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EnergiewendeGrößte Batterie der Welt entsteht in der Schweiz

Nahe der Grenzen zu Deutschland und Frankreich will ein Unternehmen einen enormen Stromspeicher bauen. Dafür hat es einen besonderen Standort gewählt.

Hier soll die Batterie gebaut werden: Blick auf das schweizerische Laufenburg Foto: Richard Wareham/imago

Freiburg taz | Es soll die weltweit größte Redox-Flow-Batterie werden: Im schweizerischen Laufenburg am Hochrhein, nahe dem Dreiländereck von Frankreich, Deutschland und der Schweiz, will das Technologieunternehmen Flexbase als Investor einen riesigen Stromspeicher bauen lassen. Er soll eine Kapazität von mindestens 1,2 Gigawattstunden bekommen, also 1,2 Millionen Kilowattstunden, und dem Netz bis zu 500 Megawatt für die Dauer von gut zwei Stunden zur Verfügung stellen können.

Geldgeber für das mehrere Milliarden Schweizer Franken teure Projekt seien ausschließlich kleine und mittlere Unternehmen oder Privatinvestoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, teilte Flexbase mit. Genauere Angaben machte der Investor nicht.

Der geplante Standort ist in der europäischen Stromwirtschaft ein besonderer, denn in Laufenburg wurden im Jahr 1958 die Stromnetze Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz erstmals auf der Hochspannungsebene zusammengeschaltet. Noch heute ist die kleine Stadt die Stromdrehscheibe Westeuropas und wird oft als „Herz des europäischen Verbunds“ bezeichnet.

In der Stromwirtschaft spricht man auch vom „Stern von Laufenburg“, denn dort kommen 41 Grenzleitungen zusammen. Damit sei der Standort europaweit einzigartig, sagt Marcel Aumer, Geschäftsführer von Flexbase. Die bestehende Infrastruktur ermögliche einen „direkten Anschluss des Batteriespeichers ohne Umwege und Verlustleistung“.

Ohne die Probleme anderer Batterien

Der Speicher soll in verschiedenen Segmenten des Strommarkts eingesetzt werden. Einerseits soll er am Stromhandel teilnehmen, also Strom aufnehmen, wenn die Energie an der Börse billig verfügbar ist, und wieder abgeben, wenn sie teuer ist. Andererseits soll der Speicher auch Regelenergie zur Stromnetzstabilisierung liefern und er soll ferner als Notstromquelle dienen für den Betrieb eines angrenzenden Rechenzentrums, das in Planung ist und für künstliche Intelligenz genutzt werden soll.

Der Speicher wird kein gewöhnlicher Batteriespeicher sein, also keine Lithiumtechnik nutzten. Vielmehr soll eine Redox-Flow-Batterie zum Einsatz kommen. Das ist eine Anlage, die Energie in zwei Flüssigkeiten – zwei Elektrolyten – speichert. Wird die Batterie geladen, nimmt die eine Flüssigkeit Elektronen von der anderen auf, wird sie entladen, fließen die Ladungsträger wieder zurück. Will man die Speicherkapazität der Batterie vergrößern, reicht daher eine schlichte Vergrößerung der beiden Tanks.

Um die angestrebte Kapazität zu erreichen, plant Flexbase den Bau von 960 Tanks mit 260 Millionen Liter Elektrolytflüssigkeit. Die Batterieanlage würde entsprechend viel Platz einnehmen: 240 Meter lang und 80 Meter breit würde das Gebäude werden, es würde 30 Meter hoch sein und 25 Meter in den Untergrund reichen. Nach dem heutigen Stand wäre es die weltgrößte Redox-Flow-Batterie, wie das Schweizer Unternehmen betont. Aktuell steht die größte der Anlagen in China und hat eine Kapazität von 400 Megawattstunden.

Flexbase hebt hervor, dass diese Technik „weniger bis gar keine seltenen und problematischen Materialien“ benötige und sehr langlebig sei. Zudem sei sie im Vergleich zu Lithium-Ionen-Batterien weniger anfällig für Überhitzung oder Brände. Zur Effizienz der Speicherung äußerte sich das Unternehmen auf Anfrage nicht.

Die heute am weitesten ausgereifte Variante der Redox-Flow-Batterie basiert auf zwei Vanadium-Salzen in verschiedenen Oxidationsstufen, die jeweils in 30-prozentiger Schwefelsäure gelöst sind. Eine andere Option ist die Zink-Brom-Variante, die Anlagen gelten aber als etwas empfindlicher.

Technische Details für das Laufenburger Exemplar sind derzeit noch offen. Man werde „in Bezug auf die verwendete Flüssigkeit neue Maßstäbe setzen“, heißt es bei Flexbase. Erst 2027 soll entschieden werden, welche Technologie im Detail eingesetzt wird. 2028 soll die Batterie in Betrieb gehen.

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3 Kommentare

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  • 260 Mio. Liter Schwefelsäure in einem 30m hohen Tank in der Stadt. Was kann da schon schiefgehen.



    Davon abgesehen sind diese 1,2GWh sehr teuer aber nicht besonders interessant. So spart man noch kein fossiles Kraftwerk ein.

  • 500 Megawatt für 2 Stunden, oder 1 GW für 1 Stunde. Das ist schon mal eine Ansage. Damit ist man auf der Höhe von den größten deutschen Pumpspeicherkraftwerken in Thüringen und Sachsen (jeweils 1 GW).



    Ein Vergleich der Kosten würde mich interessieren - geplanter Redoxspeicher vs Pumpspeicherwerk.

  • Cool. So geht Innovation dank Marktwirtschaft.