Die Wahrheit: Stachliger Angsthase
Was haben Igel und die Bundeswehr gemeinsam? Zum Herbstbeginn gibt es Antworten aus dem Igelhaus.
P ünktlich zum Herbstbeginn stellte die Süddeutsche Zeitung vor einigen Wochen verschiedene „Igelhäuser“ im Test vor. Laut der Kurzbeschreibungen haben die Häuser weder Balkon noch Keller, Fenster, Küche oder Klo. Der Igel kocht offenbar nicht und kackt einfach irgendwohin.
Aber vermutlich ist seine Peristaltik im Winterschlaf ohnehin stark gedrosselt. Wir Menschen wissen ja gar nicht, wie das ist. Unsere Verdauung wird im Winter durch Glühwein und Lebkuchen eher noch negativ befeuert.
Was hingegen alle Häuser haben, ist eine sogenannte Rattenklappe, die auch gegen Hunde, Katzen oder Marder schützen soll. Die Stabilität und Funktionsweise dieser Klappe fließt mit relativ hohem Gewicht in die Bewertung ein.
Dabei sollte man doch meinen, das Prinzip Igel ist so gedacht, dass die sich selber wehren können und nicht wie die letzten Loser rumheulen. Schließlich ist die Igeltaktik mit Stacheln, an dem sich die Angreifer ganz schlimm wehtun, geradezu sprichwörtlich. In den achtziger Jahren warb sogar ein Igel-Aufkleber der Bundeswehr „Bewaffnet, doch als Friedensheld“ – mit einem Gedichtzitat von Wilhelm Busch.
Image der Bundeswehr
Spitzes Schnäuzchen, spitze Stachel, niedlich und wehrhaft: So sieht sich die Bundeswehr im Gegensatz zur Wehrmacht, die noch mit einem Hyänen-Image kokettierte. Jedenfalls ist es schwer zu verstehen, warum, wenn man den Igeln schon so einen Bunker hinstellt, die da unbedingt auch noch eine Extra-Rattenklappe drin haben müssen.
Denn gerade von Wildtieren, die mit Stacheln, Hörnern oder fiesem Gebiss ausgerüstet sind, sollte man in puncto Selbstschutz schon etwas mehr Eigeninitiative erwarten dürfen. Müssen wir jetzt bald jeder Maus einen persönlichen Sicherheitsbeamten zur Seite stellen? Das ist doch gar nicht im Sondervermögen enthalten.
Der Igel kann sich gern entscheiden, ob er sich bereit und in der Lage fühlt, einen angemessenen Beitrag zu seiner Selbstverteidigung zu leisten. Oder ob er sich lieber bis zum Ende seiner Tage im Zoo durchfüttern lassen möchte, hinter Gittern eingesperrt, und den entwürdigenden Blicken der Schaulustigen ausgesetzt?
Doch was, wenn sich da jetzt so eine Putin-Ratte anschleicht? Die neuartigen Gefahren, die dem Igel und seinem Winterschlaf durch die hybride Kriegsführung skrupelloser Beutegreifer drohen, sind mit der klassischen Stachelmethode ja gar nicht abgedeckt. Hier müssten wir dem kleinen Racker fairerweise tatsächlich helfend unter die Beinchen greifen.
Was das betrifft, haben die Hersteller immerhin vorbildlich gehandelt. Denn sämtliche Igelhäuser im Test wurden bewusst nicht mit Elektrizität, Kanalisation und Internet ausgestattet. Diese Vorsichtsmaßnahme macht sie weit weniger anfällig für hybride Attacken auf die Infrastruktur, als das bei luxuriösen, aber wenig zweckmäßigen Igelhäusern alten Stils (Schloss Bellevue, Kölner Dom, Cheopspyramide) der Fall gewesen wäre.
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