Die Wahrheit: Neues aus dem Stadl

Lebenslänglich Bayer: Am politischen Aschermittwoch waren allerlei kuriose Gestalten zu sehen: ein Franke, der Scheuer Andi und Digitaldingsbums Bär.

So lebt es sich in Bayern. Sitzen tut man auf einer Eckbank hinter einer nichtveganen Brotzeit und ganz viel Brezn. Getrunken wird aus einem Steingutkrug, egal ob es sich beim darin befindlichen Gesöff um Bier, Prosecco oder Cola light handelt. An der Wand hängt da, wo die Leute seinerzeit ein Führerporträt platziert haben, ein Bild, das Franz Josef Strauß zeigt.

In der Ecke produziert ein Kachelofen heiße Luft, genauso wie es der Hausherr tut, wenn er zum Monolog ansetzt. Und über der Tür hängt am Kreuz der einzige Langhaarige, den man in Bayern anbeten darf. Der Politische Aschermittwoch, den die CSU in der Dreiländerhalle zu Passau aufgeführt hat, spielte in einem Bühnenbild, wie man es nur allzu gut kennt.

Früher, im tiefsten 20. Jahrhundert, waren solche Stuben als Kulisse für das Bayerische Fernsehen eingerichtet worden. Kaum einen Komödienstadl hat es gegeben, der nicht in einer Bauernstube gespielt hat, wie sie die CSU des 21. Jahrhunderts wohl immer noch für zeitgemäß hält. Ludwig Schmid-Wildy hat dazumal mit heiserer Stimme ebenso für Lacher gesorgt wie Gustl Bayrhammer mit seinem mächtigen Organ. Tochter, Magd oder Bäuerinnen wurden gegeben von Marianne Lindner oder Erni Singerl.

Die Figuren hießen Sepp, Xaver, Stasi oder Walli. Kreuzbrav waren die Leute, katholisch sowieso und wenn es doch ein wenig frivol geworden ist, dann hat man sich halt schnell bekreuzigt, sodass am Ende alles wieder gut war, wenn der Toni die Vroni geheiratet hat. Der Bayerische Rundfunk versucht, das Format in die Gegenwart zu retten und zeigt noch immer Neues aus dem Komödienstadl. Da heißen die Leute immer noch Girgl, Christl oder Franzl, und wer sich beim Zuschauen da nicht fremdschämt, von dem ist zu befürchten, dass er jeden Geschmack verloren hat.

Der Scheuer Andi und Digitaldingsbums Bär

Einen solchen sucht man auch bei der CSU vergebens. Da versuchen sie es zurzeit mit einem Franken in der Hauptrolle, was noch keiner Komödie gutgetan hat. Am Aschermittwoch sind noch weitere Gestalten in dessen Stube geschaltet worden. Die viel zu gut gelaunte Digitaldingsbums Doro Bär zum Beispiel, die ein Dirndl anhatte, so weit ausgeschnitten, als wäre sie eine Komödienstadl-Vroni auf der Brautschau.

Der Scheuer Andi von Niederbayern hat da eine ebenso traurige Figur abgegeben wie die Oberbayerin Ilse Aigner, die einst als Bundesernährungsministerin recht ähnlich talentfrei agiert hat wie ihr werter Kollege aus Niederbayern das derzeit im Verkehrsressort tut.

Ganz finster wurde es bei einer Schalte nach Oberfranken. Dort regiert Hans-Peter Friedrich den Parteibezirk, jener Friedrich, der einst als Bundesinnenminister den Neurechtenversteher und Schutzpatron aller Neonazis, Hans-Georg Maaßen, an die Spitze des deutschen Inlandsgeheimdienstes gesetzt hat. Da mochte der Hans-Peter noch so putzig mit einem CSU-Fähnchen in die Kamera winken, lustig war das nicht. Geschmacklos schon eher.

Darauf eine Cola light!

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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kari

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