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Eurovision Song ContestDarf der Storch für die Ukraine singen?

Die ukrainische Musikerin Viktoria Leléka lebt seit Jahren in Deutschland und soll ihr Herkunftsland beim ESC vertreten. Das löst Diskussionen aus.

Viktoria Leléka alias Leléka will für die Ukraine zum ESC in Wien Foto: Dovile Sermokas

„Für die Ukraine wird eine Sängerin zum Symbol der Hoffnung, die im Ausland lebt“ ist ein Kommentar auf dem ukrainischen Webportal focus.ua übertitelt. Gemeint ist Viktoria Korniikowa, bekannt als Viktoria Leléka oder einfach Leléka, was auf Deutsch „Storch“ bedeutet.

Am vergangenen Samstag räumte die Musikerin mit ihrer gleichnamigen Band in der Endrunde des nationalen Vorentscheids für den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) ab: Höchstnoten von Jury und Publikum. Beim Finale im Mai in Wien wird sie ihr Land mit dem Song „Ridnym“ (dt.: „heimisch“) vertreten. Doch kann jemand, der die Ukraine vor Jahren verlassen hat, das Land wirklich repräsentieren?

Leléka, 36 Jahre alt, stammt aus Perschotrawensk im Gebiet Dnipropetrowsk. Laut ukrainischer Medien zog sie 2014 nach Deutschland, wo sie in Dresden an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber ihren Bachelor machte. Später tat sie sich mit drei Künstlern zusammen und gründete in Berlin die Gruppe Leléka.

Das Quartett beschreibt sich als Folk-Jazz-Gruppe, die sich musikalische Freiheiten nimmt und gerne improvisiert. Die Band hat mehrere Alben und Singles veröffentlicht und wurde 2022 für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Gruppe des Jahres“ nominiert. Ihre Texte sind überwiegend auf Ukrainisch, aber auch auf Englisch und Deutsch.

Keine politischen Aussagen

Im Song „Ridnym“ wechseln sich Deutsch und Englisch ab. Eine Strophe lautet: „Wenn wir uns unseren Ängsten stellen/ und all unsere Sorgen in Freude verwandeln/ weiß ich, dass die Wurzeln noch immer Wasser tragen/ wenn all die Samen, die wir gesät haben/ blühen und uns nach Hause führen/ werden wir sehen/ wie die Bäume noch höher wachsen.“

Be­ob­ach­te­r*in­nen weisen darauf hin, dass der Text keine Formulierungen enthalte, die als politische Aussagen interpretiert werden könnten – ein Streitpunkt, der schon in der Vergangenheit beim Eurovision Song Contest zu Verwerfungen führte. Die Deutsche Welle zitiert Leléka mit den Worten, dass die Grundlage für den Text von „Ridnym“ ihre Gefühle zu Beginn der vollumfänglichen Invasion Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 und die damit verbundenen Demonstrationen in Berlin gewesen seien. „Auch wenn wir eine gewisse Realität verloren haben, die wir als Ukrainer nie wiedererlangen werden, so glaube ich, dass wir nicht nur den Feind besiegen, sondern auch das Land wieder aufbauen werden – es wird ein besseres Land sein – eines, in dem jeder leben möchte.“

„Die Störche kehren heim“

Besagter Kommentator auf focus.ua weist darauf hin, dass Leléka trotz ihres Lebens im Ausland eng mit der Ukraine verbunden blieb, was eindeutig für sie und ihre Teilnahme am bevorstehenden Gesangswettbewerb spreche. Ständig unterstütze sie die ukrainischen Soldaten an der Front, spreche über die Ukraine, mache auch weiterhin ukrainische Musik und behaupte, in die Ukraine zurückgehen zu wollen.

„Die Störche kehren heim, und allein diese Erkenntnis hebt meine Stimmung. Doch Störche sind von Natur aus so veranlagt, dass sie wahrscheinlich nie wiederkommen, wenn zu viele von ihnen auf dem Weg sterben oder ihre Nester nicht finden“, heißt es auf focus.ua.

Ob die Sängerin auch auf der Suche nach ihrem Nest ist? Die Buch­ma­che­r*in­nen handeln Leléka in Wien für einen fünften Platz. Aber ist das wirklich so wichtig?

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