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Eisschnellläufer Hendrik DombekUnterwegs auf brüchigem Eis

Er engagiert sich bei „Athleten Deutschland“. Nach seinem 16. Platz im 1.000-Meter-Sprint wird er oft auf seinen in Verruf geratenen Verband angesprochen.

Kommt erst langsam in Fahrt: Hendrik Dombek Foto: Bruno/AP

Am Ende wird er auf Platz 16 geführt. 1:09,198 Minuten hat Hendrik Dombek für die 1.000 Meter bei seiner olympischen Eisschnelllaufpremiere gebraucht. Dass er das besser kann, weiß der 27-jährige Sportsoldat und Sportmanagementstudent nur allzu gut. In dieser Saison beim Weltcup in Salt Lake City ist er fast zwei Sekunden schneller gewesen. Und nun steht er nach seinem Rennen in der Mixed Zone und muss zugeben, dass es ihm nicht gelungen ist, noch einmal „diesen Peak“ zu erreichen.

Trotz aller Enttäuschung spricht auch Stolz aus ihm. Immerhin hat er es zu den Spielen geschafft. Der Auftakt sei nicht einfach gewesen. Bei den ersten internen Qualifikationsrennen sei er einfach zu nervös gewesen. Dann in Übersee sei der Knoten geplatzt. Da ist er aus der B-Gruppe plötzlich ziemlich weit nach vorne gelaufen. Er hat sich verdient, was er jetzt erleben darf in Mailand bei seinen ersten Olympischen Spielen. Genauso wie seine beiden Teamkollegen auf den kurzen Strecken, Finn Sonnekalb und Moritz Klein, genießt er das Leben im Dorf und dass bei Olympia alles ein wenig größer ist als sonst in seiner doch eher kleinen Sportart.

Und er hat investiert dafür, dass er hier sein kann. Das Sommertraining auf Eis habe er wie die anderen deutschen Spitzenläufer selbst finanziert. Dass Sportlerinnen und Sportler einen nicht unerheblichen teil ihrer Aufwendungen für Training und Wettkampfreisen selbst bezahlen müssen, war das Teilergebnis einer Recherche der ARD, die Matthias Große, dem Präsidenten der Deutschen Eischschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) massive Misswirtschaft und intransparentes Führungsverhalten vorwirft.

Der möchte sich erst nach den Spielen dazu äußern und ist zum Saisonhöhepunkt der Sportart, die er vertritt, gar nicht erst nach Mailand gereist. Seine Lebensgefährtin, Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin Claudia Pechstein, die sich hinter der Tribüne bestens gelaunt mit alten Bekannten aus ihrer aktiven Zeit unterhielt, hatte keine Lust auf Pressefragen.

Kalender mit Nacktbildern vor eisiger Kulisse

Auch Dombek, der als Präsidiumsmitglied der verbandsunabhängigen Interessenvereinigung Athleten Deutschland für ein selbstbewusstes Auftreten von Sportlern und Sportlerinnen steht, wollte sich während der Spiele nicht zu Wort melden. Für die Presse hatte er einen Brief vorbereitet, in dem es heißt, dass es im Verhältnis zum Verband Ziel sein müsse, „ein Umfeld zu schaffen, das von gegenseitigem Respekt, transparenter Kommunikation und verantwortungsvollem Umgang mit Macht geprägt ist“. Viel deutlicher kann man ein zerschnittenes Tischtuch nicht umschreiben.

Und nun muss der Olympionike, der noch über 500 Meter und 1.500 Meter antreten wird, doch über seinen in Verruf geratenen Verband sprechen. Er macht das in einer bewundernswerten Gelassenheit. „Das ist so eine Funktionärssache. Das sollen die mal regeln“, sagt er. Und er geht davon aus, dass der Deutsche Olympische Sportbund und das Innenministerium am Ende schon dafür sorgen werden, dass die Fördergelder an der richtigen Stelle ankommen.

Dass olympische Athletinnen und Athleten Drittmittel für Training oder Ausrüstung einwerben, sei überdies schon lange nicht mehr ungewöhnlich. So hat etwa die Deutsche Eislaufunion eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung der Teamkleidung gestartet. Und die Eisschnelllaufgruppe aus Erfurt, zu der auch Dombek gehört, hat 2026 schon zum zweiten Mal einen Kalender mit Nacktbildern vor eisiger Kulisse herausgegeben. Da geht es nicht um große Summen. Manchmal fehlen die 250 Euro Sperrgepäckkosten, um auch einmal ein Trainingsrad zu einem Weltcup in Übersee mitnehmen zu können. Solche Löcher sollen gestopft werden.

Während Dombek weitgehend unbehelligt über seine Olympiaeindrücke sprechen konnte, scharten sich die Journalisten aus Deutschland, die zum Eisring in der Messehalle am Ende der Stadt gekommen waren, um Deutschlands 18-jährige Eisschnelllaufhoffnung Finn Sonnekalb. Der gilt nach herausragenden Ergebnissen in diesem Jahr als Medaillenkandidat über 1.500 Meter. Am Mittwoch über die kürzere Distanz reichte es beim Sieg von US-Superläufer Jordan Stolz, der vor dem Niederländer Jenning de Boo und Ning Zhongyan aus China triumphieren konnte, nur zu Platz 12.

Immerhin könne er wieder laufen, meinte er nach dem Rennen. Seinen fiebrigen Infekt, der ihn nach der Eröffnungsfeier ins Bett gezwungen habe, sei nun überwunden. Jetzt hoffe er, dass er nächste Woche über seine Spezialstrecke wieder aus Geschwindigkeit komme. Die hat über 1.000 Meter definitiv noch gefehlt.

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