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Erwachsener Lego-Fan über sein Hobby„Es herrscht der Konsens, Gewaltverherrlichung zu vermeiden“

Michael Schmundt und seine Vereinskollegen bauen aufwendige Modelle aus Lego. Das ist mal Ausgleich zur Arbeit, mal Traumabewältigung, sagt er.

Interview von

Wilfried Hippen

taz: Herr Schmundt, Sie richten mit Ihrem Verein das „Steinefestival“ in Kiel aus. Sie werden für Ihre Modelle nicht bezahlt, sondern geben sogar Geld für die Steine aus. Warum machen Sie das?

Michael Schmundt: Wir sind ausschließlich Privatpersonen. Niemand bei uns verdient damit etwas. Wir machen das als Hobby und die meisten von uns als Ausgleich zu ihrem Beruf. Wir bauen selbst entworfene Modelle, die MOCs genannt werden, was für „My Own Creation“ steht. Beim Bauen können wir so unserer Kreativität Ausdruck verleihen. So wie andere zeichnen, malen oder töpfern, erschaffen wir unsere Welten aus Lego-Steinen und lassen unseren Fantasien dabei freien Lauf. Jeder kann dabei seinen Bereich im Lego-Universum so ausfüllen, wie er das möchte. Ich persönlich habe mich auf die kleinen Städte mit Häusern, Straßen, Autos und den bekannten Minifiguren spezialisiert.

taz: Die Lego-Urerfahrung ist ja auch für die meisten Menschen das Häuslebauen im Kinderzimmer.

Im Interview: Michael Schmundt

geboren 1976, arbeitet als Notfallsanitäter. Seit 2017 ist er im Lego-Fan-Verein „Stein Hanse e.V.“ engagiert, seit 2021 als Spartenleiter der „Baltic Hanse Bricks“.

Schmundt: Genau, so hat es in den 1950er Jahren ja auch angefangen. Und dann hat es sich immer weiterentwickelt. Der ursprüngliche Maßstab war damals 1:87, aber dann wurde alles etwas größer. Seit 1978 gibt es zum Beispiel die Minifigur.

taz: Welche Dimensionen haben die von Ihnen gebastelten Werke?

Schmundt: Für die Ausstellung in Kiel haben wir, in Anlehnung an die Kieler Woche, die ja bald beginnt, ein kleines Segelschiff aus nur neun Teilen kreiert. Aber wir präsentieren dort auch zum Beispiel eine Modellstadt auf einer Grundfläche von 43 Quadratmetern mit Häusern von über zwei Metern Höhe, einer fahrenden Eisenbahn und vielen interessanten Details. Es gibt aber auch MOCs mit über einer Million Bausteinen.

taz: Kommt man denn, wenn man dies zu Ende denkt, nicht schließlich zu dem Maßstab 1:1?

Das Festival

Beim "Steinefestival" zeigen 45 Aussteller*innen ihre Lego-Werke. Ausstellung vom 15. Juni bis zum 1. August 2026, im CITTI-PARK Kiel. Aktionstag am 1.8.2026 von 13 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei

Schmundt: Das stimmt! In Großbritannien hat ein Fan ein Haus in Originalgröße aus Lego-Steinen gebaut.

Es gibt zwar keine Zensur, aber bei Lego herrscht der Konsens, kindertauglich zu sein und Gewaltverherrlichung sowie Kriegsspielzeuge zu vermeiden

taz: War das bewohnbar?

Schmundt: Ja, aber sehr unbequem, denn auch die Stühle und Matratzen waren aus Lego-Steinen. Im letzten Jahr gab es eine Ausstellung von uns in Lübeck, dort gab es einen nachgebauten Audi in Originalgröße. Das war eine Auftragsarbeit einer Firma, die das professionell macht. So etwas ist eine kostspielige Sache. Da kostet dann das Auto aus Lego schon mal genau so viel wie das Original.

taz: Sie gehören ja zu einer weltweiten Bewegung von Bastlern mit sogenannten Klemmbausteinen.

Schmundt: Ja, solche Vereine, die „LEGO User Groups“ genannt werden, gibt es weltweit. Im September findet jedes Jahr ein großes Fantreffen in Dänemark, dem Mutterland des Lego-Universums statt. Und da kommen dann Lego-Fans aus der ganzen Welt – aus Europa, Südamerika, Japan, Kanada usw.

taz: Können Sie bauen, was Sie wollen, oder hat Lego da ein Auge drauf?

Schmundt: Es gibt zwar keine Zensur, aber bei Lego herrscht der Konsens, kindertauglich zu sein und Gewaltverherrlichung sowie Kriegsspielzeuge zu vermeiden.

taz: Aber „Star Wars“ ist doch ein sehr lukratives Lizenzthema von Lego, und da dreht sich alles um den „Krieg der Sterne“.

Schmundt: Ja, im Star-Wars-Universum von Lego gibt es natürlich die Laserschwerter, Waffen und sogar Panzer. Aber das ist ja Fiktion. Und auch bei uns kann ein Polizist in einer Lego-Stadt eine Pistole und Handschellen haben. Aber ansonsten sind die Modelle auf unseren Ausstellungen eher gewaltlos.

taz: Gibt es Grenzfälle?

Schmundt: Bei uns gab es zum Beispiel bei einer Ausstellung in Kaltenkirchen ein MOC zum G20-Gipfel in Hamburg – mit Wasserwerfern, Polizisten und Demonstranten. Aber das war eine Darstellung der Realität und keine Verherrlichung von Gewalt.

taz: Wer hat das denn gebaut?

Schmundt: Dies war ein Jugendlicher aus unserem Verein, der in Hamburg lebte und so verarbeiten konnte, was er da erleben musste.

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