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Die WahrheitBalsam für die Pflegerin

Nachbarschaftsstreit wird auf der Grünen Insel hingebungsvoll gepflegt, Familienzwist eskaliert besonders prachtvoll, wenn Geld im Spiel ist.

V on den Lesern der Zeitschrift Condé Nast Traveller wurde Irland jetzt zum freundlichsten Land Europas gewählt – völlig zu Recht. Allerdings haben die Leser weder irische Nachbarn, noch irische Geschwister, mit denen sie sich zur Not vor Gericht streiten. Bisweilen wird der nette Dr. O’Jekyll dann zum bösen Mr. McHyde.

Neulich zum Beispiel wurde ein Rentnerpaar aus der Grafschaft Monaghan angeklagt, weil die Eheleute die Nachbarskatze eingefangen, in eine Plastiktüte gesteckt und sie an einem meilenweit entfernten See abgeworfen hatten.

Patrick Connolly, der bis zu seiner Pensionierung Schülerlotse war, und seine Frau Bernie Connolly leugneten zunächst. Aber die Überwachungskameras hatten die frevelhafte Tat eingefangen, sodass die Rentner gestanden. Die Katze habe immer in ihren Garten gekackt, rechtfertigten sie sich, und die Enkelkinder hätten den Kot mit ihren Schuhen ins Haus getragen.

Die Katze wurde drei Tage später gefunden, „in einem sehr schlechten Zustand, aber noch am Leben“, wie der Richter feststellte. Er ordnete an, dass die Connollys bis zum Ende der Verhandlung in die Gefängniszelle des Gerichts gesteckt wurden: „Sie sollen sehen, wie es sich anfühlt, eingesperrt zu sein.“

Ungleiches Liebespaar

Noch schlimmer als bei Nachbarschaftsstreitigkeiten geht es bei Erbschaftsangelegenheiten zu. Oft tauchen entfernte Verwandte plötzlich bei der reichen alten Tante auf und kümmern sich rührend um die Dame, weisen den Verdacht der Erbschleicherei aber weit von sich.

Ein besonders krasser Fall betraf den 75-jährigen Landwirt Joe Grogan aus der Grafschaft Offaly, der 24 Stunden nach der Hochzeit mit seiner 26 Jahre jüngeren Pflegerin Lisa Flaherty starb. Grogans Angehörige wussten weder von der standesamtlichen Hochzeit, noch davon, dass die beiden überhaupt in einer Beziehung waren.

Wie Grogan überhaupt zu Tode kam, ließ sich nicht mehr feststellen, weil seine Gattin den Leichnam schnurstracks einbalsamieren ließ, kaum dass er kalt war. Allerdings ließen sich noch drei verschiedene Medikamente im Körper nachweisen, die bei gleichzeitiger Einnahme in großen Mengen zu einer Atemdepression führen können.

Pflegerin Flaherty behauptete, dass Grogan und sie seit ihrem 16. Lebensjahr ein Liebespaar waren. Vor Gericht musste sie jedoch zugeben, dass sie bis 2020 einen anderen Partner hatte. Sie war zu Grogan gezogen, nachdem bei ihm im Jahr 2023 Blutkrebs diagnostiziert worden war. Obwohl er gut auf die Behandlung angesprochen hatte, war er davon überzeugt, dass er bald sterben würde, behauptete Flaherty. Was er schließlich auch tat.

Die Familienangehörigen wollten wissen, ob die Ehe überhaupt vollzogen worden sei und legten Einspruch gegen Flahertys Erbschaft ein, doch das Nachlassgericht wies den Einspruch ab. Die trauernde Witwe erbte den Bauernhof im Wert von 5,5 Millionen Euro.

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Ralf Sotscheck

Ralf Sotscheck Korrespondent Irland/GB

Geboren 1954 in Berlin. 1976 bis 1977 Aufenthalt in Belfast als Deutschlehrer. 1984 nach 22 Semestern Studium an der Freien Universität Berlin Diplom als Wirtschaftspädagoge ohne Aussicht auf einen Job. Deshalb 1985 Umzug nach Dublin und erste Versuche als Irland-Korrespondent für die taz, zwei Jahre später auch für Großbritannien zuständig. Und dabei ist es bisher geblieben. Verfasser unzähliger Bücher und Reiseführer über Irland, England und Schottland. U.a.: „Irland. Tückische Insel“, „In Schlucken zwei Spechte“ (mit Harry Rowohlt), „Nichts gegen Iren“, „Der gläserne Trinker“, "Türzwerge schlägt man nicht", "Zocken mit Jesus" (alle Edition Tiamat), „Dublin Blues“ (Rotbuch), "Mein Irland" (Mare) etc. www.sotscheck.net
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1 Kommentar

  • Janix

    Das ist i(h)re Sicht der Dinge. Verallgemeinern kann mensch es wohl nur bedingt, und gute Musik haut viel wieder raus.