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Energieversorgung in EuropaNeue Abhängigkeit von den USA

Das Gas kommt zwar immer weniger aus Russland. Dafür macht sich die EU durch LNG-Importe aus den Vereinigten Staaten erpressbar, warnt ein Thinktank.

Förderung von Flüssiggas in Texas: Donald Trump kann die EU mit Lieferstopps unter Druck setzen Foto: Eli Hartman/reuters

Bis zum Ukrainekrieg war es die Abhängigkeit von russischem Gas, nun hat sich Europa durch zu viel Flüssigerdgas (LNG) aus den USA erpressbar gemacht. Der Bezug von LNG aus den USA hat sich seit 2021 auf 57 Prozent vervierfacht und könnte bis 2030 bis zu 80 Prozent der gesamten LNG-Importe nach Europa ausmachen, warnt der US-Thinktank Institute for Energy Economic and Financial Analysis (IEEFA). Es sei „außenpolitisch riskant und sicherheitspolitisch gefährlich, dass dieser Bundeskanzler nicht versteht, dass in der Unabhängigkeit von fossiler Energie eine sicherheitspolitische Strategie für die Europäische Union liegt“, sagte auch Grünen-Kofraktionschefin Katharina Dröge in Richtung des deutschen Regierungschefs Friedrich Merz (CDU).

Vor dem Hintergrund der Grönland-Drohungen von US-Präsident Donald Trump müsse der zweite Teil des Zoll-Abkommens mit Washington „schrittweise rückabgewickelt werden“, forderte Dröge. Im vergangenen Sommer hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Trump den Kauf von fossilen Energieträgern wie LNG-Gas im Wert von 750 Milliarden US-Dollar bis 2028 zugesichert, wenn er geringen Zollsätzen auf EU-Importe zustimme.

Wenn es dazu kommt, würden in diesem Fall 40 Prozent der gesamten EU-Gasimporte – LNG und nichtverflüssigtes Gas – aus den USA kommen. Allerdings gibt es für die Vereinbarung wegen Trumps Anspruch auf Grönland derzeit keine Mehrheit im EU-Parlament, genau wie für das EU-USA-Zollabkommen.

Eine übermäßige Abhängigkeit von US-Flüssigerdgas stehe „im Widerspruch zum REPowerEU-Plan“, betont der Thinktank. Durch Diversifizierung, Verringerung der Nachfrage und erschwinglichere Energiepreise wollte die EU eigentlich ihre Energiesicherheit verbessern.

USA nach Norwegen zweitgrößter Gaslieferant

Das wurde nur teilweise erreicht. Um die Abhängigkeit von russischem Pipelinegas zu beenden, hat die EU einerseits zwischen 2021 und 2024 die Gasnachfrage um über 20 Prozent gesenkt. Außerdem wurden nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine die Importe um inzwischen etwa 75 Prozent vermindert. Bis spätestens Ende 2027 soll Europa vollkommen unabhängig von russischem Erdgas sein. Die größten Lieferanten per Pipeline oder Schiff waren im Jahr 2025 mit 89 Milliarden Kubikmetern Norwegen, gefolgt von den USA (81) und immer noch Russland (37). Im Jahr 2021 hatte Russland noch 151 Milliarden Kubikmeter geliefert.

Umwelt- und Klimaschützer hatten immer vor dem Ausbau von LNG-Terminals auch in Deutschland gewarnt, weil die neuen Anlagen fossile Infrastrukturen sind, deren Nutzung auf Jahrzehnte ausgelegt ist: Weltweit gibt es derzeit Planungen für 279 LNG-Projekte, darunter Export- und Importterminals sowie die Erweiterungen bestehender Anlagen. Auf US-Projekte entfallen rund 40 Prozent der geplanten Exportkapazitäten, gefolgt von Russland mit 20 Prozent und Katar mit 8 Prozent.

Auch Deutschland hat Lieferverträge mit Katar. Ab diesem Jahr startet eine Vereinbarung mit dem Emirat zum Import von fossilem LNG bis zum Jahr 2041. Dabei geht es um 2,8 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht etwa 90 Milliarden Kubikmeter im Jahr.

Die LNG-Abhängigkeit Europas ist ein direktes Ergebnis einer zögerlichen Energiewende

Milan Babić, Universität Amsterdam

„Die LNG-Abhängigkeit Europas ist ein direktes Ergebnis einer zögerlichen Energiewende“, sagt Milan Babić, Professor für politische Ökonomie an der Universität Amsterdam. Es gebe nur zwei Möglichkeiten, um sich aus dieser Falle zu befreien: „Erstens eine sehr schnelle, konzertierte und möglichst vollständige Dekarbonisierung“ von Industrie und Gebäudesektor, betont der Experte für Geoökonomie. Zweitens benötige Europa „eine massive Ausweitung von Energieeffizienzmaßnahmen, die ebenfalls EU-weit koordiniert werden muss“.

Wie fatal sich die neue Abhängigkeit auswirken könnte, zeigte sich bereits im vergangenen Oktober. Die USA und Katar drohten der EU-Kommission in einem gemeinsamen Brief mit einem Lieferstopp von LNG-Gas, sollten im Rahmen der Verhandlungen über die Abschwächungen des Lieferkettengesetzes die Nachhaltigkeitsstandards nicht reduziert werden. Diese würden „ein erhebliches Risiko für die Bezahlbarkeit und Zuverlässigkeit der kritischen Energieversorgung von Haushalten und Unternehmen in ganz Europa“ darstellen, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Brief.

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