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Die WahrheitSchräg Parken erwünscht

Die Tschechische Woche der Wahrheit: Das Traumland für Parkplatzfreunde empfängt Autofahrer mit offenen Buchten.

Diese Woche widmet sich die Wahrheit fast und gänzlich Tschechien. Denn der Binnenstaat Česko ist dieses Jahr Ehrengast der am Mittwoch beginnenden Frankfurter Buchmesse.

Als Boomer neigt Stephan Gries zu entsprechenden Scherzen: „Ich besitze zwar keinen Park, der mir platzen könnte. Ein Parkplatzproblem habe ich trotzdem.“ Seit Monaten, so klagt der 69-jährige Eigner eines fast genauso alten Caravans, habe er nämlich keinen dauerhaften Stellplatz mehr gefunden. „Kaum parke ich wo ein, werde ich verjagt.“

„Anlieger, Öko-Spinner, Politessen“. Gries kennt „das ganze Panoptikum an Nervensägen, die mir nicht mal mehr die kleinste Pinkelpause gönnen“. So wie erst letztens wieder: „Verpiss Dich, verdammter Wohnmobilist!“ habe da diese „grüne Hippe“ gekeift, kaum dass er rückwärts auf ihr, – Gries macht dazu Dad-Tüddelchen in die Luft – „Privatgrundstück“ gefahren war. Dann knickte sie ihm auch noch den Seitenspiegel ab. Spätestens da hatte der Rentner aus Hamburg seinen Entschluss gefasst. Er tankte voll (736,11 Euro) und fuhr in einem Rutsch durch bis Tschechien.

Tatsächlich verschwinden in Deutschland Parkplätze in dramatischem Ausmaß. Ursachen für das Sterben sind: Autohass, Wokeness und Radwege. Nicht so in Tschechien, dem Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Hier regiert mit Motoristé sobě (übersetzt in etwa: „Autofahrer unter sich“) seit 2025 eine Kfz-extreme Partei, die sich wie keine andere in Europa für den Schutz und Erhalt von Pkw-Parkplätzen und Abstellflächen für Wohnmobile einsetzt. Deutsche Kraftfahrer zieht es deshalb vermehrt nach Tschechien.

Auch Rosel Butt aus Kiel hatte neulich die „Parkfaxen endgültig dicke“, wie es die gelernte Abdeckerin ausdrückt. Dabei wollte die 36-jährige Kfz-Enthusiastin („Ich bin auf mein Auto angewiesen, wie soll ich sonst zur Tankstelle kommen?“) ihren Subaru Forester „nur mal eben über die paar 100 Meter Fußweg zu einem überraschend frei gewordenen Parkplatz lenken, als schon wieder einer angeschissen kam“. Zum Glück hatte sie gerade ihr Google Maps dabei. Und so zauderte sie keine Sekunde. Zwölf Stunden später war sie in Tschechien.

Es sind nur zwei zufällig ausgewählte Schicksale. Die aber exemplarisch sind für immer mehr Deutsche, die, von Parkplatzschwund und Stellflächenfrass im eigenen Land gezwungen, ihr Autofahrerglück im Ausland suchen. Und es in Tschechien finden.

Ein gänzlich freier Parkplatz

Sobald sie allerdings, wie etwa im bayerischen Furtz im Wald, die Grenze überquert haben, merken sie zunächst nichts. Die tschechischen Straßen sehen aus wie eben noch die deutschen. Teils mit Wiesen, Weiden, Bäumen an den Rändern, teils nicht. Hier und da stehen Scheunen, Ställe, Gehöfte, in der Ferne knattert ein Traktor. Doch dann kommt das erste Ortsschild, und mit ihm verändert sich etwas grundsätzlich. Denn am Straßenrand ist da plötzlich – ein freier Parkplatz. Und daneben: noch einer. Und dahinter: viele weitere unbesetzte Parkplätze.

„Spätestens da wusste ich, ich bin angekommen“, sagt Stephan Gries. „Hier verspürte ich sofort wieder die altvertraute Parkplatzsorglosigkeit der Siebziger-, Achtziger und Neunzigerjahre. Ich konnte egalwo einparken, ohne dass mir einer erklärte, warum das nicht geht.“

Er zeigt aus dem Seitenfenster seines Caravans. Unter dem Schild Parkování povoleno („Parken erlaubt“) ist ein kleiner Zusatz angebracht: Rádi parkujeme šikmo („Gerne schräg“). „Ich hab’ erst gedacht, das ist tschechische Satire“, sagt Gries. Dann hat er sein WoMo schräg gestellt. Einfach so. Aber niemand kam.

Kein Wunder. Seit die radikalen Motoristen in Tschechien regieren, hat sich das Verhältnis von Auto und Stellfläche grundlegend verändert. Die neue Verkehrspolitik lässt sich auf einen Satz bringen: „Wo ein Auto stehen kann, kann ein Auto stehen.“ Und wenn dort etwas anderes steht, wird automatisch geprüft, ob das dort wirklich stehen muss. Und meistens umgehend entfernt.

Herrschaftliche Parkhäuser

In den Metropolen Praha (Prag), Brno (Brünn) oder Ostrava (Ostrau) hat diese Philosophie bereits beeindruckend große Abstellflächen und die herrschaftlichsten Parkhäuser erschaffen. Und wo in diesen Städten früher Radwege waren, sind heute grundsätzlich Parkbuchten oder eindeutig markierte Parkstreifen. Das Konzept ist denkbar einfach: Der ruhende Verkehr soll nicht länger nur ruhen. Er soll herrschen. Das gilt auch für Kleinstädte wie Kńrz.

„Wir hatten hier eine Grünfläche“, erzählt dort ein kommunaler Mitarbeiter. „Dann kam die Regierung und fragte: ‚Warum?‘“ Er zuckt mit den Schultern. „Wir wussten keine Antwort.“ Also wurde aus dem Grün ein Parkplatz. Und aus dem Wäldchen daneben noch einer. So entstand in kürzester Zeit eine Stellfläche, auf der mittlerweile dreizehn deutsche Familien dauerhaft in ihren Fahrzeugen leben. Obwohl sie dort ursprünglich „nur mal kurz halten“ wollten.

Geparkt darf eben, wo Platz ist. Besonders beliebt ist das sogenannte Volné parkování podle geometrických podmínek („freies Parken nach geometrischer Gegebenheit“). Die Regeln sind unkompliziert: Das Fahrzeug darf grundsätzlich überall abgestellt werden, wo es den fließenden Autoverkehr nicht behindert. Das kann auch mal horizontal oder gar hochkant sein. Egal, ob dafür die Vorderachse aufgebockt oder die Hinterräder abmontiert werden müssen. „Wir handhaben das pragmatisch“, sagt Bolek Terkó, Technischer Bürgermeister von Kńrz. „Wenn ein Auto steht und niemand dagegen fährt, betrachten wir den Parkvorgang als gelungen.“

In Olchÿ, unweit der polnischen Grenze, ging man noch einen Schritt weiter. Dort wurden sämtliche Bordsteine abgesenkt. Nein, nicht für Rollstuhlfahrer oder die alten Leute. „Für die Autos“, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter des örtlichen Parkraum-Managements. Man wollte eben niemandem mehr unnötig Hindernisse in den Weg legen, sagt er und macht das internationale Zeichen für Knöllchen. Er selbst ist seit einem Jahr arbeitslos.

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1 Kommentar

  • Mondschaf26

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