Extinction Rebellion in London

Drei Tage Stillstand – fast

Festnahmen und Zufahrtsblockaden in London: An Tag vier der Protestwochen besetzen Klimaaktivist*innen auch einen Flughafen nahe der Innenstadt.

Der London City Airport. Am Flughafen stehen vielePolizeibeamte.

Polizeiaufgebot am Londoner City Airport Foto: Daniel Zylbersztajn

LONDON taz | „Polizei, wir tun das für eure Kinder“, singen etwa zwanzig Personen, die sich am Donnerstag auf die Zufahrtsstraße unmittelbar vor dem Londoner City Flughafen gesetzt haben. Sie sind Mitglieder von Extinction Rebellion, die weltweit zu zwei Wochen Klimastreik aufgerufen haben. Einer nach dem anderen wird geduldig von jeweils zwei Beamten weggetragen. Auch Rosie Gillham, 35, Ingenieurin nachhaltiger Technik aus Westwales.

„Trotz meines Jobs ist mir klar geworden, dass was wir tun, nicht ausreicht“, sagt Gillham. „Das Klimaproblem ist ein systematisches, und es muss von oben geändert werden“, glaubt sie. Dutzende Aktivist*innen haben am Donnerstag versucht, die Ankündigung von Extinction Rebellion in die Tat umzusetzen: Drei Tage lang will Extinction Rebellion den Flughafen lahm legen. Etwa doppelt so viele Polizist*innen wie Aktivist*innen sind vor Ort. Bislang wurde der Flugverkehr nicht gestört, alle Passagiere konnten ihre Flüge wahrnehmen. Sie müssen aber von der S-Bahn-Station einen Umweg zum Flughafen machen.

„Der London City Airport beabsichtigt, seine Flüge inmitten dieser dicht bebauten Gegend zu verdoppeln“, sagte Extinction Rebellion-Sprecher Rupert Read. „Das verursacht extra Lärmbelastung und Umweltverschmutzung.“ Schuld daran sei vor allem das überproportionale Flugverhalten von Finanzleuten, Geschäftsleuten und der Elite.

Der Londoner City Airport ist einer der kleineren Londoner Flughäfen, der vor allem der Londoner Finanzwelt in den Docklands und dem Finanzviertel dient. Mit seinen Verbindungen nach Frankfurt, Dublin und Amsterdam ist er Umweltschützer*Innen schon lange ein Dorn im Auge. Der Flughafen liegt direkt neben Wohngegenden, das Starten und Landen ist nur direkt über der Millionenstadt möglich. Vor drei Jahren verpasste der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan dem Flughafen eine kräftige Finanzspritze und ignorierte die Beschwerden.

Über 800 Personen wurden festgenommen

Bishal Chauhan ist Arzt und hat Kittel und Stereoskop zur Demonstration mitgebracht, um auf seinen Job hinzuweisen. Nachdem auch er von Polizeibeamten weggeschleppt wurde, erzählt er, dass er seine Arbeit pausiert, da „der präventive Einsatz gegen den Klimawandel das wichtigste sei, um katastrophale Konsequenzen für Menschen zu verhindern.“ Wichtiger als sein Einsatz zur Versorgung von Knochenbrüchen und Diabetes.

„In London sterben täglich 26 Menschen aufgrund von Komplikationen, die von der Luftverschmutzung verursacht werden“, sagt er. „Laut der Weltgesundheitsorganisation sind sieben Millionen Menschen von den Klimaveränderungen gesundheitlich betroffen. Unsere Politiker versagen in ihrer Pflicht.“

Donnerstag ist der vierte Tag des Protests der Extinction Rebellion in London. Der Vorsatz der Gruppe, einige der Londoner Brücken zu sperren, ist mehr oder weniger gescheitert, nachdem die Polizei diesmal besonders schwer gegen die Aktionen der Gruppe vorgingen. Über 800 Personen wurden festgenommen, manche bereits im Voraus. Auch auf dem zentralen Trafalgar Square fanden am Donnerstag Proteste statt.

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