Die Wahrheit: „Ich habe sogar ein Bügelbrett“

Ein exklusives Wahrheit-Interview mit dem inzwischen versteckt lebenden US-amerikanischen Vizepräsidenten a. D. Mike Pence.

Ist inzwischen als Couchhopper an einem unbekannten Ort untergekommen: Mike Pence Foto: AP

Seit er am 6. Januar 2021 im Kapitol von Washington mit knapper Not einer von Donald Trump aufgehetzten Mörderbande entkommen ist, hält Mike Pence sich irgendwo in den USA versteckt. Öffentlich hat er bislang weder ein böses Wort über Trump geäußert noch irgendein Interview gegeben. Erst jetzt bricht Pence sein Schweigen – weltexklusiv im Gespräch mit der Wahrheit.

taz: Wo befinden Sie sich zurzeit, Mister Pence?

Mike Pence: An einem geheimen Ort ohne Fenster, aber es geht mir gut. Ich habe hier einen kleinen elektrischen Ofen, einen Tauchsieder, ein WC und einen Telefonanschluss.

Bekommen Sie viele Anrufe?

Es geht so. Hauptsächlich melden sich Leute, die mich umbringen wollen, aber manchmal erhalte ich auch Zuspruch. Letzten Mittwoch zum Beispiel. Da hat mich ein Sterbehelfer aus der Schweiz angerufen und mir seine Dienste angeboten. Gelegentlich rufen auch Sargtischler an.

Sprechen Sie hin und wieder mit Trump?

Eher selten. Das soll jedoch nicht heißen, dass die Chemie zwischen uns nicht stimmt. Als Präsident hat er Fantastisches geleistet, und ich glaube, dass er meine Entschuldigung für die Ereignisse vom 6. Januar angenommen hat.

Sie meinen Ihre Ratifizierung des Wahlergebnisses und die Hetzjagd des Mobs, der Sie in Trumps Auftrag ermorden wollte?

So konfrontativ würde ich es nicht ausdrücken. Es hat Meinungsverschiedenheiten gegeben, doch die haben wir einvernehmlich beigelegt.

Fürchten Sie noch immer um Ihr Leben?

Aber nein! Was bringt Sie auf diese Idee?

Sie scheuen das Licht der Öffentlichkeit und haben sich in ein Mauseloch verkrochen. Reicht das nicht als Beweis?

Wie gesagt: Ich fühle mich hier sehr wohl. Wenn ich ein bisschen umräume, kann ich sogar ein Bügelbrett aufstellen.

Wollen Sie sich noch lange versteckt halten?

Sie interpretieren da zu viel hinein. Wir alle brauchen doch mal einen Retreat, und ich verbringe jetzt viel Zeit damit, den Jux vom 6. Januar zu vergessen.

Da sind Sie ja nur mithilfe Ihrer Bodyguards um Haaresbreite mit dem Leben davongekommen …

Stimmt. Es war schon ein bisschen grenzwertig. Das ändert aber nichts an der Bewunderung, die ich für den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten hege.

Finden Sie es gut, dass das Impeachment im US-Senat gescheitert ist?

Ich bitte Sie! Das war doch nur eine Scharade. Es ist beschämend, dass die Demokraten immer wieder versuchen, unsere große Nation zu spalten und Hass zu säen, anstatt sich den drängenden Problemen zu stellen, die gelöst werden müssen. Ich denke da vor allem an die Coronapandemie. Leider scheint Joe Bidens Administration damit vollkommen überfordert zu sein.

Als Leiter der White House Coronavirus Task Force haben Sie doch aber selbst auf ganzer Linie versagt …

Finden Sie?

Allerdings. Sie haben die Arbeit der Gesundheitsbehörde CDC sabotiert und im Übrigen als Ohrfeigengesicht im Hintergrund herumgestanden, während Trump der Öffentlichkeit unzählige Lügen über das Virus erzählt hat.

Sie sind naiv. Hätte ich da etwa randalieren sollen? Und dem Präsidenten widersprechen?

Selbstverständlich. Das wäre Ihre staatsmännische Pflicht gewesen.

Wenn Sie das so sehen, leben Sie in einer Traumwelt ohne klaren Blick auf politische Realitäten.

Da lebt es sich immerhin besser als in Ihrem Mauseloch.

Irrtum! Es ist hier gar nicht so schlecht. Körperlich halte ich mich mit Kniebeugen fit und geistig mit Sudokus und Bibelstudien, und nebenbei bereite ich mein Comeback vor.

Als was?

Na, als was wohl? 2024 werde ich als Präsidentschaftskandidat antreten.

Bei allem Respekt, Mister Pence, aber da lachen doch die Hühner. Nach dem Mordanschlag, den Donald Trump auf Sie verübt hat, sind Sie zu feige gewesen, dessen Amtsenthebung einzuleiten oder ihn auch nur zur Rede zu stellen, und seither vegetieren Sie mit eingezogenem Schwanz irgendwo im Untergrund. Auf der ganzen Welt betrachtet man Sie als den erbärmlichsten Ver­sager in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Wie wollen Sie sich unter diesen Umständen jemals wieder Autorität verschaffen?

Was Sie da sagen, ist mir völlig neu.

Haben Sie denn kein Internet? Und lesen Sie keine Zeitungen?

Nein. Ich höre nur evangelikale Radiosender. Redet man da draußen tatsächlich so schlecht über mich?

Großenteils sogar noch sehr viel schlechter.

Das habe ich nicht gewusst. (Er schluchzt.) Aber … aber … ich will doch so gern Präsident werden! (Er bricht in Tränen aus.)

Trösten Sie sich, Mister Pence: Für dieses Amt ist ein Waschlappen wie Sie vollkommen ungeeignet. Sie können sich aber um einen anderen Posten bewerben. Wie man hört, suchen Ivanka Trump und Jared Kushner für ihr neues Dreißig-Millionen-Dollar-Anwesen in Florida einen Nacktputzer. Wäre das nicht was für Sie?

Wie hoch wäre denn der Stundenlohn?

Drei Dollar brutto.

Nicht schlecht. Ich werde mal darüber nachdenken. Gütigsten Dank für den Tipp!

Mister Pence, vielen Dank für das Gespräch.

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kari

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