Die Wahrheit: „Ich mache aus Schweineohren Gold!“
Das Wahrheit-Interview mit dem US-Präsidentenberater T. J. Stafford über Deutsche, Dörfer und Trump’sche Sauen.
Mitverantwortlich für die neue Weltordnung, die vom Weißen Haus ausgeht, ist Thomas Jason Stafford, 48, wichtigster Berater von Donald Trump. Wir erreichen den Kommunikationsdirektor des amerikanischen Präsidenten beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
taz: Mr Stafford, was essen Sie heute Abend?
T. J. Stafford: Wahrscheinlich Schweinshaxe. Ich bin auch fast jedes Jahr auf dem Oktoberfest in München. Die Haxe dort ist fantastisch.
Kann man sagen, Sie lieben Schweine?
Wissen Sie, ich komme aus Iowa, dem Pig State. Aus meiner Heimat kommen die meisten Mastschweine Amerikas. Home of the Pork. Schon mein Vater war Schweinebauer. Und nebenbei am Sonntag Prediger.
Also, wie wir im Deutschen sagen, ein Schweinepriester.
Das ist gut, das merk ich mir.
Sie tragen offiziell den Titel „Kommunikationsdirektor“, aber im Weißen Haus und darüber hinaus sind Sie nur als „Sow’s Ear“ bekannt.
Wissen Sie, wir haben im Amerikanischen ein Sprichwort: „You can’t make a silk purse out of a sow’s ear.“ Man kann aus einem Schweineohr keine Seidenbörse machen. Aber ich bin der lebendige Gegenbeweis. Ich mache aus Schweineohren Gold.
Und das mit Donald Trump. Wie ist der amerikanische Präsident auf Sie gestoßen?
In Chicago. Nach einer Fleischmesse. In einem Hotel. An der Bar. Er war auf Wahlkampftour. Und ich erklärte ihm die Wichtigkeit des rosa Tiers. Am Anfang hielt er mich wohl für schwul. Aber ihm gefiel meine Leidenschaft. Ich studierte damals noch. In Bellingham und Vancouver. Meine Studentenkneipe hieß „The Greedy Pig“. Ein toller Laden. Und noch auf der Universität gründete ich meine erste Zeitung: „Ten Little“. Die bekam Trump später in die Hand. Und dann als Potus holte er mich ins Weiße Haus.
Mit was genau für einer Aufgabe?
Wissen Sie, im Deutschen haben Sie diese Redewendung: „Eine Sau durchs Dorf treiben.“ Und ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis. Die Trumps kommen doch aus Deutschland, aus Palatine oder wie das heißt. Jedenfalls waren sie damals auch Schweinebauern. Und das Motto im Familienwappen lautet: „Quotidie novum sus per villam.“ Das gibt der Vater dem Sohn auf dem Totenbett weiter. So war es auch bei Fred und Donald Trump.
Und das setzen Sie jetzt jeden Tag um? Sie jagen jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf? Ist das nicht eher Showbiz als Politik?
Ich könnte es Ihnen jetzt leicht machen und Ja sagen. Sicher ist Trump ein Showman, aber dadurch, dass wir uns jeden Tag diesen Quatsch ausdenken, der die Welt in Atem hält, von Nobelpreis bis Grönland, setzen wir die wahren Themen stillschweigend durch, weil die ganze Welt über unsere Stöckchen springt und den Rest vergisst.
Und können Sie uns auch verraten, was der nächste heiße Schweinescheiß ist, den Sie sich ausdenken?
Scheiße, ein gutes Stichwort. Man kann unter Trumps MAGA-Fans viel Geld mit allen möglichen Devotionalien machen. Warum nicht aus Trumps Scheiße Gold machen? Die Fans kaufen alles!
Manche würden das zynisch nennen.
Wissen Sie, Zynismus ist der Humor der Mächtigen. Aber ich will Ihnen eine tiefgründige Antwort geben. Schweine haben sieben Leben …
Sie meinen Katzen?
Katzen vielleicht auch, aber mit denen kenne ich mich nicht aus. Schweine haben sieben Leben, und die heißen: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag. Und an jedem Tag eine neue schmackhafte Sau auf den Teller zu bringen, ist die schönste Aufgabe der Welt.
In manchen Kulturen ist das Schwein allerdings nicht hoch angesehen.
Ich will diesen Menschen nicht zu nahe treten, aber wer das Schwein nicht liebt, der wird nie im Frieden mit sich und anderen leben.
Dann müssen wir Sie nicht fragen, als was Sie wiedergeboren werden wollen?
Ich liebe euch Deutschen und eure philosophischen Fragen. Aber ich bin ja kein Buddhist. Wenn ich eines Tages ans Himmelstor klopfe, begrüße ich Petrus mit meinem Lieblingsspruch. Von Bruce Willis. Nur in der deutschen Version von „Stirb langsam“: „Yippie-Ya-Yay, Schweinebacke!“
Mr Schweinebacke … Pardon, Stafford, wir danken Ihnen für das saugute Gespräch.
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