: Eine eigene Literatur entsteht
Erstmals waren Sin_ti*ze und Rom*nja mit einem eigenen Stand auf der Buchmesse
Sie ist noch jung – die Literaturgeschichte der Sinti*ze und Rom*nja, denn lange Zeit gab es so gut wie keine schriftlichen Überlieferungen. Stigmatisierung, Marginalisierung und Verfolgung erschwerten häufig bereits die schulische Bildung, nur einer der Gründe, warum es geraume Zeit an eigener Literatur mangelte. Ein Weiterer ist eine fehlende Standardisierung des Romanes (auch Romani) – der Sprache der Sinti*ze und Rom*nja – das aus verschiedenen Dialekten besteht. Es mangele vor allem an einer vereinheitlichen Schriftform, so dass es bisher schwierig sei komplexere Inhalte auf Romanes zu verfassen, erklärte der Roma-Autor Ruždija Sejdović auf einer Podiumsdiskussion am „Weltempfang“ auf der Frankfurter Buchmesse. „Die Literatur von Sinti und Roma – in Deutschland und der Welt“ war das Thema der Veranstaltung, auf der neben Sejdović, der finnische Roma-Dramaturg Veijo Baltzar, die Literaturwissenschaftlerin Beate Eder-Jordan sowie die Leiterin des Klagenfurter Drava-Verlags Erika Hornbogner sprachen.
Sie alle setzen sich in unterschiedlicher Weise für die Verbreitung und das Verständnis von Roma-Literatur in Europa ein, die erst seit etwa 35 Jahren wieder vermehrt entsteht. Bereits in den 20ern und 30ern habe es eine stark vertretene Roma-Literaturszene in der Sowjetunion und Rumänien gegeben, erzählt Beate Eder-Jordan, die als Expertin auf dem Gebiet gilt. Später sei diese unterdrückt worden.
Die Intention zu schreiben, war bei den anwesenden Autoren eine ähnliche: Die Geschichte ihrer Communitys zu erzählen und Aufmerksamkeit für diese zu schaffen. Schon aus diesem Grund, entscheiden sich Roma-Autoren häufig dafür in der jeweiligen Landessprache zu schreiben, denn nur so lasse sich ihre geschlossene Gesellschaft auch für den Rest der Welt aufbrechen, beschreibt Ruždija Sejdović. Dennoch liebe er es auf Romanes zu schreiben, da dies auch die Sprache sei, in der er denke. Als kleiner Junge habe er seinen Vater nach Büchern auf der eigenen Sprache gefragt. Die Antwort, es gäbe keine, habe ihn motiviert Autor zu werden. Für die Selbstwahrnehmung sei es wichtig Literatur auch auf Romanes zu haben.
Während Sejdović es als wichtig erachtet, die bisherige Kulturgeschichte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich werden zu lassen, sieht sein Kollege Veijo Baltzar in der Roma-Literatur vor allem das Potenzial die Communities der Sinti*ze und Rom*nja a an gesellschaftlichen Diskursen teilhaben zu lassen. Sophia Zessnik
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen