piwik no script img

Dreiergipfel USA, Japan, Südkorea Schachzüge und Drohkulissen

Sven Hansen

Kommentar von

Sven Hansen

Mit einem Treffen in Camp David wollte Biden die beiden Verbündeten Südkorea und Japan zusammenbringen. Doch dahinter stecken klare Interessen.

D er Hegemoniekonflikt im Indopazifik zwischen China und den USA spitzt sich immer weiter zu. Eine Entspannung oder auch nur tragfähige Mechanismen einer präventiven Konfliktregelung sind nicht in Sicht. Vielmehr bringen sich beide Seiten diplomatisch wie militärisch in Positionen, von denen sie glauben, die andere Seite einschüchtern und sich selbst stärken zu können.

So droht China immer unverhohlener Taiwan mit militärischer Eroberung und unterstreicht dies durch auftrumpfende Marine- und Luftwaffenmanöver in der Nähe der Insel, auch zum Teil mit Russland zusammen. Zugleich tritt China im Südchinesischen Meer, das es als seinen Hinterhof ansieht, immer dreister auf.

Umgekehrt bringen die USA jetzt ihre Verbündeten Japan und Südkorea trotz deren historischen Animositäten zusammen, hofieren Vietnam und die Philippinen und machen Marinemanöver mit Australien und Japan. Die richten sich natürlich in erster Linie gegen Chinas wachsende Seemacht, auch wenn dies nicht unbedingt ausgesprochen wird.

Dass China sich von den USA in seinem Aufstieg behindert sieht und Washington nicht über den Weg traut, ist nachvollziehbar. Doch umgekehrt ist ebenso nachvollziehbar, dass die USA wegen Pekings Auftrumpfen nicht ohne Weiteres auf Macht und Einfluss verzichten wollen und sich Chinas Nachbarn zugleich vom immer aggressiveren Reich der Mitte zunehmend gegängelt und bedroht fühlen. Deshalb haben sie zum Ärger Pekings ein wachsendes Interesse an einer Rückversicherung in Washington. Der Konflikt hat sich inzwischen so hochgeschaukelt, dass es immer unerheblicher wird, wer eigentlich damit angefangen hat.

Im Fernen Osten fehlen kollektive Sicherheitsstrukturen, auch weil viele Staaten schon mit ihren jeweiligen Nachbarn ungelöste Territorialkonflikte haben. Auch sind die Erfahrungen in der Region mit China und den USA insofern ernüchternd, als dass Washington und Peking nur bereit sind, sich in Strukturen einbinden zu lassen, wenn sie diese selbst dominieren und kontrollieren. Die Zeiten stehen auf Sturm.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Sven Hansen

Sven Hansen Auslandsredakteur (Asien)

Asienredakteur seit 1997, studierte Politologie in Berlin und Communication for Development in Malmö. Organisiert taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit JournalistInnen aus Südostasien und Han Sens ASIENTALK. Herausgeber der Editionen Le Monde diplomatique zu Südostasien (2023), China (2018, 2007), Afghanistan (2015) und Indien (2010). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @SHansenBerlin
Mehr zum Thema

0 Kommentare