Donau-Dürre: Warum Rumänien einen Felsen sprengt
Die Donau führt derzeit nur ein Drittel der im Hochsommer üblichen Wassermenge. Rumänien versucht, die Stromversorgung durch das AKW Cernavoda zu sichern.
Foto: Andreea Alexandru/AP/dpa
dpa | Zur besseren Wasserversorgung des Kernkraftwerks Cernavoda hat Rumäniens Armee im Bett eines Donau-Arms einen Felsen gesprengt. Das AKW bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus der Donau, deren Wasserstand dramatisch gesunken ist. Das Kraftwerk droht in Ermangelung von Kühlwasser abgeschaltet werden zu müssen.
Im Bett eines Donau-Arms bei Izvoarele, etwa 50 Kilometer flussaufwärts von Cernavoda, sprengten Soldaten den durch die Dürre freigelegten Felsen. Dessen Trümmer sollen binnen zwei Tagen mit Lastkähnen an eine bestimmte Stelle in einem Donau-Arm gebracht und versenkt werden, um dort den Wasserstand zu erhöhen, so dass mehr Wasser zum AKW Cernavoda im Osten des Landes gelangt.
Verteidigungsminister Radu Miruta bezeichnete die Sprengung als Erfolg. Man hoffe, dass das AKW so genügend Wasser erhalte. Sicher sei in jedem Fall, dass dadurch die Donau-Schifffahrt erleichtert werde. Seit 30 Jahren habe die Armee erfolglos versucht, diesen Felsen in der Donau zu beseitigen. Sollte diese teilweise Fluss-Umleitung scheitern, müsse das AKW spätestens an diesem Donnerstag ganz abgeschaltet werden, sagte der Minister weiter.
Bereits vergangene Woche war einer der zwei Reaktoren in Cernavoda wegen Kühlwassermangels heruntergefahren worden. Zunächst hatten die Behörden auch die Abschaltung des zweiten Reaktorblocks erwogen, dies aber schlussendlich unterlassen und die Umleitung von Donauwasser beschlossen. Die Donau führt derzeit nur ein Drittel der Wassermenge, die durchschnittlich in dieser Jahreszeit gemessen wurde. Es wird erwartet, dass der Wasserstand in den nächsten Tagen weiter sinkt.
Das AKW Cernavoda produziert jährlich etwa 10 Millionen Megawattstunden Strom und somit 20 Prozent des rumänischen Bedarfs. Der erste Reaktor vom kanadischen Typ CANDU ging 1996 ans Netz, der zweite im Jahr 2007.
Autobauer machen Produktionspause, um Strom zu sparen
Angesichts drohender Engpässe bei der Stromversorgung unterbrechen die Autobauer Dacia und Ford ihre Produktion in Rumänien bis zum 19. August, wie Ministerpräsident Ilie Bolojan in Bukarest nach einem Krisentreffen mit Vertretern der Groß-Stromverbraucher aus der Industrie mitteilte. Weitere Unternehmen würden diesem Beispiel folgen.
Dacia mit seinem Werk in Mioveni, 100 Kilometer nordwestlich von Bukarest, gehört zur Renault-Gruppe und ist Rumäniens größter Autobauer und Exporteur. Ford lässt im südwestrumänischen Craiova Autos und Nutzfahrzeuge montieren, baut dort zudem Motoren und stellt Batterien her.
Ferner plant Rumänien eine Regierungsverordnung, die es erlauben soll, den Stromkonsum der Großverbraucher notfalls einzuschränken, sagte Bolojan weiter. In Rumänien herrsche eine Energiekrise, nicht nur, weil ein Reaktor im AKW Cernavoda abgeschaltet wurde, sondern auch weil die Wasserkraftwerke wegen der Dürre bedeutend weniger Strom produzierten als sonst, führte der Premier aus. Erste Appelle an die Bevölkerung zum Stromsparen hätten bereits ihre Wirkung gezeigt, der Konsum sei landesweit zurückgegangen.(dpa)
Ungarn
Ungarns einziges Atomkraftwerk ist trotz der historisch niedrigen Pegelstände der Donau vorerst weiterhin in Betrieb. Regierungschef Péter Magyar erklärte am Montag, es sei den Ingenieuren gelungen, die für den Betrieb einer Turbine erforderliche Kühlwassermenge zu reduzieren. Am Vortag hatte Magyar angekündigt, dass das gesamte AKW erstmals seit 44 Jahren abgeschaltet werden würde.
Das Atomkraftwerk Paks liegt rund 130 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest. Seine vier Reaktoren hatten ihre Leistung in der vergangenen Woche aufgrund des sinkenden Wasserstands durch ausbleibende Niederschläge und Hitzewellen schrittweise reduziert. Maygar erklärte nun, alle arbeiteten daran, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Prognosen für die kommenden Tage seien „etwas optimistischer“ geworden.
Das AKW deckt normalerweise ein Drittel des Strombedarfs Ungarns. Um das Energiedefizit auszugleichen, sollen große Industriekunden ihren Stromverbrauch freiwillig senken. Zudem will die ungarische Regierung auf Stromimporte zurückgreifen. Die Bevölkerung wird dazu aufgerufen, während der abendlichen Spitzenlastzeiten auf Strom zu verzichten. (afp)
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