Ein Jahr Räumung Rummelsburger Bucht: Erinnern und weiter kämpfen
Zum Jahrestag der Räumung des Obdachlosencamps an der Rummelsburger Bucht demonstrieren Menschen gegen die Pläne eines Investors auf dem Gelände.
taz | „Zwangsräumung ist kein Kälteschutz“, steht als Parole auf das kleine Zelt gesprüht, das vor dem Rathaus Lichtenberg aufgebaut ist. Das Zelt ist ein symbolisches Geschenk von Stadtteilaktivist*innen an den dort amtierenden Stadtrat für Stadtentwicklung und Arbeit, Kevin Hönicke (SPD), zum ersten Jahrestag der Räumung des Wohnungslosencamps an der Rummelsburger Bucht. Dort beteiligten sich am Samstagnachmittag rund 80 Menschen an einer Protestkundgebung in der Nähe des geräumten Camps.
In mehreren Redebeiträgen wird moniert, dass der Wintereinbruch im letzten Jahr für die Räumung genutzt wurde, um das Areal an der Rummelsburger Bucht für Investorenpläne freizumachen. So war durch Recherchen unter anderem der taz bekannt geworden, dass Vertreter*innen der Coral World Berlin GmbH (CWB), die auf dem Areal ein Riesenaquarium als Tourismusprojekt errichten will, eine schnelle Räumung des Geländes forderte.
Nach der Räumung des Camps meldete Stadtrat Hönicke per Mail an den CWB-Vertreter, dass „der von ihnen geforderte Zustand nun hergestellt ist“. Initiativen kritisieren, dass auf dem Areal rund um die Rummelsburger Bucht Menschen mit geringen Einkommen vertrieben wurden – egal ob sie in Booten, in Wägen oder Wohnungen lebten, wie in den mittlerweile entmieteten Padovicz-Häusern in der Hauptstraße 1.
Redner*innen der Antifaschistischen Vernetzung Lichtenberg erinnerten am Samstag daran, dass auch rund um den S-Bahnhof Lichtenberg wohnungslose Menschen, die dort vor der Kälte Schutz suchen, häufig bedroht und beleidigt würden. Die Initiative Bucht für Alle, die eine Alternativplanung konzipiert hat, berichtete, dass ihr Eilantrag gegen den Bebauungsplan für Coral World vor wenigen Tagen vom Berliner Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen wurde.
Drohendes Aus für Kino Zukunft
Wie sich die Gentrifizierung auf die umliegenden Kieze auswirkt, schilderten VertreterInnen der Initiative „Wem gehört der Laskerkiez?“, die über ihren Widerstand etwa gegen das Projekt Ostkreuzcampus berichteten. Ein Mitarbeiter des zum 31. März 2022 gekündigten Kinos Zukunft am Ostkreuz rief dazu auf, weiter für den Standort zu kämpfen.
Jessi, eine nach eigenen Angaben im letzten Jahr geräumte Campbewohnerin, erinnerte daran, wie wichtig es sei, an die Räumung zu erinnern: Im letzten Jahr hätten viele Menschen den Ort verloren, der ihr frei gewähltes Zuhause gewesen sei. Auch ihr Bauwagen sei bei der Räumung im letzten Jahr von einen Bagger zerstört worden, sagt Jessi. Eine Entschädigung habe sie bis heute nicht bekommen.
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