„Extra 3“-Lied über „Bild“-Zeitung: Beleidigung der Ästhetik

Das Lied gegen die „Bild“ gibt sich aufgeklärt und kritisch. Doch es spielt mit platten Klischees. Wer mag es hier „gern stumpf“?

Das Seenotrettungsschiff Alan Kurdi

Hasskommentare gegen Geflüchtete auf der „Alan Kurdi“ – für die „Bild“-Zeitung nicht hinnehmbar Foto: Mark Zammit Cordina

Die NDR-Satire-Sendung „Extra 3“ hat ein Lied veröffentlicht, das dazu aufruft, die Bild-Zeitung nicht mehr zu lesen. „Jetzt ist hier Hetz-Bube wieder Trumpf / und der Bild-Krawallchef Reichelt mags gern stumpf“, holpert es über die Melodie von „Help“ von den Beatles. Im zugehörigen Video wird die Bild auf der Toilette gelesen. Falls das Lied eine Beleidigung sein soll, trifft sie vor allem humoristische und ästhetische Normen. Doch wenn es gegen das Boulevardblatt geht, zeigt das bescheidwissende Pub­likum seine besonders niedrigen Schenkelklopfer-Ansprüche.

Mit über einer Million Aufrufe in den ersten 24 Stunden ist das Video ein Erfolg für „Extra 3“. Jeder hat sein Sommerloch zu stopfen und Kritik an Publikationen des Springer-Verlags zieht immer. Aber muss sie wirklich so unkreativ, peinlich, platt und ja, stumpf daherkommen?

Zumal die Bild-Zeitung aktuell gar nichts verbrochen hat. Im Gegenteil. Der Reporter Til Biermann berichtet seit mehr als zwei Wochen vom Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi“. Unter einem Livestream-Video, den Bild auf Facebook übertrug, häuften sich menschenverachtende, rassistische Kommentare. Mit Klarnamen forderten Kommentator*innen etwa, das Schiff zu versenken oder das „Drecksvolk“ im Wasser zu lassen.

Nach zehn Minuten Berichterstattung vom Bord des Schiffes zählte die Bild-Redaktion bereits über 1.000 solcher Hasskommentare. „Warum tut Facebook nicht endlich was gegen den Hass?“, fragt Bild im Anschluss. Im ­Begleit­tweet zum „Extra 3“-Lied verweisen die Satiriker darauf: „Die Bild-Zeitung fragt seit T­agen, was man gegen Hetze tun kann. Wir hätten da eine Idee.“ Dazu der Hashtag #BildLöschen.

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Dass auch Bild sich der Frage annimmt, über die seit Jahren von Justizministerium und zivilgesellschaftlichen Organisationen wie der Amadeu-Antonio-Stiftung beraten wird, ist kein redlicher Anlass für Kritik. Auch dann nicht, wenn man es dreht, wie das Satire-Portal Postillon: Zeitung, die regelmäßig gegen Flüchtlinge hetzt, verwundert über Hass auf Flüchtlinge.“

Es mag richtig sein, dass bestimmte Zeilen der Bild den rassistischen Hass eher befeuern als eindämmen. Es besteht auch kein Zweifel daran, dass nicht jede Überschrift im Blatt den universellen Menschenrechten zuträglich ist. Dennoch: Wenn die Bild anständig und aufrichtig die Hetze gegen Geflüchtete verurteilt, ist das nicht der richtige Aufhänger für Springer-Bashing. Vor allem nicht für eines, das sich aufgeklärt und kritisch gibt, aber auf plumpe und billige Effekte setzt.

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Alexander Nabert war Medienredakteur der taz. 2018 und 2019 recherchierte er im Rechercheressort zu "Hannibals Schattennetzwerk": taz.de/hannibal.

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