefreundliche Facebook.

„Wir haben hart daran gearbeitet, Datenschutz in all unsere Produkte einzubauen“, heißt es in dem Post des Facebook-Gründers, den Geschäftsführerin Sheryl Sandberg teilte und der, wie es Facebooks Art ist, gleich den ganz großen Wurf markieren soll: „Unsere Vision und Prinzipien, um eine privatsphärezentrierte Plattform für Messaging und Netzwerk aufzubauen.“

Die Vision besteht dann aus mehr als 3.000 Wörtern, die gewohnt viel „Wir haben verstanden“ und erstaunlich wenig „Das werden wir jetzt tun“ vermitteln. Aber keine Angst – zum privatsphärefreundlichen Facebook wird es wohl kaum kommen. Das Unternehmen ist einfach nur ein Meister darin, auf den ersten Blick genau zu versprechen, was Nutzer:innen, Politik oder Aufsichtsbehörden wollen – und dann am Ende doch zu machen, was dem Konzern selbst nützt.

Metadaten längst viel interessanter

Zum Beispiel WhatsApp. Als Facebook vor fünf Jahren den Messaging-Dienst übernahm, versprach es: Daten von WhatsApp-Nutzer:innen landen nicht bei Facebook. Zwei Jahre später war das Versprechen gebrochen. Oder die 2-Faktor-Authentifizierung. Soll vordergründig den Zugang zum Account weniger angreifbar machen, da Nutzer:innen Codes per SMS bekommen, wenn sie sich von einem unbekannten Gerät einloggen oder jemand anders das versucht. Praktisch für Facebook: Das Unternehmen bekommt die Telefonnummern. Und nutzt die auch für Werbezwecke.

Am 8. März veröffentlichen wir auf taz.de nur Beiträge von Frauen* und nicht-binären Menschen, und auch nur diese kommen darin vor: als Expert*innen, als Protagonist*innen, auf den Fotos. Trotzdem beschäftigen wir uns nicht primär mit dem, was im allgemeinen Sprachgebrauch gern als „Frauenthemen“ bezeichnet wird – sondern mit dem Tagesgeschehen.

Fällt also bei dem, was Facebook nützt, etwas ab, was den Nutzer:innen mehr Nähe, Sicherheit oder Privatsphäre gibt oder suggeriert, ist das in Ordnung, aber nicht das primäre Ziel. Unter dieser Prämisse muss man auch die Ankündigung aus dem Blog-Post, die Kommunikation von Nutzer:innen Ende zu Ende verschlüsseln zu wollen, betrachten – übrigens eine der wenigen einigermaßen konkreten Maßnahmen, die darin auftauchen.

Bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hätte Face­book zwar keinen Zugriff auf die Inhalte. Macht aber nichts: Denn für das Unternehmen sind Metadaten – also wer mit wem von wo wie oft und wie lange kommuniziert – längst viel interessanter. Die lassen sich einfacher automatisiert auswerten und so werberelevante Informationen gewinnen.

Nicht mehr als schön klingende Gedanken

So ist es nur konsequent, dass es in dem Post heißt, Nutzer:innen dürften „niemals Zweifel haben, mit wem sie gerade kommunizieren“. Nun, die meisten Nutzer:innen werden, was ihren Freundeskreis angeht, ganz gut wissen, mit wem sie es zu tun haben, selbst wenn die Gegenüber unter Pseudonym auftritt. Und bei Fremden hilft meist auch der reine Name nicht weiter.

Wer allerdings davon profitiert, wenn alle unter ihrem Klarnamen auf Facebook unterwegs sind: das Unternehmen selbst. Denn persönliche Daten sind natürlich in Kombination mit dem Namen viel mehr wert. Und mit Pseudonymen wird es auch auf WhatsApp und Instagram ganz schnell vorbei sein, wenn das Unternehmen die angekündigte komplette Verzahnung der Dienste erst einmal umgesetzt hat.

Es sieht also gerade nicht nach mehr, sondern nach weniger Datenschutz aus. „Als Gesellschaft haben wir die Möglichkeit, zu entscheiden (…), wie stark wir private Kommunikation wertschätzen“, heißt es gegen Ende des Posts. Es ist einer dieser schön klingenden Gedanken, denen sich nicht widersprechen lässt. Die aber leider komplett folgenlos bleiben werden.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben