Erdogan droht „Cumhuriyet“: Zweimal lebenslänglich plus 42 Jahre
Der türkische Präsident hat „Cumhuriyet“-Chefredakteur Dündar gedroht. Dieser erfährt nun die Solidarität von Prominenten und Intellektuellen.
dpa | Türkische Intellektuelle wie Orhan Pamuk haben dem von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bedrängten Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet ihre Solidarität ausgedrückt. Die Zeitung veröffentlichte Solidaritätsbekundungen von 30 Künstlern, darunter bekannte Schauspieler, Sänger und Autoren.
Pamuk schrieb, die Pressefreiheit sei ein unverzichtbarer Teil der Demokratie und dürfe der Aufregung und dem Ärger vor der Wahl nicht zum Opfer fallen. Die Türken wählen am 7. Juni ein neues Parlament.
Nach einem Bericht der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet über angebliche Waffenlieferungen an Extremisten in Syrien hatte Erdogan dem Chefredakteur Can Dündar offen gedroht. Der Journalist werde „einen hohen Preis dafür bezahlen“, sagte Erdogan im Staatssender TRT. Bei dem Bericht handele es sich um „Unterstellungen“ und um eine „Spionageaktion“.
Dündar antwortete auf Twitter mit Blick auf die Waffenlieferungen: „Derjenige, der dieses Verbrechen begangen hat, wird einen hohen Preis dafür bezahlen.“
Nachrichtensperre verhängt
Cumhuriyet hatte Aufnahmen veröffentlicht, die eine Waffenlieferung für Extremisten in Syrien aus der Türkei Anfang 2014 belegen sollen. Die Behörden hatten eine Nachrichtensperre über den Fall verhängt. Die türkische Staatsanwaltschaft leitete bereits Ermittlungen gegen Cumhuriyet wegen Terrorporpaganda und Spionage ein.
Nach Darstellung der türkischen Regierung handelte es sich bei der Lieferung um Hilfsgüter. Kritiker werfen der von der islamisch-konservativen AKP geführten Regierung vor, Waffen an syrische Extremisten zu liefern.
Inzwischen hat Erdogan nach Berichten der regierungsnahen Nachrichtenagentur Anadolu auch persönlich Strafanzeige gegen Dündar gestellt. Der Autor teilte auf Twitter mit, die Staatsanwaltschaft fordere zweimal lebenslänglich und 42 Jahre Haft.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert