Drei weitere Karstadt-Filialen bleiben: Es geht nicht um Arbeitsplätze

Der Berliner Senat präsentiert einen Deal zur Rettung von Karstadt-Filialen. Gewinner ist dabei nicht die Stadt, sondern der Immobilienkonzern Signa.

Klaus Lederer Vertrag Karstadt

Klaus Lederer unterzeichnet den Vertrag zur Rettung von Karstadt-Filialen Foto: Paul Zinken/dpa

Es klingt erst einmal nach einer guten Nachricht: Drei weitere Standorte des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof sollen erhalten bleiben. So steht es zumindest in der Absichtserklärung zwischen Senat und Karstadt-Eigentümer Signa, die am Montag vorgestellt worden ist. Erleichtern dürfte das vor allem die Hunderte Angestellten, denen im Zuge des Insolvenzverfahrens des Unternehmens der Verlust ihres Arbeitsplatzes drohte.

„Ein guter Tag für Berlin“ also, wie es der Regierende Bürgermeister Michael Müller auf der Pressekonferenz präsentiert?

Mitnichten, denn liest man das Kleingedruckte in der Absichtserklärung, wird klar, dass der Senat dem österreichischen Immobilienkonzern Zugeständnisse bei der Realisierung einiger Großprojekte gemacht hat. So nutzt Signa die Insolvenz seiner Warenhaussparte schamlos aus, um sein umstrittenes Monumentalprojekt am Hermannplatz gegen Widerstände aus dem zuständigen Bezirk und gegen Proteste und Vorbehalte der Zivilgesellschaft durchzudrücken.

Geschacher nährt Zweifel

Ein solches Geschacher nährt Zweifel daran, wie viel dem österreichischen Konzern, dessen Kerngeschäft prestigeträchtige Immobilien sind, tatsächlich am Erhalt seiner Warenhaussparte gelegen ist. Schließlich wurde Karstadt schon in der Vergangenheit von Investor zu Investor herumgereicht, ohne dass sich viel an den grundlegenden Problemen der Warenhauskette verändert hätte. Ob der Deal wirklich langfristig Arbeitsplätze sichert, ist daher mehr als fraglich.

Sicher ist hingegen, dass die Bauvorhaben, die Signa jetzt dank der Vereinbarung umsetzen könnte, das Stadtbild dauerhaft prägen werden – insbesondere der überdimensionierte 20er-Jahre-Nachbau am Hermannplatz.

Ob die Karstadt-Angestellten ihren Job verlieren, dürfte Signa egal sein: Ihre Arbeitsplätze sind in erster Linie Verhandlungsmasse, aus denen sich politisches Kapital schlagen lässt, um das eigene Immobiliengeschäft zu stärken.

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ist freier Journalist und macht nebenbei seinen Master in Europäischer Ethnologie an der Humboldt Universität. Schwerpunktmäßig setzt er sich in beiden Feldern mit Protestbewegungen, Digitalpolitk und Kapitalismuskritik auseinander.

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