Die Wochenvorschau für Berlin: Katastrophenschutz mit Odysseus

Am Donnerstag um 11 wird es laut werden: Beim Testtag für Warntechnik heulen unter anderem die Sirenen. Und was steht noch an diese Woche?

Die silhoulette einer sirene vor blauem himmel

Kann ganz schön laut werden, wenn sie mal darf: Warnsirene auf einem Dach Foto: dpa

BERLIN taz | Man muss nicht auf alles hören. Man sollte sich wenigstens absichern, wenn das Hören einen zu sehr verlockt.

Dazu ein kurzer Abstecher zu Homer. „Die Odyssee“. Darin wird geschildert, wie Odysseus auf seiner Irrfahrt auch an der Insel der Sirenen vorbeikommt. Die locken durch ihren betörenden Gesang die vorbeifahrenden Schiffer an, um sie zu töten. Das Singen wollte Odysseus hören, getötet werden wollte er nicht.

Also ließ er sich an den Mastbaum fesseln, um den Verlockungen gar nicht erst Folge leisten zu können, während seine Gefährten sich die Ohren mit Wachs verschlossen hatten. Man muss eben nicht alles hören.

So sangen die Sirenen in diesem Fall mal vergeblich. Dargestellt werden sie meist in weiblicher Gestalt, manchmal als Mischwesen aus Mensch und Vogel oder Mensch und Fisch. Manchmal auch mit Bart.

Das bedeutsamste und schwer abzubildende Merkmal aber sollte doch der Gesang sein. Als betörend wird er eben beschrieben, als attraktiv. Als etwas, das größte Gefallen auslöst.

Und jetzt muss man sich das gellende Heulen vorstellen, wenn ein Rettungswagen vorbeifährt mit seiner angeschalteten Sirene. So laut, zum Weglaufen. Was sich nun bestimmt auf psychologische Weise deuten lässt, dass da anziehende Verlockung und aufschreckende Warnung im selben Wort wohnen müssen. So darf man am Donnerstag an die griechische Mythologie denken, wenn beim ersten bundesweiten Warntag seit der Wiedervereinigung die Sirenen heulen. Wobei die bei dem Testtag für Warntechnik nur anderswo aufheulen werden. In Berlin aber heult da am Katastrophen-Warntag nichts.

Das liegt nicht an Trotzigkeit oder gar daran, dass man in Sachen Geräuschemission in der Stadt nicht noch ein weiteres Pfund drauflegen will. Berlin kann einfach nicht. Da gibt es nämlich keine Zivilschutzsirenen mehr, die wurden Anfang der neunziger Jahre abgebaut. Stattdessen wird die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz Nina, empfohlen. Die Warn-App alamiert bei Gefahrenlagen und gibt – aktueller Service – auch die neuesten Entwicklungen zur Coronapandemie bekannt. Und wird am Donnerstag um 11 Uhr probealarmmäßig piepen.

Art Week startet am Mittwoch

Und die Kunst. Heißt ja gern, dass die so ein Seismograf sei für gesellschaftliche Entwicklungen. Auch eine Art Frühwarnsystem (das man nur zu dechiffrieren wissen muss). Angebote satt in Hunderten von Galerien gibt es dazu bei der Berlin Art Week, die am Mittwoch startet und bis zum Sonntag läuft.

Außerdem darf man sich langsam warmlaufen für den 3. Oktober, an dem es in diesem Jahr die 30 zu feiern gilt. 30 Jahre – bei den Sirenen und dem Warntag vorher fand sie kurz schon Erwähnung – Wiedervereinigung. Am Mittwochabend sitzt dabei der, der einst den Einigungsvertrag mit unterschrieben hat, in der St.-Bartholomäus-Kirche in Friedrichshain bei einer Podiumsdiskussion, nämlich der damalige CDU-Bundesinnenminister und jetzige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Diskutiert wird die Frage: „Drohte die Deutsche Einheit an der Stasi-Frage zu scheitern?“.

Es gab damals nämlich in Ost und West recht unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie mit den Stasi-Unterlagen umgegangen werden sollte.

Aber, sirenengleiche Spoilerwarnung, da drohte vielleicht was. Daran gescheitert ist die Einheit allerdings nicht.

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